richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Wenn die Staatsbahn Verluste schreibt

Lok-Reichenau2003

Vergangenheit und Zukunft der Bahn – Reichenau, 2003

In einem Artikel der Die Kleine Zeitung mit der Überschrift Bilanz: Deutsche Bahn vor Milliardenverlust wird dem Leser eindringlich vor Augen geführt, wie es um das deutsche Staatsunternehmen steht. Im Text heißt es:

Die schwächelnde Güterbahn DB Cargo soll saniert werden und ab 2018 wieder wachsen. Dafür könnten dort allerdings Tausende Arbeitsplätze wegfallen.

Ich gehe davon aus, dass der Artikel der Presseagentur Reuters entnommen wurde – auf der Webseite selbst finde ich hierzu keine Angaben. Aber man gut erkennen, dass es kein Journalist oder Redakteur der Mühe wert fand, dem einseitigen Artikel einige kritisch-skeptische Anmerkungen entgegenzustellen. So wird eine unabhängige Zeitung zur PR-Abteilung der Privatwirtschaft – kein Wunder also, wenn der eine oder andere Leser es bis oben hin satt hat, die ewiggleiche „Profit-ist-gut“-Beweihräucherungen zu lesen.

Der Artikel wälzt sich genüsslich in den Verlustzahlen der Deutschen Bahn – die „Lösung“ ist natürlich bereits gefunden: „massive strukturelle Umbaumaßnahmen im Konzern“. Mit anderen Worten, es müssen Arbeitsplätze gestrichen und Teilprivatisierungen vorangetrieben werden. So funktionierte ja immer schon der Beginn einer Ent-Staatlichung von all jenen Unternehmen, die private Investoren (nennen wir sie Spekulanten mit Händlergeist) auszuschlachten gedachten. Sehen Sie, jedes große Unternehmen hat einen gewinn- und einen verlustträchtigen Bereich. Das Ziel der Profiteure ist nun, den einen zu behalten und den anderen ohne großes Aufsehen abzustoßen. Dieser skrupellose Menschenschlag nennt diese Prozedur das freie Spiel der Kräfte am Kapital- und Finanzmarkt und er ist sich nicht zu schade, sich von Claqueuren in den Medien beklatschen zu lassen.

Kommen wir wieder zur DB und der „schwächelnden Güterbahn“. Warum schwächelt sie? Darauf gibt der Artikel natürlich keine Antwort. Die Güterbahn ist ein Monopol – es kann also de facto keinen Güterbahn-Konkurrenten geben. Einzig, die Straße, der LKW-Güterverkehr, ist der Konkurrent. Hat dieser im letzten Jahr zugelegt? Der Artikel schweigt sich darüber aus, wir können aber auf der kostenpflichtigen statista.com die Werte ablesen – etwa vier Mal mehr Güter wurden auf der Straße im letzten Jahr 2015 transportiert. Wer ist nun für die Erhaltung und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zuständig? Richtig, der Staat bzw. die Länder und Gemeinden. Wer legt Abgaben und Steuern für Transportunternehmen fest? Richtig, der Staat bzw. die Länder und Gemeinden. Wer fördert den Kauf von neuen LKWs und Zugmaschinen in Form einer Abschreibung? Richtig, der Staat. Wir sehen, der Staat kann den Transport auf der Straße verteuern oder verbilligen – für den Unternehmer ist es einerlei, er wählt jenen Transport, der für ihn am rentabelsten ist.

Auf den springenden Punkt gebracht: Die Güterbahn schwächelt, weil die Politik den Straßengüterverkehr (und die LKW-Produktion) fördert bzw. nicht hemmt. Sie werden jetzt vielleicht einwerfen, dass es besser für den Konsumenten sei, wenn die Güter günstiger transportiert werden können. Aber das ist natürlich eine Augenauswischerei. Die Euros, die Sie vielleicht beim Kauf einsparen, werden Sie über Steuern und Abgaben wieder herausrücken müssen – die Verluste der Bahn müssen ja schließlich gedeckt, die maroden Straßen für den Transitverkehr saniert, die Arbeitslosen über Wasser gehalten und die Kleinkinder von der verdieselten Umwelt kuriert werden, nicht? Am Ende profitieren immer nur die gleichen Leutchen, nämlich jene, die vom Händlergeist beseelt sind und deshalb wissen, wie das freie Spiel der Kräfte funktioniert. In den Medien werden Sie darüber nichts lesen, natürlich nicht.

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