Star Wars: Die letzten Jedi und das Erwachen der bürgerlichen Macht

Ich war gerade mal 10 Jahre alt, als ich mit M. und seiner Mutter dieses phantastische Weltraummärchen Star Wars sehen durfte. Die Kinokarte kostete damals 50 Schillinge und die Klappstühle waren aus Holz. Die Währung und das Kino, welches über der Donau gelegen war, gibt es längst nicht mehr. Was bleibt sind nur noch vage Kindheitserinnerungen an eine längst versunkene Epoche.

Nun habe ich den 8. Film der Sternenkrieg-Saga Die letzten Jedi gesehen und dachte mir, ich mache mir mal so meine ausschweifenden Gedanken darüber. Falls du den Film ebenfalls gesehen hast, lass mich und andere mit einem Kommentar wissen, wie er dir gefallen/missfallen hat. Hier der Link zu den gesammelten Filmkritiken auf Rotten Tomatoes und Metacritic.

Ein episches Meisterwerk von Mel Brooks?

Ehrlich gesagt, ich fühle vorwiegend ein gewisses Maß an Enttäuschung. Weil man die einmalige Gelegenheit, etwas Besonderes, etwas Großes aus dem Stoff zu machen, leichtfertig ausgelassen hat. Ironischerweise ist es der Trailer, der mir ein episches Meisterwerk vor Augen führt und einen Film verspricht, den ich und sicherlich viele andere sehen wollten. Stattdessen wird eine lauwarme Story serviert, die weder Fisch noch Fleisch sein will und durchtränkt ist mit kulturmarxistischer Propaganda, aka Political Correctness. Ist es nicht geradezu erschütternd, dass in einem Multimillionen-Unternehmen keiner die Chuzpe hatte, aufzustehen und zu sagen, dass dieses Drehbuch shit ist. Schauspieler Mark Hamill dürfte es wenigstens versucht haben. Weiters frage ich mich, wer bei Lucas Arts auf den grandiosen Einfall kam, ein „episches Werk“ mit einer hanebüchenen Witzelei einzuleiten, die das Niveau einer Mel Brooks Parodie hatte. Von da an war mir klar, dass die Verantwortlichen eine Dekonstruktion des Originals vor Augen hatten, sprich, sie wollten mit dem Original endlich abschließen und etwas ganz Neues entstehen lassen. Dass sie aber so weit gehen würden, die besondere Star-Wars-Aura ins Lächerliche zu ziehen, ist ein starkes Stück und hätte ich (und viele, viele andere) so nicht erwartet. Deshalb gibt es nun diesen Backlash. Deshalb fletschen viele Fans der Original-Trilogie die Zähne. Disney steht plötzlich mit dem Rücken zur Wand. Das Management dürfte zwar damit gerechnet haben, dass der harte Kern der Fanbasis mit der filmischen Dekonstruktion sehr unzufrieden sein würde, aber solch Ausbruch an Hass und Feindseligkeit hatten sie mit Sicherheit nicht erwartet. Yep, shit happens.

Im Moment versucht Disney über die sogenannte Medienarbeit dem Shitstorm zu entkommen. Aber was auch immer das Unternehmen macht, es gießt nur noch mehr Öl ins Feuer. Viele Leute sind im Moment richtiggehend angepisst und fühlen sich zutiefst verschaukelt. So sehen übrigens Leute aus, die ihrem Ärger auf youtube Luft machen. Ich hoffe, Sie können die diversity erkennen.

 

Ähnliche Gefühlsausbrüche der Fanbasis musste auch George Lucas mit seinem Prequel Star Wars: Die Dunkle Bedrohung (1999) erfahren. Der Film lässt mich noch heute den Kopf schütteln ob der grotesk schlechten filmischen Umsetzung einer an sich guten Story. Bis vor Kurzem war es mir unbegreiflich, wie der geniale Filmemacher solch ein Desaster auf die Leinwand bringen konnte. Doch dann sah ich diese Doku, die zeigt, dass der Originalfilm von 1977 erst durch den Schnitt gerettet und zu etwas Besonderem gemacht wurde. Hätten die drei Schnittmeister (darunter die damalige Ehefrau von George Lucas) nicht die notwendigen Änderungen durchgesetzt, der Film wäre wohl nur ein durchschnittliches Machwerk geworden.

Die maoistische Kulturrevolution goes Hollywood.

