richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Helfen oder nicht helfen, das ist hier die Frage

Daß wir die Übel, die wir haben, lieber Ertragen als zu unbekannten fliehn.

Daß wir die Übel, die wir haben, lieber Ertragen als zu unbekannten fliehn.

Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage:
Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
Des wütenden Geschicks erdulden oder,
Sich waffnend gegen eine See von Plagen,
Durch Widerstand sie enden? Sterben: schlafen;

[…]

Daß wir die Übel, die wir haben, lieber
Ertragen als zu unbekannten fliehn.
So macht Bewußtsein Feige aus uns allen;
Der angebornen Farbe der Entschließung
Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;

Hamlet: Prinz von Dänemark
William Shakespeare 
übers. v. W. v. Schlegel

Haben Sie vielleicht den KURIER vom Sonntag durchgeblättert? Auch diesmal geht es wieder vorrangig um das Thema „Flüchtlinge„. Plakativ und subtil lässt man den Leser wissen, dass er den „Flüchtlingen“ zu helfen hat. Gut. Gleichzeitig aber wird er mit Fotos konfrontiert, die ein unbewusstes Unbehagen in ihm, im Leser, auslösen: Beispielsweise eine Ansammlung fremder Menschen auf einem Bahnhof (besser: auf Geleisen), wartend, hoffend, auf einen Zug, der sie in eine bessere Zukunft bringen soll. Ein Schlauchboot mit Männern, irgendwo am Meer – im Hintergrund ein Kreuzfahrtschiff (Sie dürfen sich jetzt fragen, warum es die Presseagenturen vermeiden, Fotos von Flüchtlingen in Booten gemeinsam mit Yachten reicher Privatiers abzubilden). Dann eine militärisch aussehende Landkarte von Europa, die „Flüchtlings-Armeen“ und ihre „Angriffsbemühungen“ zeigt. Und zu guter Letzt erfährt der Leser auch noch von einem vereitelten Massaker: in einem französischen Zug wollte ein „mutmaßlicher“ muslimischer Afrikaner – stilecht mit einer Kalaschnikow – ein Blutbad anrichten, konnte aber noch im letzten Moment von zwei Amerikanern bewusstlos geschlagen werden. Aha.

Also. Wie soll sich da jetzt einer auskennen? Da wir eine christliche Erziehung (!) genossen haben, wollen wir helfen. Gleichzeitig haben wir aber das Gefühl, damit unser eigenes Grab zu schaufeln. Der Mainstream ist bei alledem nicht hilfreich. Ganz im Gegenteil. Er schürt die Zwänge, er schürt die Ängste. So bleibt der gewöhnliche Bürger ein Zerrissener. Punktum. Der Hausverstand genauso wie die heimatlich-gesellschaftliche Verbundenheit wurden längst diskreditiert. Am Ende sind wir nur noch eine feige Masse, die mit wenig Aufwand von Presseleuten und Politikern geknetet und in eine bestimmte Form gebracht werden kann. Geht einmal die „mütterliche Welt„, in der man sich geschützt gewusst hatte, verloren, erleiden wir, so Prof. Horst E. Richter, eine „Umzugs-Depression„. Sollten Sie also bemerken, dass Sie an einer depressiven Verstimmung leiden, dann hat es weniger mit Ihnen als mit den äußeren Umständen zu tun. Ich gehe davon aus, dass die Pharma-Industrie, im Gegensatz zum gewöhnlichen Bürger, eine blühende Zukunft haben wird.

Wie dem auch sei, es gilt, die folgenden Fragen zu stellen:

  • Wer hat die Lebensgrundlage der Menschen in den Krisenregionen zerstört? Waren es nicht Angriffskriege der westlichen Mächte, sei es in Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan usw., die ein funktionierendes Gemeinwesen zerbombt haben?
  • Wer hat die bestehenden staatlichen Strukturen in den gegenwärtigen „Krisenregionen“ durch Revolutionen und Putschversuche zerstört? Waren es nicht westliche Mächte, die hier ihre Hände im Spiel hatten?
  • Trägt die Globalisierung nicht dazu bei, dass die heimatliche Wirtschaft in den Krisenregionen unrentabel gemacht wird und auf diese Weise verschwindet? Ohne Wirtschaft: keine Arbeit: keine Zukunft.
  • Wer sind diese „Schlepperbanden“? Sind diesen „Banden“ nicht vielmehr ein international organisiertes Verbrechernetzwerk, das Verbindungen in die höchsten politischen Kreise hat?
  • Wie können Flüchtlinge ihre „Reise“ bezahlen? Woher nehmen sie die Dollars, die dafür nötig sind? Wie werden die „Schlepper“ bezahlt? Wer verdient wie viel bei alledem?
  • Wie ist es zu erklären, dass Tausende von Flüchtlinge in der Türkei auf ihr Boot „warten“ dürfen, ohne befürchten zu müssen, von den türkischen Behörden festgenommen zu werden?
  • Ist es möglich, dass im Hintergrund Kräfte am Werk sind, die darauf abzielen, Europa zu destabilisieren?

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