richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Gelesen: Der Tod des Landeshauptmanns von Eugen Freund

Eugen-Freund-BuchDieses Buch, heißt es in der Vorbemerkung, sei ein Roman und Romane haben es an sich, mit der Realität nichts oder – im Extremfall – nur sehr wenig zu tun zu haben. Folgerichtig ist das Buch eine kriminalistische Klischeeanhäufung und Jörg Haiders Tod nur ein Aufhänger. Enttäuschend. Andererseits, vergessen wir nicht, dass Autor Eugen Freund langjähriger ORF-Mitarbeiter und Korrespondent in den USA war und nun im europäischen Parlament sitzt. Wollte er ernsthaft relevante Verschwörungstheorien wälzen, es würde seiner politisch-journalistischen Karriere mit Sicherheit nicht wohl bekommen.

Nichtsdestotrotz ist es ihm anzurechnen, dass er sich getraute, die israelischen und amerikanischen Geheimdienstagenturen ins Spiel zu bringen. Natürlich lässt er einen (fiktiven) CIA-Mitarbeiter sagen, dass die Zeiten vorbei seien, als man noch Politiker mit Gewalt aus den Weg räumte. Aha. Scheinbar gab es eine dunkle Vergangenheit, in der bezahlte Handlanger ihr blutiges Werk vollzogen. Im Sinne der Staatssicherheit, versteht sich. Gut, das war damals. Kalter Krieg, nicht? Ich bezweifle freilich, dass sich daran etwas geändert hätte. Ein kurzer Abriss über die murder inc.ist hier nachzulesen: The CIA’s Secret Killers von Alexander Cockburn, publiziert in counterpunch. Der israelische Geheimdienst steht dem amerikanischen natürlich in nichts nach. Wenn es der Staatssicherheit dienlich ist, werden Bomben gezündet und Leute exekutiert. Steven Spielbergs Filmdrama München [imdb] führt eindringlich vor Augen, was geschieht, wenn man Tel Aviv ans Bein pinkelt. Einen guten Einblick in das Mindset hochrangiger israelischer Geheimdienstoffiziere gewährt die sehenswerte Doku The Gatekeepers [imdb] von Dror Moreh.

Zurück zum Buch. Der Täter – Vorsicht Spoiler! – ist Kärntner und Nazi. Ja, er ist nicht nur ein alter, sondern auch noch ein neuer Nationalsozialist. Oh. Wer hätte das gedacht? Gewiss, für einen banalen Krimi muss diese Simplifizierung reichen. In der Realität, irgendwo da draußen, geht es um Netzwerke und Vernetzungen. Verschwörungstheoretisch gehe ich davon aus, dass Geheimdienste oder staatsnahe Agenturen immerzu ihre Finger im kriminellen Spiel haben: Drogen- und Waffenlieferungen, Geldwäsche, Erpressung, Entführung, Mord – you name it. Ein gutes Beispiel, um zu verstehen, wie die Chose läuft, bietet die Iran-Contra-Affäre aus den 1980ern. Im Verlauf der Untersuchungen stellte sich heraus, dass so gut wie die gesamte US-Regierung auf die eine oder andere Weise in illegal-dubiose Machenschaften involviert war. Aber vollends hässlich wird es, wenn man erführe, dass in den 1970ern und 1980ern eine geheime NATO-Sondertruppe Terroranschläge in Europa verübte [Unternehmen Gladio]. Siehe hierzu die Vorträge des Schweizer Historikers Daniele Ganser.

Und Jörg Haider? Ich habe mich mit ihm nicht befasst, aber kratzt man an der Oberfläche, bemerkt man schnell, dass es sich bei ihm nicht nur um einen Populisten und Provinzpolitiker gehandelt haben konnte. Welchem Netzwerk er angehörte, wem er dienlich war, werden wir mit Sicherheit niemals erfahren. Gut möglich, dass er sich zu weit entfernte, sich gewisser Freiräume bediente. Gut möglich, dass er den Bogen überspannte, weil er von populistischen zu ernsthaften Themen wechselte. Was auch immer in dieser einen Nacht geschah, die offizielle Version glaube ich keine Sekunde. Ich darf das. Ich bin ein Spinner Verschwörungstheoretiker😉

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