Flüchtlingswelle 2015. Analyse einer Analyse.

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So sieht also eine Analyse zum Thema Flüchtlingswelle 2015 im Mainstream aus. Nach Lektüre des Artikels im Sonntagskurier vom 3.9.2017 ist man freilich keinen Deut klüger. Im Gegenteil. Es ist geradezu bestürzend, wenn man sieht, dass sich Autor und Redaktion gar nicht erst bemüht haben, Widersprüche in ihrem Narrativ aufzulösen. Scheinbar gehen diese klugen Leute davon aus, dass ihre Leserschaft gar nicht mehr in der Lage ist, selbstständig zu denken oder wenigstens den Hausverstand, der tagtäglich von Werbeslogans überschüttet wird, zu aktivieren. Ja, vermutlich leben diese Medienmacher auf Wolke 7 und lachen sich am Abend, an der Theke ihrer Stammkneipe, ins Fäustchen, die Leute von der Straße wieder für dumm verkauft zu haben. Gut, vielleicht tue ich den jungen Journalisten und alten Hasen in den Redaktionsräumen Unrecht und sie sind einfach nur einem gnadenlosen System ausgeliefert, das Befehlsverweigerung mit (beruflichem) Selbstmord bestraft. Faites vos jeux.

Zurück zum Artikel, dessen Aufgabe es ist, dem Leser in Erinnerung zu rufen, dass die damals verantwortlichen Politiker und Behörden von der Invasion überrollt wurden und keine Wahl mehr gehabt hätten.

»Wenn sich Millionen Menschen einmal auf den Weg gemacht haben, dann sind sie nicht so einfach anzuhalten, wie mancher Stammtischbesucher glauben mag. […] Am Ende werden [die Grenzbefestigungen] ohnehin überrannt.«

Mit anderen Worten: Niemand trägt Schuld. Die Flüchtlingswelle, wie der Name bereits suggeriert, war ein unvorhergesehenes Naturereignis. Zäune und Mauern können solch einer Sturmflut unmöglich standhalten. »Man erinnere sich nur an den Fall der Berliner Mauer«, endet die Analyse.

Ich frage mich, was in den Besprechungszimmern der Zeitung für Zeugs geraucht wird, um solch ein Kindermärchen aufs Papier bringen zu können, ohne vor Schamgefühl zu vergehen. Würde es stimmen, dass Grenzbefestigungen einfach „überrannt“ werden können, warum gab es seit Anbeginn der Zivilisation Dorf- und Stadtbefestigungen? Warum investierten die Bürger von Wien in eine für damals sehr kostspielige Stadtmauer, wenn sie davon ausgehen konnten, dass die Türken respektive die osmanischen Heerscharen darüber hinwegfluten würden? Zogen die Belagerer am Ende nicht unverrichteter Dinge wieder ab, damals im Jahr 1529? Warum haben die DDR-Bürger so lange gewartet, mit dem Mauersturm? Was hinderte sie in den 1960ern Jahren daran, die Berliner Mauer zu erklimmen und in die Freiheit zu springen? Ja, was mag nur der Grund gewesen sein, dass Befestigungen nicht von Freund und Feind so einfach überrannt werden konnten? Beantwortet man die Frage sachgerecht, wird man freilich mit einer heutzutage sehr unangenehmen Konsequenz konfrontiert. Und da wir in einer Epoche leben, in der niemand mehr Verantwortung übernehmen möchte, versuchen sich Politiker und Medienleute dieser Verantwortung einfach zu entziehen.

Befestigungen sind Teil einer Verteidigungsstrategie. Um Angreifer daran zu hindern, dass sie Schutzmauern erklettern und überrennen, muss Gewalt (force) angewendet werden. Dieses Anwenden von Gewalt aber lässt jeden linksliberal gesinnten Menschen blass werden. Unangenehmerweise gibt es aber keine Alternative. Entweder akzeptiert man das Überrannt werden oder man verteidigt sich, sprich: man agiert in Notwehr, um zu schützen, was einem lieb und teuer ist. Natürlich kann man so lange darüber diskutieren (bzw. um den heißen Brei herumpalavern), bis es zu spät ist. Das ist im Moment die politische Richtschnur: Hinter mir die Sint- und Flüchtlingsflut.

