richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die Presse und die alternativen Medien: Hasch mich, in bin ein Lügner

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Ich beschäftige mich nun seit rund fünf Jahren mit der Wahrheit. Besser gesagt, ich versuche die falsche Spreu vom wahren Weizen zu trennen. Manchmal ist es einfach, manchmal ist es schwierig und dann wieder, dann ist es schier unmöglich, aber eines steht fest: Nichts, aber auch gar nichts, ist so, wie es überliefert oder berichtet wurde und wird. Auf der anderen Seite bewahrheitet sich dann das Paradoxon: Je mehr du weißt, desto weniger weißt du.

Sehen Sie, der gewöhnliche Mensch hat ein tief sitzendes Verlangen nach Informationen und Neuigkeiten, ja, er möchte wissen, was um ihn herum geschieht. Diese neu gewonnenen Informationsbruchstücke setzt er nun in einen Kontext zu seinem angehäuften Wissen und Erfahrungsschatz. Er beginnt, jede Nachricht mit seinem gegenwärtig bestehenden Weltbild abzugleichen und in eine der vielen Schubladen einzuordnen. Ja, der gewöhnliche Mensch ist einfach gestrickt – geht auch gar nicht anders, weil, früher einmal, also, sehr viel früher, Jäger und Sammler ihr Überleben in der Wildnis nicht durch philosophische Wertediskussionen erhöhen konnten. Das Gehirn unserer Vorfahren war nicht dazu da, zwischen Boulevard und Qualitätspresse zu unterscheiden, sondern um simple Schlüsse zu ziehen. Heutzutage ist es nicht anders. Falls Sie mir nicht glauben, dann empfehle ich einen nächtlichen Ausflug in die tiefste Wildnis. Das reinigt Körper und Geist, sozusagen.

Die Pressefreiheit, sagte einst der Mitherausgeber der FAZ Paul Sethe im Jahr 1965, ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Daran hat sich nichts geändert. Der Staat – also Sie und ich und noch ein paar andere Bürger – scheint seltsamerweise kein Interesse daran zu haben, die Presse zu demokratisieren, ganz im Gegenteil. Da jedermann und jedefrau einen Blog (ohne finanziellen Aufwand) betreiben und Artikel schreiben kann, wird diese „Presse-Arbeit“ nicht als solche angesehen. Für das Verwaltungsgericht in Deutschland fallen nur Verlage unter das Presserecht, die ihre Neuigkeiten auf Papier drucken lassen. Weil, da könnte ja jeder kommen …

In letzter Zeit musste ich feststellen, dass man auch durch alternative Medien – seien diese Blogger, Webzines, News-Portale oder Foren – auf eine falsche Fährte geschickt werden kann. Das muss jetzt nicht mit Absicht geschehen, ist aber andererseits nicht auszuschließen. Generell habe ich für alternative Medien die folgende Prüfroutine in meinem Oberstübchen verankert:

Je populärer ein alternatives Medium ist, desto eher ist davon auszugehen, dass es (früher oder später) von den Sittenwächtern unterwandert wird und dass die Betreiber manipuliert, erpresst oder korrumpiert werden.

Je „unglaublicher“ der (rasche) Aufstieg eines alternativen Mediums (bzw. Medien-Stars) ist, desto wahrscheinlicher ist die Sache als „kontrollierte Opposition“ einzustufen (beispielsweise Wikileaks und Julian Assange – oder Edward Snowden und Glen Greenwald).

Ein alternatives Medium, das erfolgreich eine spezielle Nische besetzt, wird alles daransetzen, seine sensationshungrige Klientel zu befriedigen – Widersprüche werden ignoriert oder emotional diskreditiert.

Je populärer ein alternatives Forum ist, desto wahrscheinlicher werden Sittenwächter in Diskussionen störend eingreifen, um eine vernünftige Diskussion zu verhindern.

Je weiter lechts und rinks ein alternatives Medium steht, desto wahrscheinlicher ist diese als „kontrollierte Opposition“ einzustufen, um durchaus sinnvolle Fragestellungen zu diskreditieren.

Nur ein toter Whistleblower ist ein echter Whistleblower (beispielsweise Aaron Swartz oder Dr. David Kelly oder Garry Webb oder James Traficant oder Roberto Calvi).

Ein alternativer Blogger, der nicht anonym veröffentlicht, wird sich nur solcher Themen annehmen, die keine Gefahr für seine Existenz darstellen. Eventuell müssen für die Sittenwächter unliebsame Wahrheiten zwischen den Zeilen versteckt werden.

Ein alternativer Blogger, der anonym veröffentlicht, wird sich nur solcher Themen annehmen, die keine Gefahr für seine Existenz darstellen – da er sich niemals vor Entdeckung sicher sein kann.

