richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Hereinspaziert oder Die merkwürdige Epoche von Asyl und Flucht

Cool. Ich will da hin!

Cool. Ich will da hin!

update: Auf ORF.Online wird die Webseite fluchthelfer.in bereits ins Rampenlicht gerückt: »Künstlerkollektiv hofft auf Solidarität „Für uns ist Fluchthilfe (…) auch ein politisches Statement für Bewegungsfreiheit“, heißt es auf der Seite. Nach Ansicht des Berliner Künstlerkollektiv Peng!, das hinter der Plattform steckt, handelt es sich außerdem um eine „höchst ehrbare Tätigkeit“. Mit der Kampagne wollen die Aktivisten, die bereits in der Vergangenheit mit Kampagnen die Gesellschaft zum „zivilen Ungehorsam“ aufriefen, auch zeigen, dass viele Bürger motiviert sind, etwas zu machen. Einerseits sei wachsender Rassismus zu beobachten, andererseits aber eben auch eine Zunahme der Solidarität.« Sie sehen an diesem Artikel, wie subtile Propaganda funktioniert. Zum Einen wird die Webseite bekannt gemacht, zum anderen werden Vergleiche mit („heldenhaften“) Fluchthelfer zur Zeit des Eisernen Vorhanges gezogen. Hinter der Online-Plattform soll, so der Artikel, ein Künstlerkollektiv stehen, der WHOIS-Eintrag erzählt aber eine andere Geschichte, nämlich die einer US-Denkfabrik.

***

Haben Sie vielleicht auch so ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend, das Ihnen ein drohendes Unwetter anzeigt? Irgendetwas ist faul in Dänemark. So viel lässt sich sagen. Die letzten Wochen und Monate überschlagen sich die Medien mit dramatischen Reportagen: Flucht. Asyl. Trauma. Angst. Abschiebung. Das überaus Merkwürdige daran ist, dass es nicht nur ein österreichisches oder europäisches, sondern ein globales Phänomen zu sein scheint. Und immer dann, wenn der Mainstream eine konzentrierte Anstrengung macht, um ein Thema in die Köpfe der gutgläubigen Bürger zu bekommen, ist Gefahr im Anzug in Verzug.

Man möchte es nicht glauben, aber die „Terrorgefahr“ gab es bereits vor 9/11. Erinnern Sie sich noch, dass der New Yorker WTC-Komplex bereits in den 1990er-Jahren Ziel eines Bombenanschlags war? Aber da die Bombe (übrigens: zur Verfügung gestellt vom FBI) „nur“ im Inneren, in einer Garage, detonierte, gab es kaum gute Fernseh-Bilder der Verwüstung und des Schreckens. Anders natürlich der Anschlag in Oklahoma City, ebenfalls in den 1990er-Jahren, wo eine „hausgemachte“ Düngemittel-Bombe in einem Van ein halbes Bürohaus förmlich „heraussprengte“. Im Zuge der medialen Berichterstattung gab es anfänglich Anzeichen einer nah östlichen Beteiligung. So so.

Also, die Manipulation der breiten Masse beginnt nicht mit einem Big Bang. Es braucht Vorbereitungszeit. Der Bürger muss langsam aber beständig den immergleichen Bildern und Mantras ausgesetzt werden. So lange, bis dieser gar nicht mehr in der Lage ist, zwischen richtig und falsch, gut und böse zu unterscheiden. Am Ende ist es der Mainstream, der die Richtung vorgibt und der Bürger – wie ein gutgläubiges Lamm – folgt dieser Einbahnstraße. Ich meine, es gab Zeiten, da hatte jeder freie Mann eine Meinung und vertrat sie. Zugegeben, das konnte gut, das konnte böse enden, aber nichtsdestotrotz herrschte die Einsicht, dass ein freier Mann ein Anrecht auf eine Meinung haben durfte. Seit 1918, mit dem Ende des alten Systems, wird dieses Anrecht nicht nur von der Obrigkeit, sondern auch von deren Sprachrohr, der Presse, in Frage gestellt. Frei nach dem Mantra:

Ich bin nur ein kleiner Mann, der nicht weiß, wie die Welt funktioniert, also überlasse ich es den anderen, mir zu zeigen, aus welchen Meinungen ich „frei“ wählen darf.

Sehen Sie, wenn einst ein Bedürftiger an die Pforte eines Hauses geklopft hatte, dann wurde ihm – soweit möglich – geholfen. Vorausgesetzt, er erfüllte die Voraussetzungen für einen Hilfsbedürftigen. Scharlatane, Diebsgesindel, organisierte Banden, Strolche, Witzbolde, Neider, Narren und so weiter fielen per Definition nicht unter die Rubrik „hilfsbedürftig“. Niemand, der damals Anstoß genommen hätte, hätte man einen Strolch aus dem Dorf davongejagt. Denn am Ende geht es immer nur um eines, nämlich um den Zusammenhalt der Gemeinschaft! Ist diese in Gefahr, muss eine Lösung gefunden werden. Ansonsten würden die Kinder und Kindeskinder in naher und ferner Zukunft die „Früchte des Zorn“ schmecken.

Nun, jede Gemeinschaft hat eine Entscheidung zu treffen und die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen. Der springende Punkt ist aber, ob eine Gemeinschaft in den Entscheidungsprozess einer anderen eingreifen darf. Sollte also ein Dorf in Osttirol darüber mitentscheiden, ob ein burgenländisches Dorf ihre Abwasserkanäle erneuern darf? Ich denke, die Antwort liegt auf der Hand, nicht wahr?

