richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Gedankensprünge zum Thema Flüchtlingskrise: Von Majestätsbeleidigung über kontrollierte Opposition bis hin zur Ketzerei

Orwell_Liberty_QuoteVor ein paar Jahren war es, als mich X. als Doomster bezeichnete, weil ich die Zukunft recht dunkel einfärbte. Gegenwärtig sehe ich weder einen Regenbogen noch einen Silberstreifen am Horizont heraufdämmern. Rosarote Brillen, gewiss, werden genauso zahlreich verteilt wie all diese blauen Pillen, die einen die Realität vergessen lassen. Darin liegt ja die Crux aller Krisen, nämlich dass der gewöhnliche Bürger von der überschäumenden Propaganda-Flut hinweggespült und von der political correctness Tollwut zerfleischt wird. Zur Erinnerung sei hier angemerkt, dass es ein gewisser Immanuel Kant war, der im September 1784 in seinem Aufsatz schrieb:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. […] Sapere aude! ›Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‹

Tja. 231 Jahre später kehren wir wieder zum Ausgangspunkt zurück. Die regierenden Fürsten teilen ihren Untertanen mit, was sie zu denken, woran sie zu glauben und was sie zu tun haben. Verfehlungen werden rigoros bestraft. Damals hieß der Verbrecher Ketzer, heutzutage Hetzer. Die Majestätsbeleidigung, die einen in den Kerker bringen konnte, gibt es noch heute – einzig, dass die (imaginäre) Majestät je nach welt- und gesellschaftspolitischer Lage wechselt. Toleranz, das Ergebnis einer humanistischen Gesinnung in Europa, wird zu einem totalitären „Entweder-oder“ entstellt. Wer Art und Ausmaß „humanitärer Hilfe“ besprechen und Grenzen ziehen möchte, ist bereits verdächtig, den rechten Teufel in sich zu tragen. Haupt- genauso wie nebenberufliche Exorzisten sorgen mittels Zuckerbrot und Peitsche dafür, dass all die Schafe, die vom linken Wege abgekommen sind, zur Herde zurückkehren. Man könnte meinen, im dunklen Mittelalter (das in Wirklichkeit so dunkel nicht war) aufgewacht zu sein.

Hier ein paar Gedankensprünge zum Thema.

Ist Ihnen bereits aufgefallen, dass es mehr Arbeitslose in Griechenland (25 %) und Spanien (21 %) gibt, als im Irak (16 %)? Sie können sich gerne den Kopf darüber zerbrechen, wie es sein kann, dass in einem von blutigen Anschlägen verwüsteten Land, die Wirtschaft nicht völlig am Boden liegt. Wie dem auch sei, es ist nun mal so, dass eine Bevölkerung alles unternimmt, um ihr Fortbestehen zu sichern, egal wie trostlos, wie hoffnungslos die Situation auch scheinen mag – siehe Deutschland im Herbst 1945 – vorausgesetzt, die Bewohner geben ihr Land nicht auf.

[7] All German cities above 50,000 population and many smaller ones were from 50 to 80 per cent destroyed. Dresden, as large as Pittsburgh, was wiped out and nearly all of its 620,000 inhabitants buried under the ruins.

[8] Cologne, with a population of 750,000, was turned into a gigantic wasteland. Hamburg, with its 1,150,000 people, was blasted by huge attacks, in one of which the flames rolled a mile into the sky and roasted alive hundreds of thousands of civilians in street temperatures of a thousand degrees. Frankfurt-on-Main, a city of 500,000, was reduced to a mass of rubble. All cities and industrial areas, such as the Ruhr and Saar regions, were laid waste.

[7] United Press, London, Feb. 14, 1945 and Associated Press, London, March 5, 1945
[8] Associated Press, London, March 24, 1945
Quellen wurde von meiner Seite nicht verifziert

Kennen Sie den Begriff „kontrollierte Opposition“? Interessanterweise konnte ich kein Definition im Deutschen finden. Im Englischen findet sich die folgende:

[meine Übersetzung:] Eine kontrollierte Opposition ist eine Protestbewegung, die in Wirklichkeit von einem Regierungsagenten geführt wird. So gut wie alle Regierungen haben in der Vergangenheit diese Technik angewendet, um ihre politischen Gegner auszutricksen und sie zu bändigen. Lenin hat einmal gesagt: „Der beste Weg, die Opposition zu kontrollieren ist, sie selbst anzuführen.“ A controlled opposition is a protest movement that is actually being led by government agents. Nearly all governments in history have employed this technique to trick and subdue their adversaries. Notably Vladimir Lenin who said „The best way to control the opposition is to lead it ourselves.“ Urban Dictionary

Ich erwähne diesen Sachverhalt deshalb, weil der gewöhnliche Bürger davon ausgeht, dass die Dinge so sind, wie sie in den Medien bzw. in der Schule dargestellt werden. Die Einflussnahme, die da draußen, in der Realität geschieht und von der die Medien nur flüsternd berichten, ist eine Tatsache (schlag nach bei COINTELPRO) und ich gehe davon aus, dass alle Protest- bzw. Bürgerbewegungen, die „Fahrt aufgenommen haben“, unterwandert sind. Ich bin sogar versucht zu sagen, dass die eine oder andere größere Bewegung durch (geheime) behördliche Initiativen entstanden ist. Dass auch und gerade populäre „Rädelsführer“ den Behörden zuarbeiten, sollte nach dem Mauerfall und der Öffnung der Stasi-Archive jedem Deutschen klar sein.

