richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die Grenze des Erlaubten in der Presse: Der Tod von Osama bin Laden

We came, we saw, he died, sozusagen.

We came, we saw, he died, sozusagen.

Falls Sie einmal wissen möchten, wo die Grenzen des Erlaubten in der Mainstream-Presse liegen, anno 2015, nun, dann lade ich Sie ein, die folgenden zwei Artikel* zu lesen und zu bestaunen.

Im New York Times Magazine vom 18. Oktober 2015 erschien der lange Artikel What Do We Really Know About Osama bin Laden’s Death? The history of Obama’s most important foreign-policy victory is still being written von Jonathan Mahler. Darin geht Mahler der Frage nach, was wir, die gewöhnlichen Bürger, über den Tod von „Terror-Mastermind“ Osama bin Laden im Mai 2011 wissen.

Nun, es war, wie so oft, Hollywood, die die offizielle Version des historischen Ereignisses, der größten Fahndung in der Geschichte der USA, im Jahr 2012 in bunten Farben auf die Leinwand brachte. Vielleicht haben Sie ja den Film Zero Dark Thirty gesehen, oder die Bücher gelesen, die allesamt auf „wahre Begebenheiten“ beruhen, dann wissen Sie, wie das Ganze abgelaufen ist und sind im Bilde, sozusagen. Doch dann, im Mai 2015, kam der unbequeme investigative Journalist Seymour Hersh und publizierte in der London Review of Books einen Essay mit dem nüchternen Titel The Killing of Osama bin Laden, der die offizielle Version kurzerhand anzweifelte. Naturgemäß, wenn respektable Journalisten in einem respektablen Medium die offizielle Version eines Ereignisses in Frage stellen, ist Feuer am Dach. Es brauchte nicht lang, bis die medialen Fetzen flogen.

Senator Dianne Feinstein, die als Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses die Erstellung des Berichts [über die Ausschaltung bin Ladens] überwachte, sagte, dass sie die Vorführung des Films vorzeitig verließ: „Ich konnte das nicht mehr ertragen“, sagte sie. „Weil alles [im Film] so falsch ist.“ Die Absicht der Filmemacher dürfte jene gewesen sein, eine ausgewogene Geschichte zu erzählen – die hässliche Wahrheit wie wir bin Laden fanden – aber in dem sie das taten, haben sie wohl eine Lüge verewigt.

Senator Dianne Feinstein, who oversaw the report as the committee’s chairwoman, said she walked out of a screening of the film. ‘‘I couldn’t handle it,’’ she said. ‘‘Because it’s so false.’’ The filmmakers’ intent had presumably been to tell a nuanced story — the ugly truth of how we found bin Laden — but in so doing, they seem to have perpetuated a lie.

Aber all die medialen Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Verunglimpfungen lösten nur noch mehr Verwirrung und Konfusion in der Bevölkerung aus. Das Faszinierendste an der ganzen Sache ist der Umstand, dass der gewöhnliche Bürger noch immer nicht weiß, was damals in Pakistan geschah, aber er weiß jetzt wenigstens, dass das offizielle Narrativ, vorsichtig formuliert, größere Lücken aufweist.

Sehen Sie, genau darin liegt die Aufgabe einer freien und unabhängigen Presse, nämlich Lücken, ob klein, ob groß, in einer Geschichte zu finden und darauf hinzuweisen. Erschreckend bei alledem ist, dass es 4 Jahre brauchte, bis Zweifel an der offiziellen Version in der Qualitätspresse formuliert wurden. Der von mir so überaus geschätzte Artikel im New York Times Magazine geht sogar noch einen Schritt weiter und erklärt dem Leser, dass die Behörden oftmals gar nicht erst versuchen, Informationen zu Ereignissen geheimzuhalten, sondern gewillt sind, das bestehende Vakuum mittels eines leicht verständlichen Narrativs auszufüllen. Je simpler die Story, desto eher wird die Masse die Erklärung akzeptieren – und da der Mainstream noch selten Ambitionen gezeigt hat, seiner Aufgabe nachzukommen, müssen sich die Behörden und Regierungsstellen gar keine Sorgen machen, entlarvt zu werden. Schlag nach bei 9/11.