An der Spitze eines Landes zu stehen, bedeutet, auch unangenehme Entscheidungen treffen zu müssen. Aber da es nur noch politische Manager auf Zeit gibt, werden diese unangenehmen, aber notwendigen Entscheidungen einfach nicht getroffen. Das ist wohl eines der Grundübel der Demokratie. So lange wir in einer Epoche leben, in der es Friede, Freude und Eierkuchen gibt, kann freilich jeder Schweinehirte zum Politiker avancieren. Aber wehe, die Zeiten werden dunkel und düster, dann braucht es kraftvolle und tatkräftige Oberherrn, die bestrebt sind, das väterliche Mutterland zu beschützen. Ironischerweise will man aber in unserer Generation eine bestimmte Geschichte nicht wiederholen, weshalb die (europäischen) Bürger geradezu gezwungen werden sind, unter Schweinehirten die nächsten Spitzenpolitiker zu wählen.

So hatte denn endlich die zweite türkische Belagerung Wiens nach einer 58tägigen heroischen Vertheidigung geendet (14. Juli bis 12. September 1683). Soldat und Bürger hatten sich während dieser unverwelklichen Lorbeern errungen. Das Verdienst Rüdiger Starhembergs, seiner tapfern Krieger und der entschlossenen treuen Bewohner Wiens steigert sich noch mehr bei der Erwägung, in welch‘ nothdürftiger Befestigung sich die Hauptstadt  befunden und wie groß der Mangel an Kriegsbedürfnissen war! Trotz all‘ dem wußten die Tapferen 41 Minen, welche zwei Bastionen nahezu in Schutthaufen verwandelten, auszuhalten und mehr als 50 Stürme abzuschlagen. Aber dieser Ruhm war mit empfindlichen Opfern erkauft. Von der Besatzung, die bei Beginn der Belagerung 16.000 Mann zählte, waren bei 5000 umgekommen und über 2000 lagen in Spitälern. von der Bürgerschaft und anderen bewaffneten Bewohnern Wiens 1650 Personen, darunter 170 Bürger, theils durch die Geschosse des Feindes, theils durch Krankheiten umgekommen.

entommen:
Feldmarschall Ernst Rüdiger Graf Starhemberg: 1683 Wiens ruhmvoller Vertheidiger.
Eine Lebensskizze von A. Grafen Thürheim
Verlag Wilhelm Braumüller, Wien 1882; S. 180f

Es beschleicht einen das Gefühl, dass all die gut bezahlten Hofschreiberlinge der Medienkonzerne das Bestehende nicht mehr sonderlich schützenswert finden. Nur dann ist diese Selbstaufgabe, die sie an den Tag schreiben, zu erklären. Vielleicht ist es diese berühmt berüchtigte „Antifa“-Ansicht, dass die Erbschuld, die sich unsere Großväter- und Urgroßvätergeneration aufgeladen hatten, nur noch durch Auslöschung der tief verwurzelten Kulturtradition zu tilgen sei.

Kommen wir wieder zum Artikel, der vorgibt, zu analysieren, aber gleich zu Beginn in die literarische Kitschgrube fällt:

»Am 5.9. um 2.35 Uhr überschritt XY (gemeinsam mit einem KURIER-Reporter) die Grenze zu Österreich und sagte mit leuchtenden Augen nur ein Wort: ‚Freiheit‘.«

Ich weiß jetzt nicht, wie es Ihnen geht, aber ich höre zum ersten Mal, dass Ungarn nicht mehr zur freien Welt gehört. XY muss sich ja eine Weile in Ungarn aufgehalten haben. Und davor in Rumänien oder Serbien oder Kroatien und davor wiederum in Bulgarien oder Griechenland. Gehören diese Staaten nicht alle zur Europäischen Union? Oder sind dort Diktatoren und Tyrannen an der Macht, die sich einen Spaß daraus machen, Asylsuchende in die Schlangengrube zu werfen? Die Frage ist also, was meinte XY damit, als er auf österreichischem Boden von ‚Freiheit‘ sprach? Gibt es am Ende in Österreich mehr Freiheit als in Griechenland oder Ungarn? Das wäre mir neu. Man kann demnach davon ausgehen, dass der Autor nur versucht, Stimmung zu machen. Aber billige Stimmungsmache gehört genausowenig in eine sachliche Analyse wie die Schilderung eines Einzelschicksals. Genausogut hätte der Autor  auch jene Szene in einem Wiener Schwimmbad literarisch ausmalen können, in der ein Flüchtling einen Bub an der Hand packt, in eine WC-Kabine drängt, die Tür von innen verriegelt und sich an ihm vergeht. Vielleicht dachte sich der Täter, mit leuchtenden Augen, dass es seine ‚Freiheit‘ sei, das zu tun. Ich hoffe, Sie verstehen, worauf ich hinaus will, nicht? Ein Analyst sollte analysieren und nicht Süßholz oder Bitterschokolade raspeln. Da der im Artikel erwähnte Flüchtling XY. von einem Reporter begleitet wurde, hätte man demnach seinen Fluchtweg nachzeichnen können, in allen Details und Einzelheiten. Statt dessen lesen wir:

