Was uns Michael Moores ›Where to invade next?‹ über die EU verrät

Zugegeben, ich bin kein Fan von Michael Moore. Nicht mehr. Weil ich weiß, was ich weiß. Auf der anderen Seite ist er einer der wenigen amerikanischen Filmemacher, der sich getraut(e), schwierige Themen mit Humor breitenwirksam unter das ahnungslose und gutgläubige Volk zu bringen. Als ich blauäugig durch die Welt schlenderte, mehr dösend als wach, gefiel mir seine brachial-humoristische Wahrheitssuche mit liberaler Färbung. Aber mit der Zeit wurde mir bewusst, dass auch er Teil einer kontrollierten Opposition ist, die viele Themen und Probleme ansprechen, aber immer in die falsche Richtung zeigen. Nichtsdestotrotz habe ich seinen Dokumentarfilm Where to invade next (imdb) aus dem Jahr 2015 durchaus genossen. Falls Sie den Film noch nicht gesehen haben, auf youtube können Sie bestimmt fündig werden.

In seinem Film bereist der damals knapp über 60-jährige Michael Moore Länder wie Italien, Frankreich, Finnland, Island, Tunesien, Deutschland, Norwegen, Slowenien und Portugal und zeigt, was diese besser machen als sein Heimatland, die Vereinigten Staaten von Amerika. Gleich zu Beginn seiner Reise gibt Moore unumwunden zu, dass er die Spreu vom Weizen trennen wird, sozusagen in den Gastländern nur die Rosinen aus dem Kuchen picken möchte. Deshalb ist der Film eine Offenbarung. Er zeigt, was eine homogene Gemeinschaft, deren Fokus auf dem Wir – nicht dem Ich – liegt, zu leisten imstande ist. Das ist eigentlich auch schon die Quintessenz des ganzen Films – leider wird dieser Umstand von Moore nicht groß hinausposaunt – andererseits auch nicht unter den Teppich gekehrt.

WhereNext_PosterMoore fragt sich, warum nicht auch Amerika politisch-gesellschaftliche Veränderungen herbeiprotestieren kann, wenn es sogar ein kleines Land wie Slowenien schafft. Dort waren es nur ein paar Studenten, die sich gegen Studiengebühren aussprachen, gemeinsam mit Bürgern protestierten und auf diese Weise die bevorstehende Einführung zu Fall brachten. Deshalb kennen slowenische Studenten nicht mal das Wort debt, Schulden, weil sie keine haben, um die Universität besuchen zu können. Im Gegensatz dazu sind die Studiendarlehen – student loans – in den USA eine große Belastung für Studierende, die aus einkommensschwächeren Schichten kommen.*

In Portugal werden Konsumenten von Drogen nicht mehr verhaftet, verurteilt und damit auch nicht mehr eingesperrt. In den USA sieht es dahingehend natürlich ganz anders aus. Da genügt es schon im Besitz kleinster Mengen an illegalen Substanzen zu sein um verurteilt zu werden.**)

In Norwegen erinnert der Strafvollzug an einen Kuraufenthalt, die maximale Gefängnisstrafe beträgt 21 Jahre und trotzdem hat das Land eine niedrige Verbrechensrate.

In Finnland lässt man in den öffentlichen Schulen Kinder noch Kinder sein – keine Hausübung, viel freie Zeit zum Spielen – und erreicht damit die besten schulischen Leistungen weltweit. Privatschulen gibt es nicht.

In Frankreich wird auch in den ärmsten Schulen den Schülern – im Vergleich zu amerikanischen Public Schools – ein Gourmetessen mit einem Glas Wasser kredenzt. Zuckerlimonade aus dem Automaten kennt man dort nicht.

In Italien gibt es beinahe 8 Wochen bezahlten Urlaub, Sonderzahlungen, eine zweistündige Mittagspause und glückliche Arbeiter und Angestellte. Die Unternehmer der beiden vorgestellten Familienbetriebe wollen, dass ihre Belegschaft glücklich ist. Dafür greifen sie schon mal tiefer in die Tasche und haben damit überhaupt kein Problem. Profitgier kennen sie nicht.

In Island wurden korrupte Banker und gewissenlose Finanzjongleure nach der Finanzkrise von 2008 vor Gericht gestellt und viele von ihnen verurteilt. Isländische Frauen fühlen sich den Männern in allen beruflichen und gesellschaftlichen Belangen gleichgestellt. Dafür sorgen Gesetze, Auflagen und ein ins Blut gehendes Verständnis für Gleichberechtigung.

Nun könnte man sich fragen, was haben diese Staaten nur gemeinsam? Warum war es der Bevölkerung dieser Länder möglich, Maßnahmen und Auflagen gegen den Willen der Elite politisch durchzusetzen?

