richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Gedanken zur ORF-TV-Serie Pregau

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Mit der Drehbuchversion meiner Wiener Krimikomödie Schwarzkopf habe ich vor einigen Jährchen zum ersten Mal Bekanntschaft mit der österreichisch-wienerischen Filmlandschaft gemacht. Es gibt natürlich viele heimische Produktionsfirmen, aber nur ganz wenige, die eine TV-Serie oder einen Spielfilm stemmen können. Nebenbei bemerkt sind die größten Player mit dem ORF auf die eine oder andere Art verbunden. Ohne Goodwill des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (und der heimischen Filmförderung) wird für gewöhnlich kein Film- oder TV-Projekt in Angriff genommen. Deshalb werden Quereinsteiger ohne den nötigen Verbindungen mit freundlichen Worten bereits am Eingang abgewiesen. Das Drehbuch spielt bei der Entscheidungsfindung keine Rolle und wird auch nur dann herangezogen, um zu zeigen, dass es nicht zur Umsetzung taugt. Man merkt recht bald, wie der Hase läuft und vor allem wohin, nämlich zum Küniglberg.

Die vierteilige Mini-TV-Serie Pregau: Kein Weg zurück war der Versuch des ORFs (mit Unterstützung der ARD), mit dem altmodischen Heimat-Fernsehen aufzuräumen und bei der jüngeren Generation zu punkten. So wurden Anleihen bei beliebten amerikanischen TV-Serien genommen (perhaps Breaking Bad), ließ man die Zuschauer mit ihrem Smartphone und einer speziell für die Serie entwickelten App („Lügendetektor“) interaktiv am Fernsehgeschehen teilnehmen und versuchte in den sozialen Medien für Stimmung zu sorgen. Löblich.

Die Filmemacher von Pregau und die Verantwortlichen in den ORF-Etagen pokerten mit hohem Einsatz und packten alles ins Drehbuch, was noch eine Fernsehgeneration davor für einen handfesten Skandal gesorgt hätte. Aber die Zeiten ändern sich. Nun scheint es sogar am Küniglberg en vogue zu sein, einen heißblütigen Pfarrer beim Liebesspiel zu zeigen oder den amoralischen älteren Bruder des Familienoberhaupts einen Satz in den Mund zu legen, der gläubige Menschen zutiefst schockieren musste. War es Kalkül? War es Provokation? Ist es einfach passiert? Oder is es eh scho wurscht?

Überhaupt, die Story! Die Ansätze waren gut. Die Ideen frisch. Die Cliffhänger spannend. Aber die Zusammenführung der offenen Stränge mit dem Holzhammer sowie die geistlose Inszenierung des Klimax im vierten und letzten Teil machten alles wieder zunichte. Hätten die Verantwortlichen einfach weniger gewollt, hätten sie sich auf das Wesentliche konzentriert, Pregau hätte durchaus etwas Besonderes (im deutschsprachigen TV-Wald) werden können. Stattdessen stolperte das Drehbuch von einer Exposition zur nächsten – kein Wunder, da viel zu viele Köder ausgelegt worden sind. Die Protagonisten wurden deshalb immer wieder zu Klischee-Figuren oder Drehbuch-Marionetten degradiert, die jenseits des echten Lebens agierten. Die Verantwortlichen hätten sich an der ersten Kottan-Folge orientieren können: Dort wurde die Komödie durch Übertreibung und Zuspitzung in einem realistischen Setting (mit den richtigen Dialekt- und Sprachfärbungen) erzielt. Auf ähnliche Weise hätte die Tragikomödie in Pregau funktionieren können. Vielleicht.

Positiv hervorzuheben ist die technische Umsetzung, die oftmals bei heimischen TV-Produktionen zu wünschen übrig ließ. So muss sich die Serie nicht vor ausländischen Produktionen verstecken: Kamerafahrten und die gewählten Bildausschnitte, sozusagen die Bildkomposition, sind als gelungen zu bezeichnen. Der Soundtrack in den ersten drei Folgen war für mich stimmig. An manchen Stellen gab es eine wunderbare Symbiose zwischen Ton und Bildfolge. Nur im letzten Teil, da haperte es mit der Musik-Auswahl, die mir nicht sonderlich gefiel. Negativ aufgefallen sind mir die sogenannten Action-Sequenzen, die beinahe stümperhaft in Szene gesetzt und äußerst lieb- und ideenlos montiert wurden. Man muss nicht gleich Hollywood nachäffen, aber ein Blick über den heimischen Gartenzaun und in die Film-Vergangenheit hätte nicht geschadet.

Was ist nun mein Schlussresümee? Wie bei so vielen heimischen Produktionen können sich die Verantwortlichen nicht entscheiden, was sie wollen. Oder ist es, weil zu viele Köche den Brei rühren? Ich gehe mal davon aus, dass die grundlegende Idee jene gewesen ist, eine moderne Mini-Serie zu machen und dabei zu zeigen, dass der ORF noch nicht zum alten Eisen gehört. Mission accomplished!

Pregau hat gezeigt, dass es in Österreich ein filmisches Serien-Potenzial gibt. Und es wäre jammerschade, würde man dieses Potenzial brach liegen lassen. Aber es gibt noch viel zu tun.

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