Das Jahr des Donald J. Trump

Die Titelseiten der europäischen Zeitungen feuern Breitseiten gegen das Weiße Haus von Präsident Trump ab. Nicht das erste Mal. Nicht das letzte Mal. Diesmal ist es – man glaubt es kaum – der Inhalt eines gerade auf den Markt geworfenen Buches, das in den Redaktionsstuben hüben wie drüben die Köpfe zum Glühen bringt. Ist der Präsident des mächtigsten Landes dieser Welt tatsächlich crazy in the coconut, wie es manch Insider unter vorgehaltener Hand geflüstert haben soll? Müsste man den Präsidenten vielleicht zu einer Psychotherapie bewegen und auf die Couch legen? Oder ihn gar seines Amtes entheben, bevor er auf den großen roten Knopf drückt und damit eine katastrophale Katastrophe katastrophischer Ausmaße heraufbeschwört?

Die Angstphantasien, die in den Medien geschürt werden, sind im Einzelnen lächerlich, aber ruft man diese lautstark im Chor, immer und immer wieder, bleiben unangenehme Gefühle im Unbewussten des Medienkonsumenten hängen. Wäre Präsident Trump nicht ein vorzüglicher Dirigent, der seinen Twitter-Taktstock gewitzt einzusetzen versteht, man könnte als aufgeklärter Bürger wahrlich in eine Depression verfallen und Soma-Pillen schlucken.

Trump_twitter-stable

Ich übersetze mal seine Twitter-Parade nach bestem Wissen und Gewissen – das Original ist natürlich an Witz und Sarkasmus nicht zu schlagen:

»Nun, da sich nach einem Jahr eingehender Untersuchung herausgestellt hat, dass meine geheimen Russland-Kontakte nur erfunden sind und man die amerikanische Öffentlichkeit dahingehend für Blöd verkauft hat, haben die Demokraten und ihre Schoßhündchen, die Fake News Mainstream Medien, das alte Ronald Reagan Rezept ausgegraben und kreischen geistige Gesundheit und Intelligenz …

Tatsächlich waren während meines ganzen Lebens meine zwei größten Stärken geistige Gesundheit und really smart zu sein. Die verschlagene Hillary Clinton hat auch diese Karten ausgespielt und, wie jedermann weiß, ist damit völlig gescheitert. Ich war ein SEHR erfolgreicher Geschäftsmann, dann ein Spitzenstar des TVs und schließlich wurde ich …

… Präsident der Vereinigten Staaten (bei meinem ersten Anlauf). Ich denke, das würde nicht als smart, sondern als genial durchgehen … ein geistig äußerst gesundes Genie sozusagen.«

Eine blutige Lüge in Ehren?

Ich lehne mich an dieser Stelle vermutlich sehr weit aus dem Fenster, wenn ich mir die Meinung erlaube, dass Trump sicherlich einer der geistig gesündesten US-Präsidenten seit langer Zeit ist. Während also die eingeschworene Gegnerschaft Schwefel und Pech über das Weiße Hause Trumps leert, streuten sie seinerzeit Kriegstreibern, Massenmördern und demokratischen Despoten förmlich Rosen. Beispielsweise hat die offizielle britische Chilcot-Untersuchungskommission festgestellt, dass der damalige Premierminister Tony Blair das Land in den Irak-Krieg gelogen hätte. Seltsamerweise hatte und hat diese blutige Lügengeschichte keinerlei Konsequenzen nach sich gezogen – weder für Tony Blair noch für George Bush Junior. Stimmt Sie das jetzt nicht ein klein wenig nachdenklich? Hätte man Blair oder Bush vor Gericht gestellt, es wäre ein notwendiger drohender Fingerzeig für all die gegenwärtigen und kommenden Premierminister und Präsidenten der westlichen Welt gewesen.

Darüber müssten die Medien Tag und Nacht berichten. So lange, bis auch der Gutgläubigste endlich versteht, dass Politiker immer dann davonzukommen scheinen, wenn es um Kriege, Konflikte und globalisierte Korruption geht. Jene hingegen, die sich für Frieden, Verständigung und soziale Gerechtigkeit einsetzen, haben zumeist kein langes Politikerleben.

Man mag über Trump denken, was man will, er hat es geschafft, in einem kalten Klima der politischen Resignation ein Feuerchen zu entfachen. Jeder, der noch Willens ist, der Wahrheit nachzuspüren, erkennt, Schlagzeile für Schlagzeile, dass etwas faul ist, im Staate Dänemark und die Dinge nicht so sind, wie sie uns tagtäglich medial präsentiert werden. Kurz und gut, Nachrichten und Wahrheit haben nichts miteinander zu tun. »News and truth are not the same thing, and must be clearly distinguished«, schrieb bereits Walter Lippman (1889-1974), einer der einflussreichsten US-Journalisten seiner Zeit.

Empfehlenswerter Vortrag von Prof. Mausfeld

Nun, ehe wir uns versehen, bringt uns Trump zu einem sehr empfehlenswerten Vortrag von Prof. Mausfeld, der aufzeigt, wie es den wirklich Mächtigen gelingt, trotz Demokratie, Schulbildung und Medien, an der Macht zu bleiben. Es geht dabei niemals um eine (per se austauschbare) Person in Amt und Würden, sonder vielmehr um ein starres politisch-wirtschaftliches System, das dazu eingeführt wurde, um die pyramidenförmig strukturierte Ordnung aufrechtzuerhalten. Trump wird diese Ordnung natürlich nicht stürzen, aber er macht uns auf diese aufmerksam. Ob er dies tut, weil er ein machiavellisches Genie, ein tollpatschiger Elefant oder ein eingeschleuster Maulwurf im Weißen Haus ist, lasse ich dahingestellt. So oder so wird viel Porzellan zerdeppert werden – falls es die Clintons wieder zurückgebracht haben.

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2 Kommentare zu „Das Jahr des Donald J. Trump“

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