»4000 Menschen, vor allem Iraker und Syrer, saßen auf einem Pannenstreifen der ungarischen Autobahn und es gab heftige Verhandlungen. Die ungarischen Fahrer der Busse begehrten auf, die Politik war ratlos und die Flüchtlinge fürchteten, in einem Lager interniert zu werden.«

Busse? Finden Sie es nicht auch sonderbar, dass der Autor über die Busse einfach hinweggeht? Busse für 4000 Menschen, das sind dann wohl rund 60 bis 70 Fahrzeuge. Das ist eine ansehnliche Busflotte. Wer hatte diese organisiert, wo bereitgestellt und mit welchem Geld bezahlt? Wo stiegen die Flüchtenden zu? Gab es Haltestellen? Einen Fahrplan? Wie muss man sich den Ablauf vorstellen? Im Übrigen scheint es nicht sonderlich schwierig zu sein, im Bus die Ausweise der Fahrgäste zu kontrollieren – das ginge sogar während der Busfahrt. Dazu braucht es nicht gerade einen Militäreinsatz in Divisionsstärke. Zu behaupten, man konnte die Flüchtlinge nicht kontrollieren, während sie brav und friedlich in Bussen gesessen sind, ist grotesk lächerlich und deutet wohl darauf hin, dass es Weisung gab, nicht zu kontrollieren, sondern diese Menschen einfach durchzuwinken. Schließlich wollten sie doch alle nach Deutschland – damit hatte und hat Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Kroatien und Ungarn überhaupt kein Problem. Wenn ich also eins und eins zusammenzähle, dürfte die Sache so vor sich gegangen sein:

Flüchtlinge werden von den Türken nach Griechenland bzw. Bulgarien gebracht, dort auf Busse verteilt, bis zur nächsten Grenzstation gefahren, wo man sie aussteigen und über die Grenze wandern lässt (Fotomöglichkeit für die Presse: marschierende Menschenmassen = Flüchtlingswelle = Naturereignis), wo sie wiederum auf bereitgestellte Busse verteilt und bis zur nächsten Grenzstation gefahren werden … Das Spielchen wiederholt sich, bis die Fahrgäste in Deutschland ankommen und dort um Asyl ansuchen. Da Frau Merkel ja meinte, die Deutschen würden das schon schaffen, bitte sehr.

Zu Fuß ist freilich keiner der Flüchtlinge die mehrere tausend Kilometer lange Strecke (Balkan-Route) gegangen, auch wenn es der Autor noch so sehr versucht, es zwischen den Zeilen anzudeuten. Alleine die Vorstellung, dass ein ausländischer Menschenschwarm unbehelligt quer durch die Türkei und die, viele Jahrhunderte vom osmanischen Reich besetzten Balkanländer marschieren kann, ist lächerlich. Das würde nicht mal im beschaulichen Österreich gehen.

»Dazu kam, dass Länder wie Russland oder die USA durchaus ein Interesse haben könnten, Europa zu destabilisieren.«

Dieser Satz hat Sprengwirkung. Freilich, in einem Mainstreamprodukt wird es ein kapitaler Blindgänger. Der Satz bleibt einfach so stehen. Keine Erklärung. Keine Anmerkung. Nichts. Nada. Warum sollten die beiden größten Militärmächte ein Interesse daran haben, Europa zu destabilisieren? Und gehört Europa nicht zur NATO, in der Washington das Zepter führt? Und warum Russland? Bezieht Europa nicht Erdgas aus Russland? Ist es wirklich aus Moskaus Sicht wünschenswert, wenn deren Abnehmer destabilisiert werden, so dass diese vielleicht am Ende die Rechnungen nicht mehr bezahlen können? Und würde sich nicht eine Destabilisierung wie ein Flächenbrand auch nach Russland ausweiten? Und wer möchte schon vor seiner Haustür Unordnung und Anarchie? Sehen Sie, in einer Analyse würde ich mir erwarten, dass es diesbezüglich eine handfeste Erklärung gibt. Oder wenigstens der Hinweis, dass Massenmigration als Waffe im geopolitischen Schachspiel eingesetzt werden kann. Ja, Europa, vor allem Deutschland und Schweden, sollen in gewisser Weise destabilisiert werden. Aber wenn weder Putin noch Trump dies wollen, wem ist daran gelegen?

