richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Was steckt hinter Wikileaks Vault 7?

Twitter_Wikileaks_Vault7

Wikileaks verlautbarte, dass es unter dem Titel Vault 7 eine Reihe von vertraulichen CIA-Dokumenten veröffentlichen würde. Der erste Teil der Serie, genannt Year Zero, ist nun seit Dienstag, 7. März 2017, abrufbar: 8.761 Dokumente und Files, die aus einem isolierten Hochsicherheitsnetzwerk innerhalb der CIAs Center for Cyber Intelligence (Langley, Virgina) stammen, können eingesehen werden. Es wird wohl seine Zeit brauchen, bis all die Informationen ausgewertet werden können. Jeder ist eingeladen, sich an der Schnitzeljagd zu beteiligen.

Der Mainstream behandelt die Enthüllungen ein wenig zahnlos und richtet das Augenmerk der Berichterstattung vor allem auf knackige Facts, die Medienkonsumenten betreffen: Smart-TVs sowie Smartphones können als Wanzen verwendet werden, sprich, Hacker hören und sehen mit – und da die Geräte-Hardware selbst manipuliert wurde – sei es Android, sei es Apple – helfen auch die besten Verschlüsselungen nichts. Nada.

Russian Hacking
Wir können übrigens davon ausgehen, dass diese ganze Hysterie rund um russische Hacker, die die US-Wahl beeinflusst haben sollen, eine Erfindung der CIA war. In den von Wikileaks veröffentlichten Dokumenten geht klar hervor, dass die CIA die Möglichkeit hat, falsche Spuren zu legen und es so erscheinen zu lassen, als würde der Angriff aus dem Ausland erfolgt sein (UMBRAGE-Gruppe). Somit dürfen wir in Zukunft niemals mehr sicher sein, wer am Ende tatsächlich hinter einem Hackerangriff steckt. „Cyber-Beweise“ sind nun Schall und Rauch.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Leaks bleibt aber dem Mainstream verborgen bzw. wird von diesen unter den Teppich gekehrt: Wer pinkelt hier wem ans Bein?

Wikileaks und Julian Assange sind keine Heiligenschar, die mit göttlicher Macht den Kampf gegen die dunkle Seite der CIA aufgenommen hat. Vielmehr versteckt sich hinter Wikileaks ebenfalls eine Geheimdienst-Struktur. Alles andere ist nicht vorstellbar. Somit gibt es m. E. nur zwei mögliche Szenarien:

US-Militärgeheimdienst + NSA (pro-Trump) vs. CIA + Deep State (anti-Trump)
Wikileaks, das vermutlich vom US-Militärgeheimdienst und der NSA ins Psy-Ops-Rennen geworfen wurde, möchte den widerspenstigen Konkurrenten CIA in die Schranken weisen. Die Dokumente zeigen, dass die CIA – analog der NSA – ihre Hände ziemlich tief im Cyberspace haben. Kurz und gut, die CIA fischt in fremden Gewässern und das kann der Miltärgeheimdienst/NSA natürlich nicht dulden. Diese Leaks sind für die CIA nicht nur blamabel, sondern können auch Grundlage für eine unangenehme politische Untersuchung werden (siehe The Church Committee* in den 1970er Jahren). Gut vorstellbar, dass die Trump-Administration den Ball von Wikileaks aufnimmt und die CIA ordentlich bei den Ohren zieht. Jedenfalls, je mehr kompromittierendes Material in naher Zukunft veröffentlicht wird, umso mehr kocht die Wut der Bevölkerung gegenüber der CIA hoch – vorausgesetzt, der Mainstream berichtet schonungslos über die Leaks. Aber da wir wissen, dass der Mainstream primär der Lautsprecher des Deep State ist, der sich wiederum der CIA bedient, können wir davon ausgehen, dass die Berichterstattung weiterhin recht zahnlos ausfallen wird. Übrigens, ich gehe davon aus, dass Edward Snowden als „Gegenprogramm“ zu Julian Assange geschaffen worden ist, um die NSA anzuschwärzen.

Wikileaks ist ein limited Hangout der CIA
In der Geheimdienstsprache bezeichnet ein limited Hangout nichts anderes als absichtlich herbeigeführte Leaks. Dabei können auch Whistleblower zum Einsatz kommen, die nur so tun als ob. Da Wikileaks äußerst nebulös agiert, kann man sich aber nie sicher sein, wer gerade die Fäden zieht. Zwar mag es nur schwer vorstellbar sein, dass Vault 7 eine CIA-Psy-Ops ist, aber man sollte die Leutchen in Langley niemals unterschätzen, auch wenn sie zuweilen inkompetent wirken. Sie haben bereits einmal einen amtierenden Präsidenten aus dem Oval Office gejagt – Watergate, you know.

Da fällt mir gerade ein, eine magische Gewehrkugel gab es auch noch; aber das ist freilich eine ganz andere Geschichte. Scheinbar nicht für Wikileaks, die das Passwort der Year Zero Daten wie folgt wählte: SplinterItIntoAThousandPiecesAndScatterItIntoTheWinds. Ist es als Drohung gegenüber der CIA/Deep State zu verstehen?

