Der Anschlag in Brüssel und das merkwürdige Chaos im Flugverkehr

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Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem großen Passagierflugzeug, bestaunen aus dem kleinen Fenster den morgendlichen Sonnenrundgang und werfen schließlich einen Blick auf Ihr Smartphone, wo Sie die Neuigkeiten vom Tage ablesen. Nanu! Sie werden stutzig. Ein mulmiges Gefühl überkommt Sie. Eine Eilmeldung besagt, dass am Flughafen von Brüssel ein Bombenanschlag verübt worden sei. Jener Flughafen, der das Ziel Ihres Fluges ist. Sie wenden sich an einen Flugbegleiter und zeigen ihm die Nachricht. Dieser schluckt, lächelt und meint, er werde sich sogleich erkundigen und man solle bitte ruhig bleiben.

Gesagt getan, der Flugkapitän des Fluges meldet sich wenig später über das Bordmikrofon und teilt den Passagieren mit, dass es keine Verspätung gebe und man planmäßig in Brüssel landen werde. Tja. Was sagen Sie? Wie mag wohl die Reaktion der Passagiere gewesen sein?

Falls Sie jetzt meinen, ich phantasiere mir hier eine Gruselgeschichte zusammen, dem ist freilich nicht so. Ich verweise auf die Webseite www.flightstats.com – dort können Sie die historischen Ankunftszeiten der Flüge vom 22.03.2016 am Brüsseler Flughafen abrufen. Man möchte nicht glauben, wie viele der Flieger bis 9 Uhr 30 dort planmäßig landeten, obwohl der (offiziell verlautbarte) Terroranschlag knapp vor 8 Uhr stattgefunden haben soll.

Es gibt nun zwei Erklärungsmöglichkeiten – beide sind für den gewöhnlichen Bürger nicht angenehm, nichtsdestotrotz wird man sich damit auseinandersetzen müssen:

(1) Die offizielle Version des Anschlags ist faktisch korrekt.
Die nationale und internationale Flugsicherung hat vollkommen versagt, da es scheinbar kein Prozedere für solch einen Ernstfall gibt. Wird nun beispielsweise ein Flughafen von Terroristen gestürmt, besetzt und das Gebäude mit Sprengladungen versehen, landen trotzdem noch eine Vielzahl an Flugzeugen. Werden nun die Passagiere in den Flugzeugen belassen (wie lange?) oder sie (wohin?) evakuiert und wer ordnet es an und von wem wird eine mögliche Evakuierung durchgeführt? Gibt es diesbezüglich auf jedem Flughafen ein einstudiertes Prozedere oder ist in solchen Fällen nur Chaos und Achselzucken und Hilflosigkeit zu erwarten? Und ist es wirklich förderlich für den Seelenzustand der Passagiere, einen Flughafen anzufliegen, der sozusagen unter »Beschuss« liegt?

(2) Die offizielle Version des Anschlags ist faktisch nicht korrekt.
Wäre die ganze Angelegenheit nur eine Übung gewesen, würden die Flugdaten für mich Sinn machen: So sind beispielsweise nur eine Hand voll Flüge redirected, also umgeleitet worden (wie es im Ernstfall mit Sicherheit geschehen würde), während die Mehrzahl auf den (zum Teil abgesperrten) Flughafen noch bis 9 Uhr 30 (der eine oder andere sogar später) landen durften. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass solch ein terroristisches Szenario die Flugsicherung am falschen Fuß erwischt hätte. Erinnern wir uns, einen nicht unähnlichen Anschlag gab es bereits 1985 am damals noch beschaulichen Wiener Flughafen in Schwechat.

Jetzt werden Sie natürlich mit den Augen rollen und den Kopf schütteln, weil ich in Betracht ziehe, dass es sich bei diesem Anschlag um eine mögliche Übung gehandelt haben könnte. Andererseits, wie sollen Behörden und Flugsicherung sonst auf den Ernstfall vorbereitet werden? Man stelle sich vor, solch ein Anschlag hätte sich auf einen der frequentierteren europäischen Flughäfen ereignet, beispielsweise in Frankfurt, London oder Paris, wo es im Minutentakt Starts und Landungen gibt. Und was, wenn Terroristen Landebahnen stürmen oder besetzen, müssen die Flugzeuge trotzdem landen? Ich bin mir sicher, dass die Flugsicherung innerhalb kürzester Zeit ein Notfallsprozedere aktiviert und die relevanten Flüge in der Luft belässt bzw. umleitet.