[meine Übersetzung:] Bürgerbewegungen, die während dieser Periode [der 1960er] aufkamen und die fundamentale Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft herbeiführen wollten, durften sich nicht frei entwickeln; statt dessen lösten sie sich vorzeitig auf oder wurden von Infiltratoren und Provokateuren unterwandert, deren korrupter Einfluss schließlich dazu führte, dass die Bewegungen für die Öffentlichkeit unglaubwürdig gemacht wurden. Somit ist es unmöglich festzustellen, in welche Richtung diese Bewegungen gegangen wären oder was sie hätten erreichen können, wenn es keine geheimen behördlichen Interventionen gegeben hätte.

Donna A. Demac, Liberty denied: the current rise of censorship in America
Rutgers University Press 1990, S. 78

Bezüglich der Presse, kann ich nur sagen: Seien Sie ja auf der Hut! Generell gilt: Wenn Artikel und (vor allem Fotos) versuchen, Ihre Emotionen anzusprechen, dann möchte man Sie manipulieren. Die Aufgabe der Qualitäts-Presse sollte in erster Linie die Sichtung und Aufbereitung von Fakten sein bzw., wenn Fakten und Daten fehlen, diese von Behörden oder Institutionen einfordern. Plumpe Stimmungsmache hat noch keine Krise gelöst, im Gegenteil, sie verschärft nur die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung und verhindert den sachlichen Diskurs. So sind es gerade die jungen Leute, seien sie Internationalisten, seien sie Nationalisten, die gegenüber der Stimmungsmache am anfälligsten sind und deren Hemmschwelle noch am geringsten ausgebildet ist.

Wenn die tatkräftigsten und am besten ausgebildeten Staatsbürger vor den Kriegswirren aus ihrer Heimat flüchten und sich in ihrem Asylland eine neue Existenz aufbauen dürfen, dann ist die Frage, ob das nicht gegenüber den im Krieg zurückgebliebenen Bürgern eine Ungerechtigkeit darstellt. Schließlich, wer soll das Land, wenn der Friede wieder einkehrt, aufbauen? Wer soll für Ruhe und Sicherheit sorgen? Ein Arzt oder Bautechniker, der nicht mehr zurückkehrt, lässt sein Land, sein Volk im Stich. Kurz und gut: Jeder funktionierende Staat benötigt eine gebildete Mittelschicht, die als Puffer zwischen unten und oben dient und somit für zivilisatorische Ordnung sorgt. Ist dies nicht der Fall, verkommt der Staat zu einer regionalen Arena, in der Familien und Stämme und Parteien um den „Thron“ kämpfen und erneut blutige Wirren auslösen, die wiederum erneut für Fluchtwellen sorgen. Ist es das, was wir uns für die Zukunft wünschen?

Sollten Sie ein skeptisch-kritischer Geist sein, so seien Sie vorsichtig, Ihre Gedanken in aller Öffentlichkeit zu formulieren. Gegen den Geschrei des Pöbels, der von Berufsdemonstranten und professionellen Propagandisten eingepeitscht wird, kommt der Einzelne nicht an. Weiters würde ich an der Teilnahme von „groß angekündigten“ Demonstrationen bekannter als „rechtspopulistisch klassifizierte Organisationen“ (O-Ton Wikipedia) abraten, da jeder Teilnehmer zu einem Spielball medialer und politischer Handlanger wird. Achten Sie auf die Wortwahl! Demonstrieren Sie nicht, versammeln Sie sich! Es geht nicht um eine Protest-, sondern um eine Bürgerbewegung. Verlegen Sie Versammlungen auf einen Sonntag Vormittag. Mit Kind und Kegel. Mit Ihren Eltern und Großeltern. Gehen Sie in die Kirche – vielleicht können Sie dort Ihre Sorgen und Ängste zum Ausdruck bringen. Versuchen Sie sich von unerwünschten „Zaungästen“ zu lösen. Seien Sie sich im Klaren, dass es draußen eine Schar an Agent Provocateurs gibt, deren einzige Aufgabe es ist, auf ein Foto oder in die Nachrichten zu kommen – sei es mit verunglimpfenden Plakaten, sei es mit brutalen Gesten, sei es mit hasserfüllten Sprechchören.

Generell gilt die Losung, dass jeder Mensch, der das Gesetz achtet – sei es in der Tradition, sei es in der Kultur verankert -, der sich an die goldene Regel hält und der mithelfen möchte, diese Welt mit friedlichen Mitteln in die Zukunft zu führen, dieser kann kein böser Mensch sein und darf nicht abgewiesen werden. Jeder Mensch, der das Gesetz missachtet, die Ordnung willentlich stört und mit verbrecherischen und gewalttätigen Mitteln seine Existenz auf Kosten anderer bestreiten möchte, sollte nicht in die Gemeinschaft aufgenommen werden.

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