Absolut niemand ist gegen Manipulation gefeit.

Jeder Mensch wehrt sich, sein bestehendes Weltbild hinterfragen bzw. auf den Kopf stellen zu müssen – auch und im Besonderen Journalisten und Wahrheitssucher.

[meine Übersetzung:] Beinahe unbewusst zeichnete er mit seinem Finger im Staub des Tisches: 2 + 2 = 5
„Sie können nicht in dein Innerstes dringen“, hatte sie gesagt.
Aber sie konnten in dein Innerstes dringen.

Almost unconsciously he traced with his finger in the dust on the table: 2+2=5
‚They can’t get inside you,‘ she had said.
But they could get inside you.

Nineteen Eighty-Four, George Orwell

4 Antworten zu “Die Presse und die alternativen Medien: Hasch mich, in bin ein Lügner

  1. zip Dienstag, 2 Februar, 2016 um 14:22

    Stmme deinen Gleichungen (Je… desto) zu. Möchte die Liste erweitern.

    Only a dead ct-theorist is a good ct-theorist. Milton William Cooper, David Crowley, Phillip Marshall, Aaron Russo…

    Und schließlich ist man auch als zu neugieriger oder unbequemer Politiker oder Funktionär (Manager, Richter) nicht davor gefeit, gebarschelt, gemöllemannt oder gehaidert zu werden, wie ein Blick zu D. Karsten Rohwedder, Alfred Herrhausen oder Kirsten Heisig zeigt.

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 3 Februar, 2016 um 10:50

      „Gebarschelt“, „gemöllermannt“ und „gehaidert“ finde ich natürlich äußerst treffende Wortkreationen. Heutzutage verkaufen einen die Medien ungeklärte bzw. „mysteriöse“ Todesfälle als „Unfall“ oder „Suizid“ und setzen damit den (vermeintlichen) Schlusspunkt. Wenig später folgt natürlich der Eintrag im „heiligen Wahrheitstempel“ Wikipedia – der Eintrag verweist wiederum auf die Medien und damit ist der Zirkelschluss vollständig. Daran kann man gut erkennen, dass der aufgeklärte Rechtsstaat nur eine Worthülse ist.

  2. zip Dienstag, 2 Februar, 2016 um 14:35

    Ach ja, nicht nur die beliebte Diffamierung mit dem Kampfbegriff „Verschwörungstheoretiker“ oder die Diskreditierung als „rechts(radikal)“, auch überschießende und hysterische Reaktionen sind ein ganz brauchbares Gütesiegel für jemanden, der mit der Verbreitung von nicht-mainstreamgemäßen Fakten offensichtlich ins Schwarze getroffen hat. Wenn allgemeines Empörungs-Geschrei ansetzt, sollte man sich zurücklehnen und Popcorn mampfen.

    Jüngstes Beispiel: Filmemacher Paul Moreira mit seiner Ukraine-Doku.

    Paul Moreira:

    „Ich wusste, ich würde auf starken Widerspruch stoßen, dass man mir vorwerfen würde, in die Hände von Putin zu spielen, oder der Propaganda angeklagt zu werden. Ich hatte nicht damit gerechnet auf solche Leugnung zu stoßen, die schon an Hysterie grenzt… Ich wurde ‚Terrorist‘ genannt, der im Sold des russischen Geheimdienstes steht. [Sie] drängen darauf, den Film zu verbieten. Auch der ukrainische Botschafter hat Canal+ unter Druck gesetzt. Das ist, was mich am meisten überrascht. Denn es scheint mir, dass Ukraine dringend die Frage dieser paramilitärischen Gruppen erörtern muss. Sie sind, wie es in dem Film heißt, die größte Bedrohung für die ukrainische Demokratie.“

    https://deutsch.rt.com/europa/36588-falscher-maidan-ukraine-will-frankreichs/

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 3 Februar, 2016 um 11:05

      Lese gerade das Buch „Stalins Vernichtungskrieg“ vom Historiker am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr Joachim Hoffmann. Im Vorwort zur Neuauflage 1999 schreibt er von „Hetzartikeln“ in einer „Campagne“, die gegen ihn und sein Buch „mit großer Penetranz“ durchgeführt wurden. Die Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ sorgten sogar im Bundestag für ein „Inquisitionstribunal“.

      Im ersten Vorwort – vier Jahre zuvor – schrieb er bereits:

      „… daß in der Bundesrepublik heutzutage schon fast Zivilcourage dazu gehört, unbequeme historische Wahrheiten“ auszusprechen.“

      Daran hat sich ja nichts geändert, ganz im Gegenteil.

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