Der langsame Abstieg der Mainstream-Medien in die Bedeutungslosigkeit

Heute, im Kaffeehaus, wieder in die eine und andere Tageszeitung geblättert. Der übliche propagandistische Kalauer, der auf dem Zeitungspapier lang und breit ausgewalzt wird. Drei Beispiele sollen Ihnen zeigen, dass mit dem Mainstream nicht mehr viel anzufangen ist. Falls sich die Herausgeber nicht eines Besseren besinnen und endlich echten Journalismus zulassen, werden die Tageszeitungen über kurz oder lang nur noch eine anachronistische Randerscheinung sein. Gratisblätter, Social Media und Smartphone-„Nachrichten“ werden die Lücke füllen. Qualitätszeitungen müssen sich wohl neu erfinden und mit der (unrühmlichen) Vergangenheit abschließen. Man stelle sich vor, es gäbe da draußen, in der Medienwelt, eine Publikation, die ihren Auftrag ernst nimmt, ihre Leser nicht für dämlich hält und für dumm verkauft, die tatsächlich unabhängig ist, die unangenehme Fragen stellt und sich mit Halbwahrheiten und Spins nicht zufrieden gibt. Ich meine, es gäbe in der Bevölkerung einen großen Bedarf an so einem Medium, egal ob print oder online.

Ich habe drei Beispiele ausgewählt, die zeigen, dass der Mainstream grob fahrlässig mit den verfügbaren Informationen umgeht und dabei in Verdacht gerät, eine Agenda zu verfolgen.

dav

John F. Kennedy Attentat: „Keine Verschwörung“

Was soll man dazu sagen? Jeder, der sich auch nur ein kleines Bisschen über das Attentat schlau macht, abseits vom Wikipedia-Mainstream, wird auf unzählige Merkwürdigkeiten, Anomalien, Widersprüche und Unwahrscheinlichkeiten stoßen.

Die (erneute) Untersuchung eines US-Kongress-Ausschusses (Select Committee on Assassinations) im Jahr 1979 kam zum Schluss, dass es sich beim Attentat „wahrscheinlich“ um eine Verschwörung gehandelt haben dürfte. Dabei sollten wir nicht außer Acht lassen, dass FBI und CIA so manch wichtige Information unter den Teppich gekehrt haben. Und gibt es nicht noch immer Dokumente, die unter Verschluss gehalten werden? Man fragt sich, was wohl der Grund dafür sein mag.

Erwähnenswert: Jackie Kennedy engagierte eine New Yorker Privatdetektei, um Näheres über den Mord an ihrem Ehemann zu erfahren. Scheinbar war sie mit dem Untersuchungsergebnis der Warren Commission nicht zufrieden. Apropos. Ausgerechnet Allen Dulles, ehemaliger CIA-Chef und graue Eminenz in Washington, der von John F. Kennedy recht unrühmlich gefeuert wurde, durfte in der Kommission mitwirken. Allerhand, finden Sie nicht?

Marylin Monroe, die sowohl mit John also auch mit Robert Kennedy ein Verhältnis hatte, dürfte wohl nicht freiwillig für immer sanft entschlummert sein. Dazu muss man nur 1 + 1 zusammenzählen, der Rest ergibt sich automatisch, so man seine grauen Gehirnzellen in Skepsis trainiert hat. Sogar welt.de getraut sich, darüber zu spekulieren.

Würde die Redaktion ihre Leser ernst nehmen, hätte sie beispielsweise den Umstand erwähnen können, dass die CIA im Jahr 1964 den Terminus „Verschwörungstheorie“ (conspiracy theory) in Umlauf brachte und negativ besetzte um investigative Reporter und Autoren, die sich um Aufklärung des Attentats bemühten, zu diskreditieren und lächerlich zu machen. Die New York Times war übrigens so freundlich, bei diesem Betrug an der Wahrheit mitzuspielen. What goes around, comes around.

dav

Rauchverbot für Jugendliche (erst ab 18 statt 16?)

