richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

EM 2016: Spieltag 11 – Entscheidung Gruppe B

EM-2016-Spieltag11

Spieltag 11 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Entscheidung Gruppe B

SLOWAKEI : ENGLAND 0:0

Das war dann wohl eine der unansehnlichsten Partien dieser Europameisterschaft. Zum einen wollten die Slowakei nicht spielen – sie begnügte sich mit einem Unentschieden – zum anderen hatten die Engländer keine rechte Lust, eine Entscheidung am Platz herbeizuführen, da sie mit einem zweiten Gruppenplatz ganz gut Leben konnten. Gewiss, die Engländer hatten durchaus Chancen auf den Führungstreffer. Vardy, der neue Superstar der Premier League, vergab bereits eine Viertelstunde nach Anpfiff die beste Möglichkeit im Spiel: Nach einer weiten Flanke sprintete er auf Torhüter Kozacik zu, nur verfolgt von Skrtel, der Mühe hatte, an ihm dran zu bleiben, aber sein Abschluss geriet zu zentral und konnte deshalb von Kozacik abgewehrt werden. Nach einer Stunde Spielzeit hätte der gerade eingewechselte Delle Alli beinahe alles richtig gemacht, aber sein Schuss wurde von Skrtel auf der Linie geblockt. Das waren sie, die größten Chancen im Spiel – abgesehen vielleicht von einem Patzer in der englischen Hintermannschaft, der beinahe zum Tor geführt hätte, weil sich Tormann Hart und Innenverteidiger Smalling uneins waren. Aber Mak verhaute, im wahrsten Sinne des Wortes, diese gute Möglichkeit.

Trainer Roy Hodgson schickte gleich sechs neue Spieler von Beginn an aufs Feld und wechselte Rooney erst nach einer Stunde ein. Es ist müßig zu spekulieren, ob andere Spieler die Aufgabe besser gelöst hätten. Auffällig in diesem Match war jedenfalls die erschreckende Ideenlosigkeit der Engländer. Stur und unbelehrbar wollten sie sich durch das Zentrum kombinieren, aber gerade dort gab es kein Durchkommen, parkten die Slowaken den Mourinho-Bus am eigenen Strafraum und warfen sich in jeden Schuss. Die Flankenläufe, die vielleicht ein probates Mittel gewesen wären, wurden nach einer Weile völlig eingestellt. Wayne Rooney, der Alaba der Three Lions, fand nie wirklich ins Spiel und konnte deshalb keine Akzente setzen. Beängstigend, wie viele der von den Engländern geschlagenen weiten Bälle ins Nirgendwo gingen. Fällt das englische Team wieder in alte Muster zurück, damals, als ihnen der Spielgestalter, der Ideen- und Taktgeber fehlte? Rooney ist jedenfalls kein Iniesta, kein Pogba, kein Kroos – ob er es jemals werden kann, steht in den Sternen. Unter vorgehaltener Hand munkeln manche Fußballversteher, dass Rooney – wie seinerzeit Raul bei den Spaniern – die Weiterentwicklung der englischen Nationalmannschaft hemmen würde. Kann sein, muss nicht sein. Unbestreitbar ist jedoch der Umstand, dass Rooney in den britischen Medien eine gewichtige Rolle spielt.

Was werden wir also von den Engländern noch erwarten dürfen? Wenn sie Glück haben, spielen sie im Achtelfinale gegen Ungarn, wenn sie Pech haben, gegen Island. Eines liegt jedenfalls klar auf der Hand: Gegen eine disziplinierte tief stehende Defensive können ihre sprintstarken Spieler den Geschwindigkeitsvorteil nicht ausnützen – dann ist vielmehr Technik und Kombinationsspiel genauso gefragt wie Übersicht und Kreativität. Freilich, am Ende kann es auch reichen, wenn ein Sturridge den Ball ins Tor stolpert und Vardy glücklich abstaubt. Erinnern wir uns an die letzte Weltmeisterschaft, als sich Holland mit nur einem überzeugenden Spiel bis ins Halbfinale schummeln konnte. Warum sollte es England nicht ähnlich machen?

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RUSSLAND : WALES 0:3

Wer hätte noch zu Beginn der Europameisterschaft gedacht, dass Wales die Gruppenphase an erster Stelle abschließen würde? Natürlich hatte niemand die Waliser auf der Rechnung. Vermutlich auch deshalb, weil man das russische Team stärker einschätzte. Ach, die Russen. Sie gehören wohl zu den schwächsten Mannschaften dieser Europameisterschaft. Langsam kristallisiert sich heraus, dass die EM-Qualifikation der Österreicher so beeindruckend nicht gewesen ist, spielten doch die zwei schwersten Gegner in der Gruppe – Russland und Schweden – einen antiquierten Stehfußball.

Wales hat gezeigt, dass man mit Engagement und einem fitten Superstar fast jede Partie für sich entscheiden kann. Spielerisch können sie mit den Top-Teams freilich nicht mithalten – aber im Konterspiel und bei Freistößen sind sie dank Gareth Bale eine nicht zu unterschätzende Größe. Ob es reichen wird, die Überraschungsmannschaft der EM zu werden, bezweifle ich. Andererseits, wie war das seinerzeit, mit Holland und Arjen Robben?

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