richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Sonntagskaffee mit dem Kurier: Der Sold der Fanatiker

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Am späteren Vormittag im Plebs-Café Kaffee und Kuchen zu mir genommen, dabei auch gleich die Sonntagsausgabe des Kurier durchgeblättert. Neben der bekannten van-der-Bellen-Propaganda und dem Putin-Assad-Bashing ist mir ein Artikel aufgefallen, der nur als Randnotiz abgehandelt wurde. Es ging darum, dass der Bürgermeister (ÖVP) einer niederösterreichischen Gemeinde 21 Asylwerber »rausschmeißen« wolle, weshalb »die Grünen« meinten, dass die Vorgehensweise an eine Diktatur erinnere. Vorangegangen, das sei der Vollständigkeit halber hinzugefügt, ist die (vermeintliche) Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens durch einen »unbegleiteten jugendlichen Asylwerber«. Erst in der Langfassung der Online-Ausgabe erfährt der geneigte Leser, dass der Täter so jugendlich nicht ist und dass die »unbegleiteten Jugendlichen« durch den Verein menschen.leben (Förderer: S. 29) betreut werden.

Ist es nicht seltsam, dass es dieser Bericht nur als Randnotiz in die Zeitung schaffte? Nebenbei bemerkt hat es der Redakteur meisterhaft verstanden, den Fokus der Tat zu verschieben: Nicht mehr der (vermeintliche) Missbrauch stand im Vordergrund, sondern vielmehr der (bürgermeisterliche) »Rausschmiss«.

Finden Sie nicht, dass dieses Thema viel mehr Raum in den Medien hätte einnehmen müssen? Die Redakteure hätten der Frage nachgehen können, wie viel Gewalt und Verbrechen eine offene und tolerante Gesellschaft verträgt, bevor sie den Kurs einer totalitären Sicherheitspolitik einschlägt. Anfang der 1930er Jahre zeigte uns Fritz Lang, wie eine ganze Stadt einen Kindermörder suchte – dabei wurden nicht nur legale, sondern auch illegale Mitteln angewandt. Kurz und gut, die gesunde bürgerliche Gesellschaft wird alles tun, um ihre Kinder zu schützen. Die Frage ist demnach, wem liegt wenig oder nichts daran, die eigenen Kinder zu schützen, ja, sie vielleicht für ein Ideal zu opfern?

Darin liegt die große Gefahr der gegenwärtigen Zeit, nämlich dass die gottesfürchtigen Idealisten für ihre gerechten Ziele die Erkrankung der Gesellschaft in Kauf nehmen. Fanatiker gibt es nicht nur in Syrien*, sie gibt es auch hier, in Europa, in Österreich. Beide träumen von einem grenzenlosen Staat, in dem jeder Willkommen ist, der die göttlichen Gesetze, die eine Priesterkaste festlegt, befolgt. Wer weiß, vielleicht werden in naher Zukunft Bürger in Brüssel enthauptet, weil sie es wagten, den eingeschlagenen multikulturellen Weg der Vereinigten Staaten von Europa zu hinterfragen. Das ist jetzt natürlich polemisch, gewiss, trotzdem sollten wir nicht die Augen vor unseren Fanatikern verschließen. Es gilt immer im Hinterkopf zu behalten, dass es vor allem junge Menschen sind, die indoktriniert werden: So wird ihnen vermittelt, dass sie ihre Energie und Kraft für die gute Sache opfern, tatsächlich aber sind sie nur Bauern im Schachspiel des Establishments.

* ) Damals wie heute verbergen sich unter den sogenannten Fanatikern einfach nur Söldner, die für eine Hand voll Dollar tun, was im Krieg getan werden muss. Ist das verächtlich? Nun, vor über 400 Jahren hat sich der spätere Philosoph Descartes auch als Söldner verdingt. Nicht umsonst heißt es ja »Kriegshandwerk« und jedes Handwerk hat seine Lehrlinge und seine Meister – der Fanatismus per se hat noch keine Schlacht gewonnen und keine leeren Mägen gefüllt. Folge dem Geld (die Römische Goldmünze Solidus steht Pate für die Begriffe »Sold«, »Söldner« und »Soldat«) und du weißt, welcher »Gott« sich die Erde Untertan machen möchte.

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