richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die journalistische Naivität auf orf.at: Strache in Israel

ORFat

Gestern im Vorübergehen über zwei* Artikel gestolpert, die auf dem Nachrichten-Portal orf.at ziemlich unbedenklich abgehandelt wurden. Sehen Sie, wenn es darum geht, die Leser- bzw. Zuhörerschaft an der Nase herumzuführen, ist sich die Mainstream-Presse nicht zu schade, das Offensichtliche unter den Teppich zu kehren und Widersprüche unwidersprochen stehen zu lassen. Frei nach dem Motto: Dem Leser wird es schon nicht auffallen – und falls doch, kann er sich trotzdem keinen Reim auf all das machen und wird nur mit der Schulter zucken. Gottlob gibt es aber dann doch noch eine auserlesene Schar an Skeptiker, die skeptisch sind und es hoffentlich auch bleiben.

Strache und hochrangige FPÖ-Politiker in Israel

Der kurze Artikel im orf.at deckt sich mit jenem im Der Standard. Wer hat da wohl von wem abgeschrieben, fragt man sich, um nur wenig später zu bemerken, dass beide Redaktionen einfach nur die Meldung der österreichischen Presseagentur (APA) übernommen haben. Das ist freilich ihr gutes Recht, bezahlen sie doch eine hübsche Stange Geld dafür. Aber ein wenig enttäuscht bin ich dann doch, dass es der ORF nicht der Mühe wert findet, auf die Quelle des Artikels hinzuweisen.

Also, wenn Sie hören, dass sich die FPÖ mit Heinz Strache »wie andere Rechtsparteien in Europa um Annäherung [an Israel] bemühen«, werden Sie da nicht stutzig? Handelt es sich hier nicht um einen Widerspruch? Wenn wir uns die klischeehafte Definition einer Rechtspartei vor Augen führen, dann sehen wir eine Zusammenrottung von Neo-Nazis, Skinheads und Alt-Nazis. Apropos. Im Jahr 2009 organisierte die FPÖ einen Wandertag auf den Ulrichsberg, wo »gefallenen Soldaten der Wehrmacht und auch der Waffen-SS gedacht wurde«. Und wenn ältere und jüngere Herren einen gewissen Adolf Hitler verehren, heißt es, sie seien in der rechten Szene verwurzelt. Deshalb geht man davon aus, dass eine Partei am rechten Rand dem jüdischen Mitmenschen – und damit dem jüdischen Staat Israel – nicht wohl gesonnen ist und mit Sicherheit keinen jüdischen Wiener Stadtrat stellt. Wie ist es nun zu verstehen, wenn es im Artikel heißt, dass die »FPÖ immer wieder ihre Unterstützung für das Vorgehen der israelischen Regierung in den Palästinensergebieten« bekundet? Jene »rechte Regierungspartei Likud von Premier Benjamin Netanyahu«! Mit anderen Worten, die israelische Regierung entstammt einer rechtspopulistischen Partei. Hm. Finden Sie das nicht ein wenig merkwürdig? Hat am Ende Bibi Netanyahu neben Zeichenpapier und Tusche auch eine Hitler-Büste im Keller stehen?

Oder gibt es demnach zwei Seiten des rechten Parteispektrums? Sozusagen ein israelisches Rechts im Gegensatz zu einem nationalsozialistischen Rechts? Ist demnach die FPÖ, die sich ja bekanntermaßen gegen die Zuwanderung bzw. für die Ausweisung von muslimischen Gästen ausspricht und damit das österreichische Spiegelbild der Likud-Partei darstellt, vielleicht gar nicht so nationalsozialistisch rechts, wie es in den Medien dargestellt wird? Mit anderen Worten, verteufeln Sie Strache und seine FPÖ, so verteufeln Sie auch Netanyahu und seine Likud und damit waten Sie in gefährlichen antisemitischen Gewässern. Und Sie möchten doch nicht als Antisemit abgestempelt werden, oder?

Sie sehen, so eine kleine unbedeutende Meldung kann einen skeptischen Bürger ganz schön verwirren. Tragischerweise gibt es scheinbar keinen Redakteur, der imstande wäre, dieses rechte Knäuel für den Leser aufzulösen. Noch verwirrender wird es, wenn man auf jenen Artikel stößt, der wiederum von der linken Partei der Grünen handelt, die – teils teils – Sanktionen gegen Israel fordern und den »Massenmord an Palästinensern« scharf verurteilen.

Vielleicht ist ja am Ende das ganze rechts-links-Parteien-Spektrum nur eine Chimäre, ein absichtlich in unsere Köpfe verpflanztes Hirngespinst. Die in den 1930er Jahren in Deutschland an die Macht kommende Partei war eine sozialistische Arbeiterpartei mit nationaler Ausprägung – im Gegensatz zur kommunistischen Arbeiterpartei, die eine internationale Ausprägung hatte. Mit anderen Worten, rechts von links unterschied sich nur in einem: nationaler vs. internationaler Allmachtsphantasie.

Und um Sie vollends zu verwirren, könnte man auf den Ursprung dieser politischen Einteilung in rechts und links verweisen. Während der Französischen Revolution wurden jene Konventmitglieder, die sich für König und Gott (d.h. katholische Kirche) einsetzten dem rechten Lager und jene Konventmitglieder, die sich gegen König und Gott stellten, dem linken Lager zugeordnet. Die Mitglieder, die eine starke katholische Kirche befürworteten, saßen nämlich, wenn man so will, zur rechten Hand Gottes und waren mehrheitlich Aristokraten. Ja, nichts ist, wie es scheint. Am Ende bewahrheitet sich freilich die alte biblische Weisheit – immer und immer wieder:

Nehmet euch in Acht vor den Lügenpropheten, die da kommen zu euch in Schafskleidern, inwendig aber sind sie räuberische Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornbüschen oder Feigen von Disteln? So bringt immer der gute Baum gute Früchte, der faule Baum aber bringt böse Früchte. Ein guter Baum kann nicht böse Früchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. So sollt ihr sie denn an ihren Früchten erkennen.

Matthaeus 7

*) Der zweite Artikel wird in einem eigenen Beitrag abgehandelt.

Eine Antwort zu “Die journalistische Naivität auf orf.at: Strache in Israel

  1. Richard K. Breuer Freitag, 20 Mai, 2016 um 10:28

    Siehe die kontroversielle Rede vom israel. Dep. Chief of Staff Yair Golan:

    ‚Golan distanced himself from the childish general approach to Holocaust remembrance that ranges from tortured wallowing in eternal victimhood to feelings of lordship, superiority and omnipotence accompanied by a sadistic vengeful impulse.‘

    http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.718131

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