Und deshalb, zu guter Letzt, frage ich mich, warum die kalifornische Denkfabrik The Ayn Rand Institute die sehr professionell und einladende deutsche Webseite fluchthelfer.in „betreibt“ (bzw. die Domain gekauft hat). Auf dieser Seite wird aufgeklärt, wie man „Fluchtwillige“ unterstützen kann und dass diese „Unterstützung“ keine strafrechtlichen Konsequenzen für den Fluchthelfer nach ziehen dürfte:

In den meisten Fällen dürften Fluchthelfer.innen, selbst wenn sie erwischt werden sollten, nach unserer Einschätzung straffrei bleiben, oder zumindest mit einer Geldstrafe davon kommen. Vor allem das erste Mal.

Also, warum glauben Sie, nimmt ein US-Amerikanischer Think Tank, der sich generell für den freien Waren- und Geldverkehr (vulgo Globalisierung) ausspricht, Geld in die Hand, um im deutschen Sprachraum Bürger zu motivieren, „Fluchtwillige“ zu unterstützen? Hören wir, was der ehemalige US-Senator Barry Goldwater (1909-1998) über die Ziele der bekanntesten amerikanischen Denkfabrik Council on Foreign Relations [Rat für auswärtige Beziehungen] schrieb.

[meine Übersetzung:] Ich glaube, dass der »Rat für auswärtige Beziehungen« und seine untergeordneten elitären Gruppierungen dem Kommunismus gleichgültig gegenüberstehen. Sie haben kein ideologisches Fundament. In ihrem Streben nach einer neuen Weltordnung [New World Order] sind sie bereit, einem kommunistischen, einem sozialistischen und einem demokratischen Staat, genauso wie einer Monarchie, einer Oligarchie, ohne Vorurteil zu begegnen – es ist für sie alles das Gleiche. Ihr Ziel ist eine liebevolle Stabilität aller sich streitenden Nationen durch Zusammenschlüsse und Konsolidierung. Sie sehen die Beseitigung sowohl nationaler Grenzen als auch der Unterdrückung ethnischer Zugehörigkeiten als den schnellstmöglichen Weg zum Weltfrieden. Sie glauben, dass wirtschaftlicher Wettkampf die Hauptursache internationaler Spannungen ist. Vielleicht, wenn die Vision des Rates umgesetzt würde, verringerte es in Zukunft Kriege und Armut und brächte einen effizienteren Umgang mit den Ressourcen dieser Welt. Aber für mich würde dies unweigerlich einhergehen mit einem Verlust persönlicher Wahlfreiheit und einer Wiedereinführung jener Zwänge, die die Amerikanische Revolution ausgelöst hatten.

With No Apologies: The Personal and Political Memoirs of United States Senator
Barry M. Goldwater, 1979
Kapitel 33: ›The Nonelected Rulers‹ (S. 291-299).

Wie auch immer Sie zu diesem Thema stehen, eines ist mit absoluter Sicherheit zu sagen: eine amerikanische Denkfabrik schert sich einen Pfifferling um die Gemeinschaft in einem Dorf in Österreich oder Deutschland. Diese elitären Denkfabriken arbeiten an der Zukunft. Sie sind es, die den Boden für das Kommende bereiten. Und ich gehe davon aus, dass es nichts Gutes sein wird.

2 Antworten zu “Hereinspaziert oder Die merkwürdige Epoche von Asyl und Flucht

  1. zip Freitag, 14 August, 2015 um 10:59

    *
    Die US-amerikanische Politikwissenschafterin Kelly Greenhill hat 2010 ein Buch herausgebracht: „Weapons of Mass Migration – Forced Displacement, Coercion and Foreign Policy“ (Link unten). Greenhill definiert dabei Migrationswaffen als „grenzüberschreitende Bevölkerungsbewegungen, die absichtlich erzeugt oder manipuliert wurden, um von einem Zielstaat oder Zielstaaten politische, militärische und/oder wirtschaftliche Zugeständnisse zu erzwingen“. Ich würde vielleicht noch erweitern: „… um in dem Zielstaat/Zielstaaten eine politische, militärische oder wirtschaftlich Destabilisierung oder Schwächung zu erreichen“. Denn die USA sind an einem wirtschaftlich starken Europa mit positiver Handelsbilanz und stabiler Währung nicht sonderlich interessiert. Immerhin zählt Greenhill seit 1953 (siehe Auszug) 56 Fälle auf, in denen die „Migrationswaffe“ zum Einsatz gekommen ist.

    http://www.cornellpress.cornell.edu/book/?GCOI=80140100627270

    Auszug:

    http://calhoun.nps.edu/bitstream/handle/10945/11515/SI_V9_I1_2010_Greenhill_116.pdf

    http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/migration-erpressung-die-neue-superwaffe-1609116.html

    • Richard K. Breuer Sonntag, 16 August, 2015 um 11:42

      Vermutlich scheint das Thema „Flüchtlingswelle“ in die Hand mehrerer Parteien spielen. Zum Einen jene Länder, die diese Welle „eindämmen“ könnten, aber dafür eine (politisch-wirtschaftliche) Gegenleistung verlangen (vulgo Erpressung), zum Anderen jene Technokraten, die mehr Macht und Befugnisse in Brüssel zentralisiert sehen wollen. Es häufen sich in letzter Zeit die (journalistischen) Stimmen, dass die Lösung „eines der größten humanitären Problemen der Gegenwart“ darin bestünde, dass Brüssel „Druck machen“ soll und „zwar richtig“ (siehe Standard vom 16.August 2015, Kommentar, Seite 40).

      Also, wenn Politiker, Denkfabriken und die Qualitätspresse einhellig von einem „humanitären Problem“ sprechen, das gelöst werden „muss“, dann kann man davon ausgehen, dass uns die „Lösung“ näher an Orwells Vision heranrücken lässt.

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