Wie dem auch sei, für viele Fans der Original-Trilogie ist nun ein Punkt erreicht, der sie förmlich dazu zwingt, die Augen zu öffnen. Sie sehen nun, wie groß die Kluft zwischen professionellen Kritikern und gewöhnlichen Kinogehern ist. Die einen loben den Film in den Himmel, die anderen verdammen ihn. Zwei Extreme. Die Wahrheit, wie so oft, liegt sicherlich dazwischen. Aber in einer Zeit, in der das Imperium respektive Establishment den Gang unseres Lebens diktiert, ist die Auflehnung gegenüber einem Propagandawerk ein rebellischer Akt. Der Funke dieser Rebellion, wenn man so möchte, kann durchaus ins Politische übergreifen. Begonnen hat das Erwachen der bürgerlichen Macht mit der Kandidatur von Donald Trump. Plötzlich wurde vielen gutgläubigen Bürgern klar, dass die Medienkonzerne so unabhängig und objektiv nicht sind, wie sie vorgeben zu sein. Man kann über Präsident Trump sagen was man will, aber ohne ihn hätte es kein Erwachen des Zweifels gegenüber dem Establishment gegeben. Wenn Trump wieder das politische Feld räumen wird, bleibt der Zweifel in den Köpfen vieler Bürger bestehen. Das ist gut so. Der neue Star Wars Film tut Ähnliches – er sät die Saat des Zweifels gegenüber Hollywood und einer ausufernden PC-Propaganda, die nur noch mit der maoistischen Kulturrevolution zu vergleichen ist, deren Ziel es war, Tradition, Religion und althergebrachte Überlieferungen auszurotten und neue zeitgemäße Ideologien in die Köpfe junger Menschen zu pflanzen. Falls Sie der linksliberalen Meinung sind, dass es gut ist, das Gute zu verbreiten und das Böse zu vertilgen, dann vergessen Sie nicht, dass jeder, der noch vorgab, das Paradies auf Erden zu errichten, die Hölle geschaffen hat (Novalis). Da ich weiß, was ich weiß, würde ich sagen, dass diese Höllen nicht zufällig entstanden, sondern vorsätzlich. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Story von Die letzten Jedi ist ein wirres Durcheinander. Vieles macht keinen oder wenig Sinn, manches ist förmlich an den Haaren herbeigezogen und oftmals schüttelt man seufzend den Kopf, weil der 44-jährige Filmemacher Rian Johnson – sinnbildlich gesprochen – vom Star Wars Universum zu Disneyworld schwenkt und der Meinung ist, das würde völlig okay sein. Die filmische Umsetzung und die Qualität der Spezialeffekte sind state of the Hollywood art. Es gibt äußerst gelungene Kameraeinstellungen und visuelle Kompositionen, die einen tiefen Eindruck hinterlassen. Aber die Erzählung, die Dialoge, die Charaktere, die Nebenhandlungen, die Mythologie, kurz, das, was eine besondere Geschichte ausmacht, ist ein einziger Scherbenhaufen. Der zuvor genannte Mel-Brooks-Humor sowie die unnötigen Slapstick-Einlagen als auch die politisch motivierten Plotdetails wirken so aufgesetzt, dass ich davon ausgehe, dass diese einer Konzernvorgabe geschuldet waren. Durch all diese Eingriffe wird das Filmerlebnis letztendlich ruiniert.

Dann ist da natürlich die Sache mit dem Merchandising. Unternehmen wollen Geld machen. Mit dem Verkauf von Kinokarten ist es nicht mehr weit her. Alle wollen ihren Anteil. Aber mit dem Verkauf von Merchandisingrechten, die es anderen Konzernen erlauben, das in Billiglohnländern hergestellte Spielzeug auf den Markt zu werfen, lässt sich ordentlich viel Geld machen. Vorausgesetzt, der Film ist beim jüngeren Publikum einigermaßen beliebt. Deshalb wird auch alles getan, um vor allem die jungen Kinogeher bei Laune zu halten. Diese Marketingpolitik, die mit der Star Wars Saga 1977 begann, ist längst Bestandteil eines jeden Blockbuster-Drehbuchs. Dass dieser Marketingtrick bei Kids funktioniert kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Vor 40 Jahren wollte ich unbedingt eine Han Solo Actionfigur haben. Bekommen habe ich Chewbacca, der mir im damaligen Film gehörig auf die Nerven ging – aber wenigstens war der Packung ne große Wumme beigelegt.

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann kommt es mir vor, als hätten die Verantwortlichen nur Hass für die Originalfilme übrig gehabt und mit Genugtuung deren Dekonstruktion filmisch vorangetrieben. Bestes Beispiel ist jener Moment, als Luke Skywalker das ikonische Lichtschwert seines Vaters, das er einst verloren hatte, zurückerhält. Was tut er? Er wirft es kurzerhand über seine Schulter. Ist es vorstellbar, dass ein Autor, dem die Star Wars Mythologie am Herzen liegt, solch eine Szene ins Drehbuch schreibt? Nur für einen Lacher? Nur für einen kurzen überraschenden Effekt? Nope. Nope. Nope. Diese Szene hätte epischen Charakter haben können. Stattdessen lachen sich die Verantwortlichen hämisch ins Fäustchen und gratulieren sich selber: »Den Fanboys haben wir’s jetzt aber gezeigt.«

Dann schauen wir mal, ob das Management, allen voran Lucas Arts Chefin Kathleen Kennedy, mit diesem Film nicht den Bogen überspannt hat. Am Ende reduziert es sich nämlich darauf, dass ein seelenloser multinationaler Konzern, der nur dazu da ist, Profit und noch mehr Profit zu machen, auf unschuldige Kindheitserinnerungen gepinkelt hat. Und viele mögen das nicht. Ganz und gar nicht.

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Ein Gedanke zu „Star Wars: Die letzten Jedi und das Erwachen der bürgerlichen Macht“

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