Es ist nicht so, dass die Wahrheit über bin Ladens Tod völlig unbekannt wäre; es ist nur so, dass wir darüber nichts wissen. Und wir können uns auch nicht damit hinwegtrösten, mit der Hoffnung, dass wir eines Tages mehr Antworten erhalten; bis zum heutigen Tage hält die CIA ihre offizielle Geschichte der Schweinebucht-Affäre unter Verschluss. Wir wissen nicht, was sich vor mehr als einem halben Jahrhundert ereignet hat, noch weniger im Jahr 2011.

[…]  Es gibt verschiedene Möglichkeiten das Narrativ zu kontrollieren. Da ist die althergebrachte: Halte Dokumente, die du nicht in die Öffentlichkeit bringen möchtest, unter Verschluss, in Worten des ehemaligen CIA-Direktors Gates: „wenn es um die Details geht, halte den Mund“. Aber es gibt auch noch eine modernere, social-media-sichere Herangehensweise: Erzähl die Geschichte, die du ihnen glauben machen möchtest. Schweigen ist eine Möglichkeit ein Geheimnis zu bewahren. Plaudern eine andere. Und diese beiden Möglichkeiten schließen sich nicht gegenseitig aus.

It’s not that the truth about bin Laden’s death is unknowable; it’s that we don’t know it. And we can’t necessarily console ourselves with the hope that we will have more answers any time soon; to this day, the final volume of the C.I.A.’s official history of the Bay of Pigs remains classified. We don’t know what happened more than a half-century ago, much less in 2011. […] There are different ways to control a narrative. There’s the old-fashioned way: Classify documents that you don’t want seen and, as Gates said, ‘‘keep mum on the details.’’ But there’s also the more modern, social-media-savvy approach: Tell the story you want them to believe. Silence is one way to keep a secret. Talking is another. And they are not mutually exclusive.

Ich denke, dieser langatmige Artikel ist das Ende der Fahnenstange im Mainstream. Mehr Zweifel sind nicht erlaubt. Denn bei einem bin ich mir sicher, nämlich dass der Autor auch vom vorzeitigen natürlichen Ableben Osama bin Ladens Ende 2001 hörte – beispielsweise auf FOX News. Gewiss, das klingt nach einer Verschwörungstheorie, aber am Ende ist es für mich die einzige sinnvolle Erklärung, wie es möglich gewesen sein soll, dass ein einzelner, von Krankheit gezeichneter Mann die größte Geheimdienstallianz, die die Welt je gesehen hat, für zehn Jahre an der Nase herumzuführen. Das mag sehr weit hergeholt sein, gewiss, aber falls Sie George Orwells Zukunftsroman 1984 gelesen haben, dann werden Sie hoffentlich noch wissen, was es mit Emmanuel Goldstein und seiner „Terrorgruppe“ The Brotherhood auf sich hat, oder?

Eine weitere Lektion hat New York Times Kolumnist Thomas Friedman erteilt. Da Bin Laden jetzt endgültig Geschichte sei, sagte er CNN, sei es nun an der Zeit Bin Ladenismus auszumerzen. Er definierte Bin Ladenismus als die Anwendung von Gewalt um politische Veränderungen herbeizuführen. Als ein Befürworter des extrem gewalttätigen Staates von Israel und der US-geführten Invasion des Irak, dürfte es Friedman egal sein, dass es die USA ist, die den ersten Platz in der Welt einnimmt, wenn es darum geht, Gewalt für politische und wirtschaftliche Ziele anzuwenden. Sogar vor 9/11 hatten die Taliban wiederholt angeboten, bin Laden an die USA auszuliefern, aber Amerika wollte davon nichts wissen. Unsere Absicht, damals wie heute, war und ist zu bombardieren, zu bombardieren, zu bombardieren!

An additional lesson was provided by New York Times columnist Thomas Friedman. With Bin Laden gone, he said to CNN, it was time to eradicate Bin Ladenism, which he defined as using violence to affect political changes. An apologist for the ultra violent state of Israel and America’s invasion of Iraq, Friedman did not seem to care that it is the US that leads the world in violence for political and economic ends. Even before 9/11, the Taliban made repeated overtures to hand Bin Laden over to the US, but America would have none of it. Our intention, then as now, was to bomb, bomb and bomb!

Lin Dinh
The Strange Death of Osama Bin Laden
18. Mai 201

* der zweite Artikel wird in einem separatem Blog-Beitrag abgehandelt.

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