Ich gebe zu, ich habe mir die Mainstream-Berichterstattung zu diesem Ereignis nicht angeguckt und gut möglich, dass die Presse zu dieser von mir festgestellten Merkwürdigkeit eine einfache Erklärung zur Hand hatte. Und falls nicht, nun, dann fragen Sie besser vor Ihrem nächsten Flugantritt die Pressestelle der Airline, ob man die Passagiere in ein »Kriegsgebiet« ausladen würde.

P.S: Vielleicht werden Sie aus dem Ganzen schlau, aber ich begreife das jetzt nicht:

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Der Flieger ist um 11h20 Brüsseler Zeit von Cincinnati (USA) abgeflogen. Zu diesem Zeitpunkt hätte man die Airline längst informieren müssen, dass der Zielflughafen, nun ja, teilweise in Trümmer liegt und man besser einen anderen Flughafen anfliegen oder gleich den ganzen Flug stornieren sollte. Der Anschlag dürfte jedenfalls niemanden in den USA sonderlich bekümmert haben, weil der Flieger planmäßig um 19 Uhr in Brüssel landete. Vielleicht hat ja der Kapitän vor dem Start eine Umfrage unter den Passagieren durchgeführt, weil democracy, you know?!

P.S.S: Okay, natürlich gäbe es dann noch eine 3. Möglichkeit, nämlich dass die Datenbank fehlerhaft ist, was natürlich eine Katastrophe für das Unternehmen flightstats wäre, weil sie gutes Geld damit verdienen. Ach ja, der Vollständigkeit halber muss man natürlich auch erwähnen, dass virtuelle Daten manipuliert werden können. Faites vos jeux.

 

Die gravierenden Probleme eines zukünftigen Historikers

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Kennen Sie den Wiener Reiseschriftsteller Colin Roß? Nein? Warum bloß?

Stellen Sie sich vor, ein junger Historiker macht sich in ferner Zukunft daran, einen wissenschaftlichen Blick auf die 2000er Jahre zu werfen. Diese Epoche liegt für ihn weit zurück, sagen wir, 700 Jahre. Die Welt, der Mensch, die Natur, sie alle haben sich verändert. Aber für den jungen Historiker, der in dieses – für uns – so gänzlich andere Universum hineingeboren wurde, ist es Normalität.

Wie werden nachfolgende Generationen unser Zeitalter benennen? Ist es das »Dunkle Monetärzeitalter«? Oder ist es der »Vormärz der Neuen Weltordnung«?

Der zukünftige Historiker wird vermutlich auf eine Vielzahl von Berichten und Dokumenten, von Büchern und Plänen und von sonstigen schriftlichen Aufzeichnungen aus unserer Zeit – freilich allesamt digitalisiert – zurückgreifen können. Die Frage ist, welches Datenmaterial sollte er für seine wissenschaftliche Arbeit auswählen und auswerten und welches ignorieren?

Die erste Aufgabe eines gewissenhaften Historikers ist jene, den Verfasser des Quellenmaterials zu kategorisieren, diesen einzuordnen. Berichte, egal wie alt oder jung sie auch sein mögen, sind immer aus der Sichtweise – besser: dem Blickwinkel – des Autors geschrieben. Deshalb, so der Biophysiker und Biokynetiker Prof. Heinz von Foerster, sei history immer nur fiction, niemals fact! Kurz und gut: Niemand kann aus seiner Haut – auch wenn er noch so sehr um Objektivität bemüht ist. Je mehr der Historiker über den Verfasser eines Berichtes weiß, um so eher ist er in der Lage, die darin enthaltenen Informationen in einen Kontext zu stellen. Letztendlich geht es immer nur darum: Kontext herzustellen und einen Bogen zu spannen. Simpler auf den Punkt gebracht: Es gilt, eine kohärente, d.h. sinnvolle Geschichte zu erzählen. Jedes neugierige und aufgeweckte Kind erkennt sofort Widersprüche und Auslassungen in einer Fabel, was den Schluss nahe legt, dass uns das Verlangen nach Sinn und Ordnung in die Wiege gelegt wird. Dummerweise bedeutet es aber auch, dass der gewöhnliche Mensch bereit ist, absurde und an den Haaren herbeigezogene »Fakten« als »Wahrheit« zu akzeptieren, so lange diese sein kohärentes Weltbild bestätigen.

