Die Welt mit Hillary? Die Angst der Journalisten vor dem Tellerrand

davHeute bin ich durch Zufall auf den Kommentar des Vize-Chefredakteurs der altehrwürdigen Wiener Zeitung gestoßen. Es ist recht faszinierend, zu sehen, wie sich der gute Mann – gemeinsam mit all seinen anderen liberalen Kollegen hüben wie drüben – abmüht, die Illusionsblase gegenüber Präsident Trump nicht zum Platzen zu bringen und die kognitive Dissonanz der liberal gesinnten Leser nicht über Gebühr zu strapazieren. Doch hie und da muss auch der Pressemann und die Pressefrau über den Tellerrand gucken. In diesem Fall zieht der Redakteur vor Präsident Trump den Hut, weil er die „Hohepriesterschaft der liberalen Eliten“ zum Grübeln bringt. Der Kommentar endet damit – man möchte es nicht glauben – dass Hillary Clinton dies „wahrscheinlich nicht geschafft“ hätte. Allerhand, nicht wahr?

Schlägt das Pendel nun in die andere Richtung? Ist der Kommentar als ein erstes Indiz für eine mögliche Kehrtwende in der Medienlandschaft zu verstehen? Immerhin ist Präsident Trump seit einem Jahr im Amt – wie lange möchte man noch das tote Pferd  – Hillary Clintons „knappe“ Wahlniederlage – reiten?

„Dafür wären die USA mit Hillary Clinton ein strahlender Stern am Himmel der liberalen Werte, würde doch statt eines sexistischen Egomanen zum ersten Mal in der Geschichte eine Frau den Titel des mächtigsten Menschen tragen“, heißt es im Kommentar. Seltsamerweise haben wir während des Präsidentschaftswahlkampfes von 2008 ganz andere Töne vernommen. Damals trat die Kandidatin der Grünen – Cynthia McKinney – gegen Obama und McCain an. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Journalisten der guten Schwarzafrikanerin Rosen gestreut hätten. Ganz im Gegenteil, sie rollten einem Mann den Teppich aus und jubelten ihn förmlich ins Oval Office.

Während Trumps Locker Room Talk immer wieder aufgewärmt wird, scheinen die Redakteure Hillary Clintons We came, we saw, he died-Gelächter und Bill Clintons sexuelle Affairen längst vergessen zu haben. Seltsam, was so im Gedächtnis der Presseleute hängen bleibt, meinen Sie nicht auch?

Wenn Sie mich fragen, dann können wir uns Glücklich schätzen, dass uns die Berufspolitikerin Clinton, die es gewohnt ist, über Leichen zu gehen um ihre Ziele zu erreichen, erspart blieb. Wir würden sonst längst im Kalten Krieg 2.0 leben, Syrien wäre dem Erdboden gleichgemacht, sozusagen libyisiert und die absolute Herrschaft der Globalisierung ausgerufen worden. Die Presse hätte die Zerstörung des sozialen Gefüges in dieser Welt gar nicht erst wahrgenommen, ganz im Gegenteil – sie hätte der mächtigsten Frau gehuldigt und ihre Politik rosarot eingefärbt – schlag nach bei Obama. Wahrlich, dieser Kelch ist an uns vorübergegangen.

So! Und jetzt hören wir uns die Rede von Präsident Trump in Davos an.

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P.S.: Sieht man sich die Landkarte an, wie die Counties/Wahlbezirke seinerzeit gewählt haben, dann stellen wir fest, dass die urbanen Zentren an den Küsten für Hillary stimmten, das Land selbst hingegen für Trump. Knapp ist das freilich nicht ausgefallen: 454 Counties zu 2.680 Counties. Ließe man jetzt auch noch die erzliberale Wählerschaft von Kalifornien außer Acht – immerhin gibt es ja Stimmen für eine Abspaltung – würde Trump auch von der Gesamtstimmenanzahl voranliegen. Somit zu behaupten, Hillary hätte nur um „Haaresbreite“ verloren – wie es im Kommentar heißt -, ist, nun ja, Wunschdenken der Hillary-Fanbasis.

P.S.S.: Sollten sich die Demokraten neu erfinden, die Abgeordnete Tulsi Gabbard hätte meine Stimme für die nächste Präsidentschaft.

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