richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die Faschismuskeule 2.0

morelli_10_kriegspropaganda

Durch Zufall über den Artikel Das ist wie ein Stammtisch, der total eskaliert auf Jetzt.de gestolpert. Dieses Online-News-Portal ist der Versuch der SZ, junge Leute ins Boot zu holen und ihnen ordentlich das Gehirn zu waschen. Das Übliche halt.

Im besagten Artikel geht es um die Hooligans gegen Satzbau, die „täglich auf menschenverachtende Inhalte auf Facebook hinweisen“ und die – man lese und staune – für ihren „engagierten Kampf für eine bessere Welt“ den Social Hero Awards erhalten haben. Im Interview erklärt eine Skimaske tragende Mitkämpferin der Hooligans mit Namen Kiki Klugscheißerhool, was denn da so abgegangen ist, während der Preisverleihung.

Also, jetzt mal Hand aufs Herz: Wenn Sie den obigen Absatz lesen, bekommen Sie dann nicht auch ein ungutes Gefühl in der Magengegend? Falls nicht, vielleicht klicken Sie doch mal auf deren facebook-Seite. Hübsch gemachte Cartoon-Grafiken zeigen, wohin die Reise geht. Ein Bleistift in Größe und Form an einen Baseballschläger erinnernd, wird von einem der drei Cartoon-Protagonisten locker auf der Schulter getragen. Allesamt verhüllen sie ihr Gesicht mit Skimasken. Und ihr Symbol, das vermutlich als Gegenstück zum Hakenkreuz verstanden werden will, ist so nahe am Original dran, dass man sich eigentlich gar nicht mehr sicher sein kann, was hier gespielt oder verbrochen wird. Natürlich ist deren Auftritt nicht in Frage zu stellen, da deren Mission heilig ist. Immerhin geht es darum, facebook von menschenverachtenden Inhalten (Hass! Hetze! Aufruf zur Gewalt! usw.) zu säubern. Unwillkürlich denkt man da an Deathsquads (Todesschwadronen), deren Aufgabe es war und ist, unliebsame und rebellische Bürger mittels Terror auf die „gute Seite“ zu bringen.

Wer sich mit der Historie abseits der Koppschen ARD-Dokufilmchen beschäftigt, weiß, wie die echte Welt da draußen tickt. Die Guten sind leider oftmals die Bösen – auch wenn sie alles tun, um sich im besten Licht zu präsentieren. Ja, Propaganda funktioniert. Damals wie heute. Wir erinnern uns: You’re either with us or you’re against us!

Es ist geradezu ein erschütterndes Zeichen der Zeit, dass Behörden und Konzerne Hand in Hand gehen, wenn es darum geht, Andersdenkende auszugrenzen. All das Geld, das für diese Medienkampagnen ausgegeben wird und vor allem Agenturen und deren Klugscheißerhools zufließt, hätte man es nicht besser investieren können? Vielleicht sollten die Verantwortlichen einmal die Turnschuhe eines Jugendlichen in Ostdeutschland anziehen und durch die Gegend laufen, um zu verstehen, woher dieser systemische und provokative Ungehorsam kommt. Was hat die Politik für diese jungen Menschen übrig, was bietet sie ihnen für eine Zukunft an?

Falls Sie verstehen wollen, was da in den Banlieus (sozusagen Stadtrand-Ghettos) abgeht, empfehle ich Ihnen den hart an der Realität spielenden und deshalb nur schwer zu ertragenden französischen Film La haine (Hass) von Matthieu Kassovitz anzugucken.

Man stelle sich vor, diese Skimaske tragenden Agentur-Clowns mit ihren Bleistift-Baseballschläger und dem Häkchen-Symbol, die nur das „Gute“ wollen, besuchen mal städtische Brennpunkte desillusionierter Jugendlicher in ganz Europa und hören sich an, was diese zu sagen haben. Aber nein, das will ja keiner hören, weder Agenturchefs noch Politiker. Sie wollen, wie der damalige französische Innenminister Nicolas Sarkozy es unverhohlen in die Mikrofone sprach, sich dieses Gesindels entledigen und das Krebsgeschwür (urbaner Gewalt) ausmerzen. Aha. Faites vos jeux.

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