Was wird nun ein junger Historiker im Jahre 2716 über die 2000er Jahre in Erfahrung bringen können? Aber viel wichtiger ist die Frage, was wird er am Ende seiner Recherche schreiben dürfen? Jedes Zeitalter kennt eine Form der Zensur, eine Form der Zurückhaltung, eine Form des Beugens. Deshalb wird der zukünftige Historiker nur jene vergangenen Tabus ans Licht holen, die er gegenwärtig ans Licht holen darf. Gut möglich also, dass der junge Historiker nach Auswertung seiner Quellen zur überraschenden Einsicht gelangt, dass die »Kreuzzüge der Demokratien« in Afghanistan, Irak, Libyen, Palästina und Syrien nicht, wie es gemeinhin heißt, ein Kampf der Kulturen war, sondern vielmehr ein imperialer Krieg der internationalen Bankiers um den Dreieckshandel Erdöl-Drogen-Waffen vollends an sich zu reißen. Tja. Da sitzt er nun, der zukünftige junge Historiker, und rauft sich die Haare. Unmöglich, denkt er sich, solch eine Verschwörungstheorie auch nur in einem wissenschaftlichen Werk zu erwähnen. Er könnte nicht nur seinen Forschungsauftrag verlieren, sondern er würde sich auch vor Gericht verantworten müssen.

Welch Segen, dass ein junger Historiker im Jahr 2016 von solch gravierenden Problemen verschont bleibt. Das ist doch so, oder etwa nicht?

Schule in Not? Gesellschaft am Abgrund!

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Eine Volksschule in Meidling, anno 1975. Ich stehe übrigens rechts außen.

Haben Sie in den letzten Tagen auch gelesen, dass die öffentlichen Schulen – vor allem in Wien – Not leiden? Ausgegangen ist der Sturm im schulischen Wasserglas durch das Interview der „mutigen“ Schuldirektorin W., die eine Neue Mittelschule in Wien Margareten leitet. Im Gespräch wurde darauf hingewiesen, dass der Anteil an Kindern mit nicht deutscher Muttersprache bei 98 Prozent liege. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Kinder mit deutscher Muttersprache an dieser Schule in der absoluten Minderheit sind und man fragt sich still und heimlich, wie es diesen dort so ergehen mag. Wir wissen noch gut aus unserer Schulzeit, dass andersartige und fremde Kinder immer gerne gehänselt und ausgelacht wurden. Ja, Kinder und Jugendliche – egal woher sie auch kommen – können ziemlich bösartig sein – vor allem, wenn sie in Gruppen auftreten und sich beweisen möchten.

Nun, zurück zur Ausgangslage. Eine Schuldirektorin wird also vom Stadtschulrat offiziell ausgewählt, um dem KURIER ein Interview zu geben. Das Gesagte lässt die Wogen hochgehen. So heißt es. Ehrlich gesagt, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Direktorin, das heißt eine Karrieristin, mit voller Absicht aus der Reihe tanzt und jene Stellen verärgert, die für ihr berufliches Wohlergehen sorgen. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass die Chefredakteure und Ressortleiter im KURIER mit voller Absicht der Gemeinde Wien – ein finanzkräftiges Netzwerk – ans Bein pinkeln. Für mich liegt es auf der Hand, dass das Thema mit Absicht von allen Beteiligten „hochgekocht“ wurde. Warum? Diesbezüglich kann ich nur spekulieren, aber ich gehe davon aus, dass die Zustände in manchen Wiener Schulen so verheerend sind, dass den Verantwortlichen nichts anderes mehr übrig blieb, als die Notbremse zu ziehen. Beachten Sie bitte, dass es keiner prophetischen Gabe bedurfte, um diese Probleme schon frühzeitig zu erkennen – aber wie so oft, wenn es um unangenehme Themen geht, haben die damaligen Verantwortlichen politische Kosmetik betrieben und die Sachlage schön geredet. Auf den springenden Punkt gebracht: Man hat den Deckel draufgehalten, den Lehrern einen Maulkorb verpasst und die Presse angehalten, die Leichen im Keller zu übersehen.