Als Antwort könnte man fragen, warum Hilfsgelder für Flüchtlingslager in der Türkei sang- und klanglos gestrichen wurden – weshalb diese Fluchtwellen erst ausgelöst wurden. Man könnte auch einen gewissen George Soros fragen, warum er etliche Millionen Dollar in die Hand genommen hat, um NGOs zu finanzieren, die diese Flüchtlingsströme in vorgegebene Richtungen lenken und für eine Willkommens-Stimmung in Mitteleuropa Sorgen sollten. Warum mischt ausgerechnet ein amerikanischer Milliardär mit ungarischen Wurzeln – und vielleicht bald schon Terrorist, wenn es nach einer US-Petition geht – bei diesem geopolitischen Schachspiel mit? Man könnte die Medienkonzerne fragen, warum sie sich blöd stell(t)en und so tun/taten, als würden die Flüchtlingsströme nicht gesteuert werden. Die politische Agenda einer Cabal sieht nun mal vor, dass die Nationalstaatlichkeit aufgehoben und die Homogenität der Völker zerstört bzw. verwässert werden muss. Für den ewigen Weltfrieden. Natürlich.

Echte Analysen erfahren Sie längst nicht mehr aus dem Mainstream. Deren einzige Aufgabe ist es, Ihnen Sand in die Augen (und damit ins Getriebe) zu streuen. Man kann nur hoffen, dass sich nachfolgende Generationen ihrer geistig-kulturellen Wurzeln entsinnen und zu Kant und einer zweiten Aufklärung finden. Ansonsten wird es in Westeuropa eine ‚Freiheit‘ geben, die keiner will.

….

P.S.: Wenn Sie wissen wollen, wie ein international gut vernetzter pro-Israelischer Niederländer über die muslimische Migrationswelle in Europa denkt, dann verweise ich auf sechs längere E-Mails, die John Podesta – ehemaliger Wahlkampfleiter von Hillary Clinton – erhielt und die durch Wikileaks an die Öffentlichkeit gelangt sind. Ich muss Sie freilich warnen, der dunkelschwarze Humor kann linksliberal fühlende Menschen in einen Schockzustand versetzen – in Deutschland würde der Autor vermutlich wegen Verhetzung vor Gericht gestellt werden. Bedenken Sie dabei, dass diese E-Mails, die weniger Analyse denn üble Stimmungsmache sind, in den elitären Demokraten-Kreisen Washingtons zirkuliert sein dürften.

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2 Kommentare zu „Flüchtlingswelle 2015. Analyse einer Analyse.“

  1. solang viele staaten europas waffen in den nahen osten schicken, gerade auch ein land wie ungarn, die habens notwendig, trägt die bevölkrung in europa auch mitverantortung für diese konflikte. außer die, die dieses problem aufgezeigt haben und kritisiert haben. interessanterweise haben diese waffenverkäufe gerade die grünen sehr kritisiert. man kann nicht an krisenherde großverdienen und dann immer glauben, es passiert dann nix. hört auf waffen zu verkaufen, wählt wenigstens eine partei, die das auch ablehnt.

  2. Stimmt, Ali. Es gibt scheinbar Kräfte auf dieser Welt die bestimmte Regionen destabilisieren wollen.

    Das kann durch wirtschaftliche Maßnahmen erfolgen (z. B. Boykott, Sanktionen, Plünderungen, ‚Umwelt‘-Deals, Bestechung, Drohung, usw.) oder durch militärisch-geheimdienstliche Einflussnahme (z.B. Waffenverkäufe, Ausbildung von Söldnern, Guerilla-Camps, Medienberichterstattung von Gräueltaten, usw.).

    Die größte Schuld haben m.E. die Medien.

    Sie sind es, die diese Praktiken entlarven und uns Bürger darüber informieren könnten. Aber sie stecken leider allesamt unter einer Decke und tun so, als würde es der natürliche Lauf der Dinge sein.

    Alleine die simplen Fragen, wie sich dieses multinationale Söldnerheer genannt ISIS finanziert, wie dieses an schwere Waffen und ausländische Rekruten kommt und wie die Truppen es schaffen, ohne Luftüberlegenheit in kargen Wüstengegenden mit japanischen “Pritschenwägen‘ zu operieren, sollte sich eigentlich jeder Journalisten mit ein bisschen Grips stellen.

    Ob die Lösung darin besteht, alle vier Jahre ein Kreuzchen zu machen, bezweifle ich. Wie die Vergangenheit zeigt, kann sich eine Partei aus jedem gegebenen Versprechen herausreden – oder sie könnte so tun, als wäre in dieser Angelegenheit politisch nichts zu machen gewesen.

    Wie gesagt, ich würde die größte Schuld den Medien geben.

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