Der rosarote Panther sieht schwarz

Stellen Sie sich vor, ein brotloser amerikanischer Autorenverleger, der irgendwo in Brooklyn lebt, erinnert sich dieser Tage an seine Kindheit. Damals, lange mag es her sein, sah er mit seinen Eltern im Kino The Pink Panther Strikes Again (1976) mit Peter Sellers. Und ohne viel darüber nachzudenken, sinniert er in facebook über diesen damaligen Kinobesuch. So malt er seine sentimentale Gefühlsstimmung seufzend aufs virutelle facebook-Papier und blickt für eine Weile aus dem Fenster und auf die Division Avenue. Als er sich wieder seinem Posting widmet, bemerkt er, dass es bereits eine Reihe von Kommentaren gibt. Schau mal einer an, denkt er sich und liest.

Hm, kratzt er sich am Kopf. Hatte er wirklich nicht daran gedacht, dass in diesen Tagen der neue Marvel-Superheldenfilm Black Panther erschienen ist? Hatte er gar mit böswilliger Absicht diesen alten, unbedeutenden Film erwähnt, um sich über den neuen lustig zu machen, der einer Minderheit zahlreiche Impulse gibt? Ist sein sentimentales Geschwätz am Ende gar eine rassistische Verunglimpfung? Sollte man nicht diesen üblen facebook-Eintrag als Hatespeech den Behörden melden?

Wie viel Eier benötigte Stalin für ein Omelett?

Ich weiß jetzt nicht, ob Sie es schon bemerkt haben, aber wenn Sie mit offenen Augen durch die Welt gehen, sollte Ihnen aufgefallen sein, dass längst die Kulturrevolution_2.0 ausgerufen wurde und wir – vor allem die jungen Erdenbürger – einem gnadenlosen Umerziehungsprogramm unterworfen sind. Der gesunde Menschenverstand ist bereits in die rechte Ecke gedrängt worden. Fakten und wissenschaftliche Ergebnisse, die der Zukunftsvision der Kulturrevolutionäre entgegenstehen, werden ignoriert oder lautstark angegriffen. Das wohlige Gefühl triumphiert über den nüchternen Verstand. „Diskussionen“ und „Diskurse“ werden nur noch dann geführt, wenn die revolutionären Ideen befürwortet und beklatscht werden. Kritische Zeitgenossen, die das sachliche Gespräch suchen, werden vom Mob so lange drangsaliert, bis sie entnervt und verängstigt das Handtuch werfen. Die Revolutionäre glauben sich im Recht, sind davon absolut überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen und sind bereit, für die gute Sache Gewalt anzuwenden und Blut zu vergießen. Ja, manchmal müssen eben ein paar Eier daran glauben, will man ein Omelett machen. Das war die übliche Reaktion von Walter Duranty, dem damaligen New York Times Korrespondenten in Moskau, wenn im Westen Stimmen gegenüber Stalins Säuberungen laut wurden.

Noch hat jeder, der Vorgab, das Paradies auf Erden zu errichten, die Hölle geschaffen. Novalis (1772-1801)

Natürlich kann der gewöhnliche Bürger, der großes Vertrauen in die zivilisierte Gemeinschaft hat und nur Bruchstücke der wahren Historie kennt, mit diesem Fingerzeig nicht viel anfangen und findet dieses ständige „Wehret den Anfängen“-Geschwafel als völlig übertriebene Schwarzmalerei. Doch der springende Punkt bei alledem ist, dass wir die Früchte dieser Umerziehungsprogramme in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit Sicherheit kennenlernen und vor allem spüren werden. Erst dann wird man sehen, was die Kulturrevolution_2.0 im Köcher für uns und unsere Kinder hat.

Doch glauben Sie nicht, es wäre so einfach, das Spiel dieser Utopisten, die das Paradies auf Erden errichten wollen, zu durchschauen. Am Ende gehört der brotlose Autorenverleger in New York genauso zu den Revolutionären wie der junge Radikale, der Hassbotschaften an virtuelle Wände versprüht und der alte Intellektuelle, der gegen diesen Political Correctness Wahnsinn philosophiert und die politische Bewegung, die Hoffnung in den Verzweifelten schürt. Auf diese Weise kann niemand mehr sicher sein, woran er ist. Früher oder später macht das jeden kritischen Geist mürbe und die politische Lethargie verbreitet sich epidemisch. Die Masse bleibt gespalten und reibt sich in Grabenkämpfe gegenseitig auf. Conquer and divide. Teile und herrsche.

Nope. Black Panther hab ich noch nicht im Kino gesehen. Eigentlich wollte ich mir ja von all diesen neuen Superheldenüberdrüberfilmen Thor: Ragnarok angucken, weil er recht witzig sein soll. Und so lange Spasz noch nicht verboten ist, sage ich mir, sollten wir uns hin und wieder einen machen. Oder?

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2 Kommentare zu „Der rosarote Panther sieht schwarz“

  1. Spannender Eintrag, mit dem Spasz! Erst im 17. Jahrhundert!

    Gerade der rosarote Panther zeigt freilich auch, dass so manche Krankheit des Heute nicht ganz neu ist – immerhin ist Peter Sellers irgendwann verstorben, aber die Filmwirtschaft konnte es nicht lassen und musste noch einen Teil drehen, in dem er gar nicht vorkommt. Heute würde man ihn mit CGI hineinzaubern — wichtig ist, dass konsumiert wird, wer dabei lebt oder stirbt ist erst einmal zweitrangig, genauso wie die Geschichte, die so ein Film ja eigentlich erzählen sollte.

    1. Die Sache mit diesem zombinösen CGI begann ja damals nach dem tödlichen „Arbeitsunfall“ von Brandon Lee bei den Dreharbeiten zu „The Crow“. Diese filmische Wiederauferstehung wurde 1993 mit gemischten Gefühlen quittiert. Bei Peter Sellers waren es wenigstens „nur“ outtakes, also Filmschnipseln, die nicht in die fertigen Filme kamen und zu einem neuen „Film“ zusammengesetzt wurden.

      Dann war da noch Oliver Reed und „Gladiator“. Bei Paul Walker und „Fast & Furious 7“ sollen ja seine beiden Brüder für den Verstorbenen eingesprungen sein.

      Ich schätze, vor dem 17. Jahrhundert hatten die Leutchen keinen rechten Spasz gehabt 😉

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