richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Je suis … encore

Jesuischarlie2016

Ein Jahr ist das Ereignis rund um den Anschlag auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo alt und noch immer sind viele Fragen unbeantwortet. Präsident Hollande nutzte jedenfalls den Jahrestag um schärfere Gesetze anzukündigen und eine Gedenktafel für die Opfer „schwerbewaffneter Islamisten“ zu enthüllen. Interessanterweise fehlt hier Kommissar Helric Fredou, der sich in seinem Büro mit seiner Dienstwaffe das Leben genommen haben soll, nach dem er die Familie eines der Opfer der Anschläge besuchte. Depression und Burn-Out waren die Ursachen des Suizids, liest man. Jetzt mal Hand aufs Herz: Glauben Sie das wirklich? Und weil es so un-glaublich ist, haben die großen und kleinen Medienhäuser das gemacht, was sie am besten können: Ein unerklärliches Ereignis unter den Teppich kehren und so tun, als gäbe es hier nichts zu sehen. Man muss schon in der Asia Times nachblättern, um etwas über dieses mainstream news blackout zu erfahren. Da passt es ganz gut, wenn ein CDU-Politiker die Mainstream-Medien in Bezug auf die Berichterstattung über die Vorfälle zur Silvesternacht in Köln als  Schweigekartell bezeichnet.

Ebenfalls unter den Teppich gekehrt wurde der kryptische Kommentar des türkischen Präsidenten Erdogan, der meinte, dass die Täter des Anschlags französische Bürger seien und man es Muslime in die Schuhe schieben wolle. Der Bürgermeister von Ankara ging einen Schritt weiter und erklärte, dass hinter den Anschlägen der israelische Geheimdienst Mossad stehen würde, um die westliche Welt gegen den Islam aufzubringen.

Auch wenn viele Aussagen und Kommentare und Überlegungen zu all den traumatischen Ereignissen der letzten Jahr im ersten Augenblick haltlos und absurd und konspirativ scheinen, so gehören sie trotzdem gehört und zur Diskussion gestellt. Unangenehme Informationen und Fakten in den Wind zu schlagen sowie behördliche Erklärungen als heilig und unantastbar hinzustellen, nur um ja keine Wellen zu schlagen, ist eine mediale Politik, die früher oder später den Verantwortlichen auf den Kopf fallen wird – siehe Köln, anno 2016.

Ich möchte mir wünschen, dass der eine oder andere Bürger in Zukunft den Medien und den Behörden mit mehr Skepsis begegnet und der Maxime von Literaturnobelpreisträger Harold Pinter folgt:

Als Bürger muss ich fragen: Was ist wahr? Was ist falsch?

Hier noch zwei meiner damaligen Blog-Beiträge, die sich mit den Anschlägen in Paris auseinandersetzen.

gebloggt Freitag, 16. Jänner 2015:
Inszenierte Terror-Anschläge – Eine Einführung

gebloggt Montag, 12. Jänner 2015:
Je suis …

 

6 Antworten zu “Je suis … encore

  1. kunstfenster Freitag, 8 Januar, 2016 um 13:27

    Ja, dass das französische Bürger waren, ist tatsächlich eine Feststellung, Wie haben die Franzosen und gerade die Franzosen Algerien als ein Teil Frankreichs gesehen, und solange auch Einfluss genommen auf die Politik dort. Ich mit meinem Namen traue mich gar nicht mehr mich öffentlich im Zusammenhang mit dem Naher Osten und Europa zu sagen. Da bin ich froh, wenn das jemand wie Du macht. Wenn man sich das so vorstellt, dass in fast jedem arabischen Land es in den letzten Jahren gebrannt hat, – das ist wie wenn es in ganz Europa Krieg gebe, Es ist eine traurige Zeit. Die Religion spielt im arabischen Raum deshalb so eine große Rolle, weil es keine Emanzipation des Einzelnen gab – des Subjekt Mensch als ein freies Wesen, der über sein Leben frei entscheiden kann. Deshalb stützt man sich oder verliert sich mit Fragen des Glaubens. In Europa kann der Mensch sich auch schwer sich von der Konsumgesellschaft frei entwickeln…..Und so viel mehr, Aber es ist noch immer die beste Welt in der man noch leben kann.
    Nochmals danke für Dein Buch Conspiracy, ein sehr gutes Buch und ganz toll und aufwendig aufgearbeitet.
    Ali Al Taiee

