richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

FAKE-News und das Ministerium der Wahrheit

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Glauben Sie nicht alles, was Sie sehen, was Sie lesen!

»Gefälschte Nachrichten und Hassbotschaften verbreiten sich immer rasanter im Netz und stellen eine Herausforderung für die Demokratie dar«, heißt es in einem Kommentar der österreichischen Tageszeitung Der Standard mit dem Titel:Es braucht staatliche Auflagen für Facebook & Co‹

Doch wann ist eine Nachricht fake? Leider ist die deutsche Übersetzung von fake mit ›gefälscht‹ äußerst schwach, ja, in manchen Fällen geradezu unpassend. Im Duden finden wir folgende Synonyme für Humbug: Blödsinn, Fez, Firlefanz, Käse, Kokolores, Larifari, Mist, Nonsens, Quatsch, Scheiße, Schmarren, Schmu, Schwindel, Stuss, Tinnef, Unfug, Unsinn. Aus diesen Substantiven ein funktionierendes Adjektiv zu finden, ist die Herausforderung. Besser, man entlehnt das Wort dem Englischen und hört auf, Nachrichten als ›gefälscht‹ zu bezeichnen, wenn sie einfach nur falsch und unwahr sind.

Politiker und Medienleute drängen nun an die Öffentlichkeit und warnen vor all diesen gefährlichen Falschinformationen, die in der Lage sein sollen, das Fundament der Demokratie zum Einsturz zu bringen. Jeder einigermaßen aufgeklärt Bürger müsste jetzt stutzig werden. Die Medien leben doch seit Anbeginn davon, dass sie es mit der unliebsamen Wahrheit, mit den lästigen Fakten nicht sonderlich genau nehmen. Da werden Menschen beschuldigt, belangt, bedrängt, diskreditiert, lächerlich gemacht, so, als würde es eine olympische Disziplin dafür geben. Da werden politische Gruppen mal nach rechts, mal nach links verschoben – je nach dem, wie es gerade in das vorgegebene Konzept passt. Kriegerische Konflikte und blutige Ereignisse werden nicht mehr untersucht oder hinterfragt, es geht nur noch darum, den Medienkonsument verständlich zu machen, wer die gute und wer die böse Fraktion ist. Die Medienhäuser sind längst globalisiert und wirtschaftlich von ihren Geldgebern abhängig. Von der exorbitanten Medienkonzentration hören und lesen Sie nichts in der Zeitung Ihrer Wahl. Warum auch? Niemand pinkelt sich gerne ans eigene Bein. Deshalb werden die vergangenen Fehler und Irrtümer der Mainstream-Medien nicht an die große Glocke gehangen. Einsicht findet nur im Kleingedruckten, nie auf der Titelseite statt. Ein Blick auf die US-Vorwahlberichterstattung sollte genügen, um zu erkennen, wie tief die freie und unabhängige Presse gesunken ist.

Die hohen Herren in den Vorstandsetagen dürften schockiert festgestellt haben, dass eine Generation heranwächst, die für den Mainstream nur ein Schulterzucken parat hat. Eine Vielzahl an junge und (im Geiste) jung gebliebene Bürger informieren sich nun im Netz, diskutieren in Foren und getrauen sich, Themen anzusprechen, für die sie in unserer politisch überkorrekten Epoche geohrfeigt werden würden. All das ist den Mächtigen ein Dorn im Auge. Sie wollen den Status Quo der Manipulation und Propaganda aufrecht erhalten und erinnern sich mit Wehmut an eine Zeit, als sie ein Informationsmonopol inne hatten und die Bürger der westlichen Welt nach Lust und Laune lenken konnten.

Was es nun braucht, ist eine zweite Aufklärung, die sich auf die erste beruft. Kant forderte die Menschen auf, sich ihres eigenen Verstandes zu besinnen, sich frei zu machen, von einer Obrigkeit, die der felsenfesten Meinung war, die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben. Wer sich damals gegen die festgeschriebene Wahrheit wehrte, wurde belangt, belächelt, verlacht und mit Schmutz und Hass beworfen. Nicht unähnlich ist es heute. Stellen Sie die Mondlandungen in Frage, werden Sie von den Zeitungen ausgelacht. Finden Sie Löcher in der offiziellen 9/11-Erklärung, nennt man Sie einen Aluhut-Träger. Möchten Sie sich mit den 1930er und 1940er Jahren im Detail beschäftigen, können Sie dafür vor Gericht gebracht werden. Glauben Sie wirklich, wir leben in einer Ära der Gedanken- und Redefreiheit? Wachen Sie auf. Je schneller, umso eher können wir der orwellschen Gedankenpolizei, die gerade antritt, die Wahrheit zu definieren, ein Schnippchen schlagen.

Die größte Gefahr für die Demokratie ist nicht der Humbug-Artikel auf einer obskuren Webseite oder der politisch unkorrekte Witz eines Pubertierenden auf facebook, sondern die Einführung eines Ministeriums der Wahrheit. Lesen Sie Orwell, so lange Sie noch dürfen.

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