richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die Dysphorie im Elfenbeinturm

Scribble_M2015Nope. Auch ich kannte das Wort Dysphorie nicht. Gestern kam es mir unter die Augen. Heimito von Doderer verwendete es in einer seiner Gedankenskizzen. Gemäß Duden bedeutet es Störung des emotionalen Erlebens [ohne Krankheitswert]; ängstlich-bedrückte, traurige, mit Gereiztheit einhergehende Stimmungslage und ist – wenn man so möchte – das Gegenteil der Euphorie.

Das nächste Buchprojekt neigt sich dem Ende zu. Zwölf lange Jahre lag das Manuskript mal in der rechten, mal in der linken Schublade. Dann und wann abgestaubt, dann und wann zufrieden genickt, dann und wann peinlich berührt und immer wieder Sätze geändert, gestrichen, geändert, gestrichen. Und nun ist der Punkt erreicht, der Punkt gesetzt. Abgehakt. Beinahe.

Ich habe mich seit Jahren mit dieser inneren Leere befasst, die den ErSchaffenden am Ende des Gestaltungsprozesses einholt und überholt. Es ist, als würde der Kreative, der Künstler, der Handwerker aus seinem wohligen Traum gerissen, fortgerissen. In eine Welt, die im Duden als Realität, als wirkliche Wirklichkeit vermerkt ist. Und nun? Der Elfenbeinturmbewohner hat die Stätte der Geborgenheit zu verlassen. Hinaus! Schnell! Sofort!

Es ist Aprilwetter, da draußen. Die Sonne pendelt zwischen wohlig warm und giftig heiß. So ist das. So und nicht anders.

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