richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Eine Empfehlung: Defamation von Yoav Shamir

Defamation – Trailer from Yoav Shamir Films on Vimeo.

Falls Sie einmal 90 Minuten Zeit haben, dann sehen Sie sich den Dokumentarfilm Defamation an. Wahrlich, der Film ist ein Juwel und Yoav Shamir ein mit allen Wässerchen gewaschener Beobachter, der sich nicht scheut, zwei Seiten einer Medaille zu zeigen. Es gibt übrigens auch eine deutsche Fassung unter dem Titel Die Verleumdung und wenn Sie nicht gänzlich der Internet-Recherche abhold sind, können Sie im Web eine Reihe von längeren und kürzeren Film-Ausschnitten finden.

Im Besonderen war ich von Norman Finkelstein beeindruckt. Seine Tirade ist nicht von schlechten Eltern und jedem deutschsprachigen Bürger rutscht das Herz in die Hose, wenn er sieht und hört, was Finkelstein tut und sagt. Der Mann hat gehörig Chuzpe und man ist fast geneigt, ihn mit Diderot zu vergleichen, der seinerzeit mit dem katholischen Establishment aneckte und für seine ketzerischen Schriften im Jahr 1743 ins Gefängnis geworfen wurde.

Erwähnenswert auch das Gespräch mit Uri Avnery, der alte Mann, der noch immer alle Sinne beisammen hat und ein stetiger Kämpfer gegen politischen Extremismus ist. Gäbe es mehr Menschen von seiner Sorte, dieser Planet wäre mit Sicherheit gesünder. Ich hoffe, der gute Uri bleibt uns noch lange erhalten.

Falls Sie noch einen Schritt weiter gehen wollen, dann kann ich Ihnen den Dokumentarfilm The Gatekeepers wärmstens ans Herz legen (imdb). Die eingedeutschte Version wurde übrigens in ARTE gezeigt – leider hat man bei der Titelwahl arg daneben gegriffen: Töte zuerst! – Der israelische Geheimdienst Schin Bet. Ich frage mich, ganz heimlich, ob dieser marktschreierische und damit unseriöse Titel mit Absicht gewählt wurde, um von der politisch-gesellschaftlichen Thematik abzulenken. Denn die Gedanken, die diese Gatekeepers vor laufender Kamera wälzen, haben enorme Sprengkraft.

Wie dem auch sei, so lange sich die Parteien im Nahen Osten feindlich gegenüberstehen, so lange wird es mir nicht erlaubt sein, die Vergangenheit, die so viel Leid brachte, in allen nur erdenklichen Ausprägungen zu ergründen. Vor Jahren wäre es mir gar nicht erst in den Sinn gekommen, historische Wühlarbeiten zu unternehmen. Wozu auch? Aber je mehr Staubschichten ich von diesem schier unfassbaren Gestern entfernte, manchmal kam mir der Zufall zu Hilfe, umso ungläubiger und einsamer fühlte ich mich. Langsam reifte in mir die Befürchtung, dass ich – gedanklich – in einem Mittelalter gefangen gehalten werde, einer Epoche, als man an den einen Gott zu glauben und an Rom seine Abgaben zu entrichten hatte. Wer zweifelte, der zweifelte im Stillen, aus Angst, die Inquisition könnte einem auf die Schliche kommen. O tempora, o mores.

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