Der springende Punkt bei alledem ist vor allem der, dass es in europäischen Ländern einen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Knotenpunkt gibt, der gegenüber Protesten und Streiks äußerst verwundbar ist. Darum konnte eine aufgebrachte Bevölkerung Gesetze und Regierungen zu Fall bringen. Paris, Rom, Wien, London, Madrid, Barcelona, Stockholm, Oslo, Reykjavik – zumeist Hauptstädte – sind solche Knotenpunkte. Werden diese Städte für einen längeren Zeitraum lahm gelegt, hat es dramatische Auswirkungen auf das ganze Land. Im Gegensatz dazu, ist Washington nur eine amerikanische Stadt unter vielen. Würde es dort zu Protesten kommen, würde die Stadt den Ausnahmezustand ausrufen müssen, es würde so gut wie keine spürbaren Auswirkungen auf das restliche Amerika haben. Ebenso verhielte es sich beispielsweise mit Unruhen in Los Angeles oder Chicago. Es würden nur Nadelstiche im amerikanischen Gefüge sein und damit lassen sich keine politischen Veränderungen erreichen.

Und jetzt stellen wir uns vor, es gäbe die Vereinigten Staaten von Europa – der Wunschtraum vieler liberal-global denkender Politiker und Wirtschaftsleute. Brüssel würde das Washington Europas werden, wo politisch-gesellschaftliche Entscheidungen für alle Bundesstaaten bürokratisch-anonym über die Köpfe der europäischen Bevölkerung hinweg beschlossen werden. Würde es demnach überhaupt zu Protestkundgebungen in Brüssel kommen? Würde die aufgebrachte Bürgerschar mit Bussen und Zügen und Autos ins europäische Washington fahren? Und dann? In den Parks campieren? Hätte das irgendwelche Auswirkungen auf die europäischen Bundesstaaten? Natürlich nicht.

Wenn Sie also wissen wollen, wie es Politiker und Globalisten zuwege bringen, all die erkämpften sozialen Errungenschaften Stück für Stück aufzuweichen und schließlich loszuwerden, müssen Sie nur einen Blick über den großen Teich werfen. Die größten Bedrohungen, die Washingtons Polit-Bürokraten jemals zu fürchten hatten, wurden entweder mit militärischer Gewalt (Bonus-Army, 1932) oder durch subtile Aktionen der Spionageabwehr (Marsch auf Washington, Bürgerrechtsbewegung der 1960er und 1970er Jahre, COINTELPRO) ausgelöscht. Die Überflutung der Innenstädte mit Drogen, beginnend in den 1970er Jahren, ist wiederum als politisches Gegenprogramm bezüglich einer aufstrebenden und emanzipierten black community zu verstehen (im Ansatz angedeutet im Tom-Cruise-Hollywood-Biopic American made von 2017; realistischer und dunkler ist freilich Kill the Messenger von 2014)***. Die ausufernden Studentendarlehen wiederum dienen vor allem dazu, einer unabhängigen Bildungselite die Zügel anzulegen und sie auf diese Weise in Zaum zu halten bzw. sie in eine bestimmte Richtung lenken zu können.

Kurz und gut, je größer ein Land ist, je mehr urbane Knotenpunkte es hat und je abhängiger lokale Medienkonzerne sind, umso weniger kann die Bevölkerung Einfluss auf die politischen Entscheidungen nehmen. Die „liberalen“ Globalisten wissen natürlich wie der Hase läuft und versuchen deshalb ein „vereintes“ Europa auf Schiene zu bringen. Wenn sie es schaffen, wenn Brüssel zu einem Washington wird, dann befürchte ich, werden die Lichter in Europa tatsächlich ausgehen. Fragt sich nur, welche Länder der zukünftige europäische Michael Moore dann bereisen wird.

*) Im April 2017 betrug die gesamte Schuldenlast gegenwärtiger und ehemaliger Studenten beeindruckende 1.400 Milliarden Dollar. Yep. Das sind 1,4 Billionen Dollar, die sich auf rund 44 Millionen Amerikaner aufteilen. 8 Millionen von diesen sind bereits in Zahlungsverzug, weshalb so mancher Analyst davon spricht, dass die Blasestudent loan bubble – bald mal platzen könnte. Die Auswirkungen können wir uns sicherlich ausmalen. 2008 anyone?

**) Rund 1/5 aller Inhaftierungen beinhalten einen Verstoß gegen das Suchtmittelgesetz. Die Inhaftierungsrate in den USA liegt bei 666, das heißt, dass auf 100.000 Einwohner 666 Gefängnisinsassen kommen. Damit sind sie globaler Spitzenreiter – wenn wir die Seychellen Inseln (738!) mal unter den Sand kehren. Portugal kommt übrigens auf 133, Österreich auf 94 und Deutschland auf 77. Bemerkung am Rande: Der portugiesische Gesundheitsminister meinte, dass seit der Legalisierung des Drogenkonsums die Drogenabhängigkeit im Land zurückgegangen sei.

***) Angemerkt sollte werden, dass die (illegalen) Drogen- und Waffenlieferungen der CIA über einen Flughafen in Arkansas abgewickelt wurden. Zu jener Zeit war ein gewisser Bill Clinton Gouverneur dieses Bundesstaates. Falls Sie sich vielleicht mal die Frage gestellt haben sollten, warum die Clintons für ihre kriminellen Machenschaften niemals vor Gericht gestellt wurden, hier ist die Antwort.

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