Der interessanteste Artikel zu diesem Thema erschien am Sonntag unter dem Titel Schule in Not: Heer von Absolventen ohne Aussichten und ist eine nüchterne Bestandsaufnahme des Zustands im öffentlichen Bildungsbereich. Darin zitiert man bereits in den ersten Zeilen des Artikels den Generalsekretär vom Österreichischen Gewerbeverein: „Die heutige Schul-Mittelstufe ruiniert als unkoordinierte Baustelle die Zukunftschancen Tausender Schüler.“ Somit ist der Schuldige ausgemacht: die Schule! Aber ist das wirklich der Fall?

„Jedes Jahr beenden Tausende österreichische Schüler ihre Schulpflicht, obwohl sie nicht fit für das weitere Erwerbsleben sind. Viele beherrschen die deutsche Sprache nicht oder kaum, sie können nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen.“

Verstehen Sie den obigen Absatz? Soweit ich weiß, gibt es in den Schulen Zeugnisse. Wird darin nicht festgehalten, inwieweit der Schüler den Lernstoff beherrscht und ob er reif für den nächsten Jahrgang ist? Wofür gibt es überhaupt noch Tests, Schularbeiten und mündliche Prüfungen, wenn Zensuren/Noten keine Aussagekraft mehr haben? Ein Schüler, der nach 8 Pflichtschuljahren noch immer nicht lesen und schreiben kann, hätte eigentlich schon längst in eine spezielle Einrichtung gehört, die sich lernschwacher Kinder annimmt, oder etwa nicht? Zu meiner Zeit hieß diese Einrichtung „Sonderschule„. Gibt’s heute freilich nicht mehr, ich weiß. So muss man davon ausgehen, dass die Lehrer dienstvorschriftlich dazu angehalten werden, die Schüler in jedem Fall aufsteigen zu lassen. Anders ist das Ergebnis nicht zu erklären.

Nun könnte man meinen, Kinder mit Migrationshintergrund seien das Problem. Aber sieht man sich beispielsweise jene Schule an, die den größten Ausländeranteil in Wien aufweist, so stellt man fest, dass dort 95 % der Absolventen entweder an die Universität gehen oder eine Fachhochschule besuchen. Gewiss, die Vienna International School ist eine Privatschule und die Eltern müssen gut bei Kasse sein, um ihre Kinder dort unterzubringen: die jährliche Gebühr beträgt zwischen € 14.000 und € 18.000. Keine Kleinigkeit, nicht?

Wenn es also laut einer Studie rund 130.000 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren gibt, die „in ihrem Leben in höchstem Maß gefährdet sind, ihr Leben nicht ohne Sozialleistungen bestreiten zu können“, dann würde es doch am Ende der Gesellschaft billiger kommen, hätte man diesen Jugendlichen ein Stipendium für die besten Privatschulen gegeben. Es wäre sozusagen eine Investition in die Zukunft gewesen. Oder würden Sie mir nun entgegenhalten, dass diese Kinder auch an der Privatschule versagt hätten? Wenn dem so wäre, dann, ja, dann würden Schulreformen überhaupt keinen Sinn mehr machen und die Probleme würden ganz woanders liegen. Aber wo?

