richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Wie Propaganda funktioniert am Beispiel von jetzt.de

trump_munich

Im News-Portal jetzt.de, das für junge Leute gedacht ist, gibt es ein lehrreiches Propaganda-Stück unter folgendem Titel zu lesen: Tausch: American Dream gegen München-Neuperlach Der Cop, der vor Trump nach München fliehen will [link]

Es gilt, gerade nach dem US-Wahlkampf, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden und Fake-News im Mainstream zu entlarven. Nach dem überraschenden Sieg von Donald Trump versuchen die westlichen Mainstream-Medien Öl ins Feuer zu gießen und die Anti-Trump-Stimmung vor allem bei jungen und noch unerfahrenen Menschen weiter zu entfachen und diese zum Protest aufzurufen. Der vorliegende Artikel in jetzt.de ist als klassisches Propaganda-Werk einzustufen. Hier geht es nur um das Bauchgefühl eines einzelnen Bürgers und trotzdem wird es auf die Stimmung in ganz Nordamerika umgelegt. Würde man das auch mit dem Bauchgefühl eines Trump-Wählers machen? Wäre es nicht an der Zeit, endlich einmal jene Amerikaner vor die Kamera zu holen, die deshalb Trump wählten, weil sie mit dem politischen und wirtschaftlichen Status Quo unzufrieden sind? In diesem Artikel erzählt eine junge Schwarze, warum sie ihre Stimme Trump gab. Und bedenken Sie, dass 2008 eine Vielzahl der Trump-Wähler Barack Obama das Vertrauen aussprach. Übrigens, wenn richtig gezählt wurde, dann gewann Trump von 3137 Counties (Wahlsprengel) mehr als 2700.

Hier nun mein Kommentar zu ausgewählten Passagen des Artikels:

  • Ein schwarzer Polizist mit einem arabisch klingenden Namen verfolgt die US-Wahl mit „CNN-Nachrichtenikone Wolf Blitzer“ im TV.

Der TV-Sender CNN hat sich von Beginn an mit großer Energie auf Seiten von Hillary Clinton gestellt, auch wenn man stets vorgab, objektiv und neutral zu sein. Nicht umsonst schmäht man den TV-Sender als Clinton-News-Network. Zu sehr hat sich Wolf Blitzer & Co aus dem Fenster gelehnt. Über Donna Brazile, Vorsitzende der Demokraten und politische Kommentatorin für CNN hat man in hiesigen Medien wenig gelesen. Sie war es, die Hillary Clinton Fragen für eine anstehende TV-Diskussion mit Herausforder Bernie Sanders im Vorfeld zuspielte. Dafür wurde Donna Brazile zwar von CNN gefeuert, aber der Schaden war längst angerichtet. Gut möglich, dass es bei CNN schon bald zu einer totalen Umstrukturierung kommen wird. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben.

  • Der Polizist ist während seiner Militärzeit im Irak stationiert. Würden einem die Bewohner nicht den Kopf abhacken wollen, wäre es ein schönes Land, stellt der Polizist fest.

Man könnte natürlich einen ganzen Artikel darüber schreiben, warum die Leute im „schönen Irak“ einem US-Soldaten den „Kopf abhacken“ wollen? Was meinen Sie, was der Grund dafür sein könnte? Könnte es sein, weil Washington einen Krieg angezettelt hat, das Land gnadenlos bombardierte und es seit 2003 durch ein Marionetten-Regime kontrolliert? Könnte es sein, weil Washington mit Absicht muslimische Gotteskrieger (lies: Söldner) ausbildet, ausrüstet und finanziert und diese auf Zivilisten hetzt? Könnte es sein, weil Washington die imperiale Politik divide and conquer im Mittleren Osten einsetzt und dafür sorgt, dass die eine religiöse Fraktion gegen die andere ausgespielt wird? Könnte es sein, weil Washingtons Verbündeter Saudi-Arabien für die Radikalisierung des muslimischen Glaubens sorgt? Könnte es sein, weil Washington seit Jahren versucht, Syrien mit internationalen Söldnern zu destabilisieren, die sich auch immer wieder im Irak aufhalten? Könnte es sein, weil das verhängte Wirtschaftsembargo gegen den Irak rund einer halben Million Kindern das Leben kostete und die damalige US-Außenministerin diesen Massenmord in Ordnung fand?