    • Richard K. Breuer Freitag, 8 Januar, 2016 um 21:05

      Wir sollten uns mal wieder sehen und ein bisserl plaudern, Ali. Du kannst jederzeit gerne deine Sichtweisen hier festhalten.

      Dass es in den letzten Jahrzehnten so viele Konflikte im Nahen Osten gegeben hat, dürfte m. E. mit den Machtspielen in Washington, London und Tel Aviv zu tun haben. Deren Einfluss wird in den Medien entweder ignoriert oder abgeschwächt. Aber wer (mit Dollars) zahlt, schafft Möglichkeiten und führt (schwache bzw. ambitionierte) Menschen in Versuchung.

      Wie soll einst Robber Baron und Finanzier Jason Gould (1836 – 1892) gesagt haben: »Ich kann eine Hälfte der Arbeiterschaft anstellen, um die andere Hälfte umzubringen.«

      • kunstfenster Samstag, 9 Januar, 2016 um 14:15

        Ich würde mich freuen, dich zu treffen, im Netz ist eh meine Nummer, deshalb wage ich keine starken Meldungen in die eine oder auch in die andere Richtung a bissel bedroht. Hier ist es ja a bissel leichter. Ja, wegen Waschington oder Israel oder auch London, ich weiß nicht, die Araber sind auch nicht ohne. Mir tut immer die junge Generation leid, die ich in meinem Buch Sauer Süß BItter, als die einzigen freien Menschen hinstelle, die die Welt da unten verändern können, weil ichs so erlebt habe. Wir wurden dann aber verprügelt für unsere Freiheitsliebe. Europa war damals in 70gern ein Vorbild.
        Wenn ich heute keine Haube trage, gerade eben jetzt, schauen mich ein paar Leute in der U- Bahn schon recht misstrauisch an wegen der Sache zu Silvester. Hast du einen europäischen Künstlernamen für mich, langsam wirds ungemütlich. Ja, mit Arbeiter schaften geht man eh schon lange mies um..Der Bevölkerung ist klar gemacht worden, Erfolg musst haben, auch wennst Hobbyläufer bist, musst schon wenigstens den Halbmarthon schaffen. Leistungsgesellschaft wird falsch verstanden, den nur der Erfolg zählt. Wie sagte Franz West: „Jeder will eine Ausbildung aber keine Bildung“. Na, was soll das bewirken. Alles Liebe ! Können uns treffen jeder Zeit,
        Ali Al Taiee

      • Richard K. Breuer Montag, 11 Januar, 2016 um 12:27

        Das westliche Europa in den 1970igern war nur nach außen hin „frei“. Natürlich lebt(e) es sich in einer demokratischen Illusion besser als in einer Ostblock-Diktatur, aber am Ende des Tages bleibt der Mensch in beiden Fällen ein Gefangener des ihm aufgezwungenen Systems.

        Heutzutage könnte man glauben, dass es diese Leistungs- und Konsumgesellschaft schon immer gegeben hat und der Mensch primär nur an sich denkt. Deshalb machte ich mir die Mühe, die Briefe, die Nikolaus Lenau Mitte des 19. Jahrhunderts aus den USA schrieb, in meinem Buch aufzunehmen. In seinen Worten kann man gut erkennen, dass es damals noch eine große Lücke zwischen (europäischen) Geistes- und (amerikanischen) Geldmenschen gab.

        Mit welcher U-Bahn fährst du denn so? Also für mein Empfinden ist die U6 zwischen Floridsdorf und Westbahnhof der Schmelztiegel der Wiener Verkehrsbetriebe😉

        Yep. Ich melde mich.

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