richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Dunkirk oder Die rätselhafte Banalität des Christopher Nolan

Dunkirk_Filmposter

Wer löst das Rätsel?

Ehrlich gesagt, ich war ziemlich verärgert. Was wollte uns Regiewunderknabe Christopher Nolan mit seinem neuesten Streich Dunkirk mitteilen? Die Erzählstruktur, die drei oder vier subjektive Ebenen wie Puzzlesteine miteinander verschränkt, wirkt natürlich modern und anders – wurde aber mit Sicherheit schon besser umgesetzt. Die Bilder sind stimmig und photogen, die musikalische Untermalung in der ersten Hälfte passend, in der zweiten verfällt sie in eine pathetische Klangmalerei. Zu guter Letzt lässt Nolan auch noch einen der geretteten Soldaten Churchills Rede We shall fight on the Beaches zitieren. Ja, wir Briten, wir werden uns niemals ergeben und werden überall kämpfen, wir werden unsere Insel verteidigen, was es auch immer kosten mag und so weiter und so fort. Hätte solch eine Rede die andere Seite ins Mikrofon gesprochen, man würde heutzutage ins Gefängnis gehen, würde man sie hoffnungsvoll zitieren. Aber die Geschichte, wie wir wissen, wird immer nur von den Siegern geschrieben und wenn Napoléon Recht hatte, dann ist Geschichte die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.

Ich zermartere mir meine kleinen grauen Gehirnzellen, weil ich nicht glauben kann, dass Nolan solch ein banales Machwerk ablieferte (Masterpiece my ass!„). Auf dem Filmplakat heißt es großspurig: „Das Ereignis, das die Welt prägte“, aber da hätte es sicherlich ein Dutzend andere Ereignisse gegeben, die noch prägender waren und bis heute sind. Beispielsweise im Winter 1913, als die amerikanische Notenbank in den USA in aller Stille eingeführt wird. Nur dadurch konnte Jahre später der Große Krieg für Großbritannien und Frankreich und schlussendlich das amerikanische Weltimperium „finanziert“ werden. Überhaupt, Nolan hätte sich des 1. Weltkriegs annehmen sollen. Dort wurden die Weichen gestellt, nicht in Dunkirk.

Apropos. Prof. Herfried Münkler hielt einen glänzenden Vortrag über Ursachen und Beweggründe, die zum 1. Weltkrieg führten sowie über all die Irrtümer und Illusionen, die heute noch in den Schulen als Fakten präsentiert werden. Solch einen belesenen Mann der Wissenschaft wünschte man sich an all jenen Fronten, die von Mainstream-Historikern besetzt sind. Eigentlich ist es eine Schande, dass gerade im Land der Dichter und Denker von der Obrigkeit Denkverbote ausgesprochen werden müssen, um wissbegierige und neugierige Bürger daran zu hindern, in historische Räume vorzudringen, die noch kein Mensch zuvor betreten hat.

Zurück zum Film. Also, was wollte uns Nolan mitteilen? In einem Interview erzählt er über den Dunkirk Spirit, den er (als Brite, der 1970 geboren ist) noch als Mythos kennenlernte. Für ihn ist Dunkirk „eine der größten historischen Ereignisse in der Geschichte der Menschheit“ [„one of the greatest stories of human history“]. Ja, diese Aussage ist ein Schlag ins Gesicht und ich frage mich, ob er es wirklich ernst damit meint. Erinnern Sie sich noch an den (langatmigen) Film Interstellar und die Szene, als die Lehrerin einer Schule dem Protagonisten eröffnet, dass die Mondlandung(en) von 1969 nur inszeniert gewesen sei, um die (damalige) Sowjetunion in den Bankrott zu treiben. „Der Apollo-Nonsens war ein brillant gemachtes Stück Propaganda„, lächelt die Lehrerin. Der Protagonist sieht sie ungläubig an: „Sie glauben nicht, dass wir auf dem Mond waren?“ und man könnte meinen, er würde noch immer daran festhalten wollen, dass die USA Menschen auf den Mond schickten – weil es sich so verdammt gut anfühlt. Damals dachte ich, dass Nolan subtil gegen das Establishment und den festgefahrenen Mainstream-Ansichten revoltiert. Vielleicht gibt es diese subtile Offenbarung der Wahrheit auch in Dunkirk. Noch habe ich sie nicht gefunden. Aber ich weiß, dass es sie gibt.

P.S.: Falls Sie eine viel bessere filmische Umsetzung der Zustände am Strand von Dunkirk sehen wollen, bitte sehr: Atonement (2007) von Joe Wright zeigt in einer einzigen fünfminütigen Einstellung (!), was es heißt, als britischer Soldat in den Wahnsinn von Dunkirk zu kommen. Die Bilder dieser grenzgenialen Kamerafahrt gehen unter die Haut. Davon ist Nolans Film leider meilenweit entfernt.

P.S.S: Ein britisches Gericht wies die Klage eines irakischen Generals gegen den damaligen britischen Premierminister Tony Blair zurück. Zwar gab es durch den Angriffskrieg (mit den USA) „ein Verbrechen der Aggression„, aber da es dieses Verbrechen nicht im britischen Gesetz gäbe, könne das Gericht darüber nicht richten und wies die Klage ab. Kurz und gut, Tony Blair ist ohne Winston Churchill nicht denkbar. Beide sind über Berge von Leichen gegangen, wenn es der Cabal dienlich war. Konsequenzen hatte es freilich keine. Weil Dunkirk Spirit, you know.

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