  • Die meisten Amerikaner, so der Polizist, leben ihren Rassismus nicht offen.

Ach? Wenn er nicht offen gelebt wird, inwiefern ist dieser statistisch überhaupt feststellbar? Der Satz ist pure Propaganda. Zuerst gilt es den Begriff „Rassismus“ zu definieren. Wann ist jemand „Rassist“? Wer hat die Rassen festgelegt? Welcher Rasse gehört beispielsweise ein Mexikaner an? Oder ein weißer Südafrikaner, der nun in den USA lebt?

Im Spektrum der Wissenschaft heißt es: »Beim Menschen wurden beinahe so viele Rassensystematiken aufgestellt, wie es Wissenschaftler gibt, die sich mit dem Problem befasst haben. Die Anzahl der unterschiedenen „Rassen“ reicht dabei von 3 bis über 200.«

Das heißt, obwohl sich die Wissenschaft über den Begriff Rasse nicht im Klaren ist, verwenden die Medien die Wörter „Rassist“ und „rassistisch“ wie Salatdressing. Gerade dann, wenn Journalisten und Redakteure unbequeme Zeitgenossen diskreditieren möchten. Auf der anderen Seite können farbige Bürger keine Rassisten sein, wenn sie gegenüber der Mehrheit abwertende Äußerungen machen. Bestes Beispiel dafür ist twitter und die neuen Hate-Speech-Regeln.

Wir können davon ausgehen, dass jeder Mensch mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Das hat aber nichts mit Rasse zu tun. Ich bin beispielsweise Selbstverleger und werde von staatlichen Einrichtungen, die Verlags- und Autorenförderungen vergeben, als „minderwertig“ und „förderungsunwürdig“ angesehen. Wäre ich nun farbig, könnte ich diese Ablehnung als „rassistisch“ brandmarken – und sollte ich die richtigen Leute „triggern“ – könnte das recht unangenehm für die politisch korrekten Staatsbediensteten werden. Oftmals werden „Rassismus“-Vorwürfe mit Absicht auf eine Weise eingesetzt, um politische oder wirtschaftliche Ziele zu „erpressen“.

  • Der Polizist hat viel politisches Zeug in den sozialen Medien gepostet.

Scheinbar postet der Police-Officer nur solch „politisches Zeug“, das vom Mainstream akzeptiert wird („Anti-Trump“). Stellen Sie sich vor, ein deutscher Polizist würde sich zur Flüchtlingskrise äußern und über die Missstände in einem Asylheim berichten. Mit einmal würden die Medien über ihn herfallen und dafür sorgen, dass die Vorgesetzten den vorlauten Polizisten zur Rechenschaft und damit zum Schweigen bringen.

  • Ziehen seine Kollegen die Uniform aus, sind es blonde, blauäugige Amerikaner.

Ich weiß jetzt nicht, ob es eine stereotypischere Aussage gibt. Also, so oft ich Polizisten in den USA im Einsatz sehe, blonde und blauäugige Gesetzeshüter sind mir da noch nicht oft untergekommen. Aber eines ist natürlich klar: Niemand kann aus seiner Haut. Ein attraktiver Mensch wird immer im Vorteil gegenüber einem hässlichen sein. Ein Reicher wird immer im Vorteil gegenüber einem Armen sein. Ein Erfolgreicher wird immer im Vorteil gegenüber einem Verlierer sein. Das ist nicht fair, aber so läuft das Spiel, das wir Leben nennen.

  • Schwarzafrikaner werden immer wieder Opfer von Behördenwillkür. Ein weißer Kollege gibt den Ratschlag, die Bewohner eines schwarzen Viertels in Washington D.C. wie Tiere zu behandeln.