Ich hätte bereits in den 1980ern eine Hand voll Kinder mit Migrationshintergrund ein Stipendium für die Vienna International School gewährt und ihre schulischen Erfolge bzw. Misserfolge penibelst aufgezeichnet. Man hätte dann sehen können, warum ein Kind scheitert. Denn eines geht aus all diesen gut gemeinten Artikeln in der freien Presse nicht hervor: Inwiefern das familär-kulturelle Umfeld des Kindes Einfluss auf seine schulische Leistung und geistige Entwicklung nimmt. Kurz und gut, ich gehe davon aus, dass man festgestellt hätte, dass auch die besten Privatschulen nichts helfen, wenn das Kind in einen familiär-kulturellen Sumpf versinkt. Diesen Sumpf „trocken zu legen“ ist freilich ein unschönes, sozusagen un-liberales Thema – und es steht zu befürchten, dass viele gute Menschen vor dieser Trockenlegung zurückschrecken und viel eher dazu bereit sind, die größten Teile der noch intakten Gebiete unter Wasser zu setzen. Egalité!, schreien sie einem entgegen und finden es völlig in Ordnung, wenn die „konservativ-intolerante“ Gesellschaft langsam den Boden unter den Füßen verliert und ins Bodenlose stürzt. Wenn man die Kleinen nicht groß machen kann, dann müssen die Großen eben kleiner gemacht werden.

„Wie immer schüchtert eine kleine, aber aktive Minorität, sofern sie Mut zeigt und mit Terror nicht spart, eine große, aber lässige Majorität ein“, schreibt Stefan Zweig in Castellio gegen Calvin.

Wenn die Staatsbahn Verluste schreibt

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Vergangenheit und Zukunft der Bahn – Reichenau, 2003

In einem Artikel der Die Kleine Zeitung mit der Überschrift Bilanz: Deutsche Bahn vor Milliardenverlust wird dem Leser eindringlich vor Augen geführt, wie es um das deutsche Staatsunternehmen steht. Im Text heißt es:

Die schwächelnde Güterbahn DB Cargo soll saniert werden und ab 2018 wieder wachsen. Dafür könnten dort allerdings Tausende Arbeitsplätze wegfallen.

Ich gehe davon aus, dass der Artikel der Presseagentur Reuters entnommen wurde – auf der Webseite selbst finde ich hierzu keine Angaben. Aber man gut erkennen, dass es kein Journalist oder Redakteur der Mühe wert fand, dem einseitigen Artikel einige kritisch-skeptische Anmerkungen entgegenzustellen. So wird eine unabhängige Zeitung zur PR-Abteilung der Privatwirtschaft – kein Wunder also, wenn der eine oder andere Leser es bis oben hin satt hat, die ewiggleiche „Profit-ist-gut“-Beweihräucherungen zu lesen.

Der Artikel wälzt sich genüsslich in den Verlustzahlen der Deutschen Bahn – die „Lösung“ ist natürlich bereits gefunden: „massive strukturelle Umbaumaßnahmen im Konzern“. Mit anderen Worten, es müssen Arbeitsplätze gestrichen und Teilprivatisierungen vorangetrieben werden. So funktionierte ja immer schon der Beginn einer Ent-Staatlichung von all jenen Unternehmen, die private Investoren (nennen wir sie Spekulanten mit Händlergeist) auszuschlachten gedachten. Sehen Sie, jedes große Unternehmen hat einen gewinn- und einen verlustträchtigen Bereich. Das Ziel der Profiteure ist nun, den einen zu behalten und den anderen ohne großes Aufsehen abzustoßen. Dieser skrupellose Menschenschlag nennt diese Prozedur das freie Spiel der Kräfte am Kapital- und Finanzmarkt und er ist sich nicht zu schade, sich von Claqueuren in den Medien beklatschen zu lassen.

Kommen wir wieder zur DB und der „schwächelnden Güterbahn“. Warum schwächelt sie? Darauf gibt der Artikel natürlich keine Antwort. Die Güterbahn ist ein Monopol – es kann also de facto keinen Güterbahn-Konkurrenten geben. Einzig, die Straße, der LKW-Güterverkehr, ist der Konkurrent. Hat dieser im letzten Jahr zugelegt? Der Artikel schweigt sich darüber aus, wir können aber auf der kostenpflichtigen statista.com die Werte ablesen – etwa vier Mal mehr Güter wurden auf der Straße im letzten Jahr 2015 transportiert. Wer ist nun für die Erhaltung und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zuständig? Richtig, der Staat bzw. die Länder und Gemeinden. Wer legt Abgaben und Steuern für Transportunternehmen fest? Richtig, der Staat bzw. die Länder und Gemeinden. Wer fördert den Kauf von neuen LKWs und Zugmaschinen in Form einer Abschreibung? Richtig, der Staat. Wir sehen, der Staat kann den Transport auf der Straße verteuern oder verbilligen – für den Unternehmer ist es einerlei, er wählt jenen Transport, der für ihn am rentabelsten ist.