Liest man den Artikel, glaubt man sich im falschen Propaganda-Film. Es scheint, als würde man deshalb ein gesetzliches Verbot ändern, weil sich keiner daran hält. Fein. Nach dieser Logik könnte man beispielsweise Verkehrsschilder abmontieren, weil „trotzdem alle zu schnell fahren“. Verabschiedet das Parlament ein Gesetz, so sollte sich die Regierung überlegen, wie man es exekutieren kann. Würde es beispielsweise keine Polizeikontrollen und saftige Strafen geben, wer weiß, wie sich manche Verkehrsteilnehmer auf den Straßen und Gassen gebärden würden.

Im hübsch eingefärbten Artikel kommen junge Menschen zu Wort, die das Rauch-Verbot für sinnlos halten. Aha. Vielleicht sollte man beispielsweise Steuersünder fragen, ob man Steuern nicht gleich abschaffen sollte.

Die Tabakindustrie sorgt sich natürlich ständig um ihre profitable Zukunft. Da ihre kettenrauchenden Stammkunden zumeist frühzeitig(er) das Zeitliche segnen, muss der Kundenstock, wenn man so will, von Kindesbeinen an gehegt und gepflegt werden. Dabei macht Nikotin schneller abhängig als Heroin und wirkt bereits nach sieben Sekunden – so schnell wie keine andere Substanz, heißt es in einem Die Presse-Artikel aus dem Jahr 2007: Volkssucht Rauchen: 1,2 Millionen Abhängige – Nikotin ist das häufigste Suchtmittel. Die Raucher werden immer mehr – und immer jünger.

Würde sich eine Qualitätszeitung des Themas ernsthaft annehmen, sollte im Artikel klar und deutlich hervorgehen, dass die Gesellschaft in die Pflicht genommen werden muss, um jungen Menschen das Rauchen ordentlich zu vermiesen – siehe Island. In einem Memorandum der Marketingabteilung des amerikanischen RJR-Tabak-Konzerns aus dem Jahr 1982 wird ausgeführt, dass »wenn ein Mann vor 18 Jahren nie geraucht hat, die Wahrscheinlichkeit drei zu eins ist, dass er es niemals tun wird. Mit 21 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit zwanzig zu eins.« entn.: Opinion: Case 1:99-cv-02496-GK – Document 5750, S. 974. [PDF]

dav

Mord oder Unfall oder Promotion einer Punkrock-Band?

Vor einem halben Jahr hat Banker A. seinen Stiefbruder mit einem Kopfschuss getötet. Mit im tödlichen Spiel die Ex-Frau von A., eine Staatsanwältin, die scheinbar ein virtuelles Verhältnis mit dem Stiefbruder hatte und dabei „obszöne Nachrichten“ mit ihm austauschte, was wiederum Banker A., der „nach wie vor seine Ex-Frau geliebt haben und eifersüchtig gewesen sein soll“, säuerlich aufgestoßen sein dürfte. Dass Banker A. noch am Vortag der Tat mit einem anderen Staatsanwalt telefonierte, wird im Artikel nebenbei erwähnt. Viel mehr Beachtung schenkt der Journalist interessanterweise einer Punkrock-Band, deren Lied während des Mordes gespielt haben soll. Ein wenig ging dabei dem Autor die Phantasie durch und der Leser findet sich kurzerhand in einem melodramatischen Krimi mit Punkrock-Liedtext-Passagen.

Dabei hätte dieser Kriminalfall alle Ingredienzen, um einen wissbegierigen Skeptiker neugierig zu machen. Beispielsweise würde mich interessieren, welchen Beruf dieser „Banker“ in welcher Position bei welcher Bank ausfüllte. Auch hätte mich interessiert, warum sich eine Zeugin – Staatsanwältin hin oder her – „entschlagen“ kann. Darf das jeder Zeuge? Unter welchen Umständen darf das ein Zeuge?

Weiters frage ich mich, ob der „Banker“ die beiden Waffen („Glock und Revolver“) legal erworben hatte und wie er die elektronische Kommunikation (E-Mail, Chat) zwischen Ex-Frau und Stiefbruder „mitverfolgen“ konnte.

Kurz und gut, dieser Artikel ist recht belanglos, weil er weder Hintergründe dieser mysteriösen Tat beleuchtet noch unangenehme Fragen stellt. Infotainment zum Gähnen.


 

An Hand dieser drei Artikel kann man gut und gerne erkennen, wohin der Mainstream steuert – nämlich in die Bedeutungslosigkeit. Wir wünschen eine angenehme Fahrt.

 

 

 

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