Der Vizebürgermeister von Jerusalem hat Palästinenser als Tiere bezeichnet [Haaretz]. Finden Sie das in Ordnung? Warum schreibt jetzt.de nicht einen langen und breiten Artikel darüber? Und was, wenn der Kollege, der den Ratschlag erteilte, nicht weiß, sondern farbig gewesen wäre? Der Polizist gibt zu, dass die Wahrscheinlichkeit bei vier jungen Schwarzen Waffen und Drogen zu finden, hoch ist.

In Wikipedia lesen wir über die Kriminalität in Washington D.C., der ehemaligen Mörderhauptstadt der USA: As Washington neighborhoods undergo gentrification, crime has been displaced further east. Crime in neighboring Prince George’s County, Maryland, initially experienced an increase, but has recently witnessed steep declines as poorer residents moved out of the city into the nearby suburbs.

Für die ausufernde Kriminalität in der Stadt sind Viertel mit „armen Bewohnern“, Drogen und Banden verantwortlich. Der Kommentar eines geplagten Mitbürgers: I can’t even open a business in an entire half of the city (East of the River) unless I install prison bars, bullet proof glass (forget about a sit down diner), hire my own armed security team, etc., obviously not worth it. [Posted on Aug 24, 2015 | 8:00 PM.]

  • Die wirklich schlimmen Horrorgeschichten kennt der Polizist nur aus Erzählungen.

Und da haben wir wieder diese „schlimmen Horrorgeschichten“, die man nur aus „Erzählungen“ kennt, kurz: propagandistische Übertreibung! Fakten? Statistiken? Daten? Fehlanzeige. Einfach ein Bauchgefühl, das auf ein ganzes Land umgelegt wird. Stellen Sie sich vor, ein deutscher Polizist würde von politisch unkorrekten Horrorgeschichten, die er von Kollegen gehört hat, erzählen. Würden die Medien die Aussage für bare Münze nehmen? Würden sie die Aussage auf Deutschland umlegen? Oder würden sie die Aussage als unbestätigte Geschichte, als Fabel, abtun?

  • Der Polizist fürchtet sich, dass in Zukunft mit Präsident Trump „alles noch schlimmer“ werden würde. Vor allem für Schwarze, die einen arabisch klingenden Namen haben.

Warum es für Schwarze oder Muslime schlimmer werden wird, unter Trump, hat noch niemand beantwortet. Möchte er nicht für ordentliche Jobs sorgen? Möchte er nicht die Wirtschaft ankurbeln? Hat er nicht auf die verwahrlosten Stadtzentren aufmerksam gemacht, in der Schwarze tagtäglich mit Kriminalität und Drogen konfrontiert sind? Hat er nicht festgestellt, dass die Demokraten noch nie die ursächlichen Probleme der Schwarzen gelöst hätten?

Radikale Islamisten möchte Trump nicht in den USA haben. Ist das schlimm? Ich gehe davon aus, dass bereits jetzt muslimische Bürger unter Beobachtung stehen. Sie wissen schon, Terrorgefahr und so. Dabei entspringen diese ganzen „Terroranschläge“ mehr oder weniger einer kollektiven Wahnvorstellung, genährt und befeuert von zahlreichen Agenturen, die gutes Geld damit verdienen. Aber das ist eine andere Geschichte.

  • Der Polizist überlegt, nach München zu emigrieren. Weil es dort sicherer sei.

Natürlich ist München ein sicherer Fleck. Ist bekanntlich eine der teuersten Städte in Deutschland. Die Frage, die sich jeder stellen sollte, ist jene: Woher kommt die Kriminalität? Was macht einen Ort gefühlt sicher, was macht einen Ort gefühlt unsicher? Haben Sie dafür eine Antwort? Aber seien Sie ja vorsichtig und reden Sie sich nicht um Kopf und Kragen. Die Sittenwächter lauern hinter jeder Ecke.

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