Auf den springenden Punkt gebracht: Die Güterbahn schwächelt, weil die Politik den Straßengüterverkehr (und die LKW-Produktion) fördert bzw. nicht hemmt. Sie werden jetzt vielleicht einwerfen, dass es besser für den Konsumenten sei, wenn die Güter günstiger transportiert werden können. Aber das ist natürlich eine Augenauswischerei. Die Euros, die Sie vielleicht beim Kauf einsparen, werden Sie über Steuern und Abgaben wieder herausrücken müssen – die Verluste der Bahn müssen ja schließlich gedeckt, die maroden Straßen für den Transitverkehr saniert, die Arbeitslosen über Wasser gehalten und die Kleinkinder von der verdieselten Umwelt kuriert werden, nicht? Am Ende profitieren immer nur die gleichen Leutchen, nämlich jene, die vom Händlergeist beseelt sind und deshalb wissen, wie das freie Spiel der Kräfte funktioniert. In den Medien werden Sie darüber nichts lesen, natürlich nicht.

Sherlock Holmes und die APOLLO-Mondflüge

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update: 13 Astronauts: Are Stars More or Less Visible in Space?

Würde Sir Arthur Conan Doyle noch leben, vielleicht hätte er heutzutage seine berühmte Schöpfung Sherlock Holmes als spitzfindigen Verschwörungstheoretiker angelegt, der mit Verstand und Vermögen die mysteriösen Ereignisse der Vergangenheit zu lösen trachtet. Das ist kein einfaches Unterfangen, ja, man ist gewillt zu denken, es wäre ein gar unmögliches, aber darauf würde Holmes nur geantwortet haben:

»Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, was auch immer dann übrig bleibt und wie unwahrscheinlich es auch sein mag, es muss die Wahrheit sein.« // When you have excluded the impossible, whatever remains, however improbable, must be the truth.

Bezüglich des APOLLO-Raumfahrt-Programms der NASA und deren sieben Mondflüge, sechs davon erfolgreich, würde sich eine Unterhaltung zwischen Holmes und einem investigativen Journalisten wie folgt anhören:

Journalist: »Gibt es noch einen anderen Punkt, auf den Sie vielleicht hinweisen wollen?« // Is there any other point to which you would wish to draw my attention?

Holmes: »Auf den äußerst merkwürdigen Sachverhalt bezüglich der Sternbilder auf den Fotos, die während der APOLLO-Missionen gemacht wurden.« To the curious incident of the dog in the night-time.”

Journalist:  »Sternbilder? Es sind keine Sterne auf den Fotos zu sehen.« // The dog did nothing in the night-time.

Holmes: »Das ist der äußerst merkwürdige Sachverhalt.« // That was the curious incident.

Short Story: Silver Blaze – published 1892 in The Memoirs of Sherlock Holmes

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Als mich vor vielen Jahren ein Segeltörn in der Adria auf eine einsame kleine Insel verschlug, wir die lauen Abendstunden dort zubrachten, sah ich – ohne zivilisatorischen Streulicht – zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben das wahre Ausmaß des Sternenhimmels. Es war atemberaubend! Diese Sternenpracht hatte etwas Übernatürliches und ich verstand sofort, warum all die Naturvölker und all die antiken Menschen in den Sternen Götter gesehen haben wollten. Es war eine natürliche Reaktion – weil kein menschliches Gehirn diese Erscheinung auch nur im Ansatz verstehen kann. Man stelle sich vor, diese Alten trugen beinahe jede Nacht diesen Sternenhimmel mit sich. Jede Nacht! Sie mussten eine Erklärung finden. Und fanden sie. Im Göttlichen. Wenn mir ein Kerl sagt, er wäre auf einer einsamen, abgelegenen Insel gewesen, des Nächtens, bei klarem Himmel, und könne sich beim besten Willen nicht erinnern, ob er überhaupt Sterne gesehen hätte, dann, ja, dann ist der Kerl entweder blind oder bezahlt! Faites vos jeux.