*) Auslöser für die politische Untersuchung der CIA war ein von Journalist Seymour Hersh verfasster Artikel, der auf der Titelseite der New York Times erschien. Hm. Also, für mich riecht das jetzt ziemlich stark nach einem limited Hangout 😉 In der Senats-Anhörung führten die CIA-Direktoren den Politikern eine Herzinfarkt-Pistole vor. Ich denke, den Wink haben die Kongressabgeordneten sicherlich schnell verstanden.

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2 Antworten zu “Was steckt hinter Wikileaks Vault 7?

  1. zip Donnerstag, 9 März, 2017 um 7:54

    Jaja, die Leutchen von wikileaks zitieren in ihrem Passwort Kennedy’s Furor gegen die CIA nach dem Schweinebucht-Desaster 😉

    Nur so eine Nebenbemerkung: hast du dieses schon gesehen?

    http://boards.4chan.org/pol/thread/115560207/wikileaks-vault-7-image-has-hidden-photo

    Die „Autisten“ auf 4chan haben wieder einmal herumgespielt und folgendes entdeckt: hellt man das schwarze Kasterl im wikileaks-Tweet auf, jenes mit „Vault 7 – Year Zero“, so kommt darunter eine Installation des amerikanischen Bildhauers Jim Sanborn zum Vorschein. Sanborn hatte einige Berühmtheit erlangt, weil er für die CIA die Skulptur „Kryptos“ ins HQ in Langley gestellt hat.

    Bei der erhellenden Darstellung handelt es sich jedoch um Sanborns Installation „Lingua“, die an einem mindestens ebenso interessante Ort verwirklicht wurde: im Walter E. Washington Convention Center, das einerseits von den Demokraten für Zusammenkünfte genutzt wurde, andererseits ebenfalls eine CIA-Zentrale beherbergt, nämlich die „Filiale“ in DC.

    Nun, was genau die „Lingua“ bedeuten soll, die historische Texte in verschiedenen Sprachen zeigt, darüber rätseln die Foristen auf 4chan noch herum. Klar ist jedenfalls, dass Insider diese Anspielung verstehen dürften und wikileaks ein ziemliches Mitteilungsbedürfnis gegenüber der CIA hat.

    Was für dein erstes Szenario spricht.

    Noch eine Bemerkung zur Medienberichterstattung: die ist mehr als dürftig. Ich habe ja nun nicht sehr viel Phantasie, aber sie reicht, um mir vorstellen zu können, was los wäre, wären diese Dokumenten beim FSB (russischen Geheimdienst) gefunden worden.

    Der Skandal würde in den Blättern tagelang nicht aus den Schlagzeilen verschwinden und bis zur Seite 10 kommentiert werden. Das Fernsehen würde „Runde Tische“ ins Programm setzen und Dokus über den bösartigen russischen Geheimdienst nachschieben. Die Regierung würde den Sicherheitsrat einberufen, eine Novellierung verschiedener Gesetze hinsichtlich „Privatsphäre“ diskutieren und den russischen Botschafter einbestellen. Das Thema hätte über alle Stammtische wochenlang Lufthoheit.

    Tja, Medien schaffen Wirklichkeit. Und Fake-Medien schaffen eben eine Fake Reality.

    Zwei Aspekte finde ich noch interessant: die Möglichkeit der Fernsteuerung von mit Software ausgestatteten Fahrzeugen aller Art – Haider, Michael Hastings? – ein großer Rumms wie bei Herrhausen ist dadurch jedenfalls nicht mehr nötig.

    Und – wie von dir schon erwähnt: die Möglichkeit, False Flag-Hacks zu inszenieren. Müsste viel intensiver thematisiert werden. Wird aber nicht, weil es das gesamte „die Russen waren’s!“-Narrativ zerstören würde.

    Danke für deine trefflichen Überlegungen und nette Grüße!

    • Richard K. Breuer Donnerstag, 9 März, 2017 um 15:10

      Wären es Leaks vom russischen Cyber-Geheimdienst gewesen, wir hätten zu mindest einen Kalten Krieg 2.0 und man kann davon ausgehen, dass allerlei Kriegstreiber in Washington, London und Brüssel über weitere Sanktionen und NATO-Truppen an den Grenzen lautstark nachdenken würden. Aber wenn es um US-Geheimdienste geht, zucken Politiker und Presseleute nur mit der Schulter. Ja, niemand beißt die Hand, die einen füttert.

      Andererseits, vielleicht will die CIA mit diesen Leaks abtrünnige oder widerspenstige Leutchen wieder auf den „rechten Pfad“ bringen – immerhin wissen wir nun, dass die besten Verschlüsselungsmethoden nichts bringen – wer weiß, welche brisanten Informationen von der CIA bereits abgegriffen wurden. Ich könnte mir vorstellen, dass momentan so mancher Politiker, Verleger, VIPs usw. ein unangenehmes Kribbeln im Magen verspüren.

      Vielleicht haben wir es hier tatsächlich mit einem Turf War (Revierstreitigkeiten) zwischen den verschiedenen Geheimdiensten, dem Deep State und der Trump-Regierung zu tun. Die Anspielungen und Drohungen verstehen wir vermutlich in hundert Jahren nicht – aber spekulieren ist ja erlaubt 😉

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