Denkverbote #7: Die feministische Utopie

Es gehört für einen Mann wohl zum gefährlichsten gedanklichen Minenfeld, will er sich mit der feministischen Utopie ernsthaft auseinandersetzen. Es war vor vielen Jahren, als mir – nennen wir sie Alphine – als mir Alphine bei einem Spaziergang ins Gesicht schrie, dass sie mir am liebsten „meine Eier ausreißen“ würde. Was hatte ich verwerfliches getan? Ich plauderte zuvor recht ungezwungen über meine Teamleiter-Entscheidung, die Kollegin XYZ. nicht für die ausgeschriebene Stelle in meinem Team zu berücksichtigen. Ich brachte die Argumente vor, die gegen XYZ. sprachen und dachte nicht, dass meine vorgebrachten Gründe in den Gehörgängen der sonst recht vernünftig wirkenden Alphine diskriminierend und frauenverächtlich klängen. Damals wurde mir mit einem Schlag bewusst, dass unsere Gesellschaft am besten Wege war, jegliches gesunde Maß zu verlieren.

Die Revolution von 1789 macht den Frustrierten eine unerhörte Versprechung: die erlittene oder eingebildete Verachtung rächen zu können. Kritisches Wörterbuch der Französischen Revolution I, S. 445

Eine gefühlte oder erlittene Ungerechtigkeit kann in unseren gegenwärtigen Tagen Basis für Gesetze, verordnete Auflagen und gesellschaftlich-kulturelle Umbrüche werden. Es ist, als hätte es die Aufklärung des 18. Jahrhunderts nie gegeben, als wäre die maoistische Kulturrevolution in den 1960ern, die absolute Gleichberechtigung versprach, nur ein unbedenkliches Gedankenexperiment gewesen. Wie kann es sein, so frage ich mich, dass manche Themen heutzutage so sehr die Gemüter erhitzen, dass mit Vernunft und Verstand kein Argument mehr zu gewinnen ist. Slogans & Phrasen, die sich gerecht und richtig anfühlen, egal wie absurd und kindisch sie auch sein mögen, diktieren nicht nur die „Diskussionen“, sondern setzen sich in den Köpfen junger Menschen fest, die wiederum politische Forderungen stellen und damit eine Spirale in Gang setzen, an deren Ende nicht das Paradies, sondern die in Watte gepackte Hölle wartet.

Dass es nicht weit her ist, mit all diesen Slogans und Phrasen, zeigt die kanadische Professorin Janice Fiamengo in ihren kurz gehaltenen Vorträgen (youtube). Ebenfalls empfehlenswert ist der kanadische Professor Jordan B. Peterson, der nicht nur Vorträge, sondern auch gehaltene Uni-Vorlesungen auf seinem youtube-Kanal zum Abruf bereitgestellt hat. Anzumerken gilt, dass Prof. Peterson in den letzten Monaten gehörig in die mediale Zwickmühle geraten ist und mit allerlei Vorwürfen konfrontiert wurde und weiterhin wird. Aber das ist nun mal der Preis, den man zu bezahlen hat, kämpft man im Sinne der Aufklärung gegen Dogmen und Phrasendreschereien.

Doch begeben wir uns besser nicht in die Niederungen religiöser Grabenkämpfe, versuchen wir lieber das Pferd von vorne aufzuzäumen. Es ist ganz einfach. Es gilt zwei Fragen zu stellen, zwei Fragen zu beantworten.

Wie würde eine feministische Utopie aussehen?
Mit welchen Mitteln soll diese Utopie erreicht und erhalten werden?

Eine erste Hilfestellung zur Beantwortung der beiden Fragen gibt vielleicht die Webseite frauenvolksbegehren.at, deren Betreiber 9 Forderungen an die österreichische Regierung stellt. Worauf ich damit hinaus will, wollen Sie wissen? Besser Sie fragen die Utopisten, worauf diese hinaus wollen und ob ihre Vision die Suizidrate der Männer, gegenwärtig in Österreich etwa 3,5 mal höher als bei Frauen, genauso senken wird können wie die häusliche Gewalt von Frauen gegenüber Männern (5,3:4,7 in den USA*)? Oder sind diese Punkt am Ende vielleicht gar nicht relevant? Aus Gründen.

Das Fehlen von Fragen hält den Menschen im Irrtum gefangen. Gaston Blachelard (1884-1962)

 

***

Vor wenigen Tagen bin ich durch Zufall über das Buch My Larger Education: Being Chapters from My Experience (Doubleday, 1911) von Booker T. Washington (1856-1915) gestolpert. Der gute Mann gehörte zu seiner Zeit zu den angesehensten politischen Aktivisten, die sich für die afroamerikanische Gemeinschaft in den USA einsetzten. Beim Durchblättern bin ich auf folgende Passage gestoßen, die mir sehr heutig vorkommt – so man den gedanklichen Spagat zwischen dem Gestern und dem Heute machen kann:

„Es gibt eine Gruppe von Farbigen, die ein Geschäft daraus machen, die Probleme,  die Schwierigkeiten und das Unrecht gegenüber Schwarzafrikaner in der Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten. Nach dem sie bemerkt haben, dass sie mit ihren Problemen gutes Geld verdienen können, ist es ihnen zur Gewohnheit geworden, ihr erlittenes Unrecht in die Welt zu posaunen – zum einen, weil es ihnen Sympathiepunkte, zum anderen weil es Ihnen Geld einbringt. Einige von diesen Leuten wollen nicht, dass die Schwarzafrikaner von den Missständen befreit werden, da sie sonst ihren Job verlieren würden.“

„There is a class of colored people who make a business of keeping the troubles, the wrongs, and the hardships of the Negro race before the public. Having learned that they are able to make a living out of their troubles, they have grown into the settled habit of advertising their wrongs – partly because they want sympathy and partly because it pays. some of these people do not want the Negro to lose his grievances, because they do not want to lose their jobs.“ p.118

Einfacher auf den Punkt bracht es Upton Sinclair (1878-1968), wenngleich scharfzüngiger, in seinem Buch I, Candidate for Governor: And How I Got Licked (1935):

„Es ist schwer, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, es nicht zu verstehen.“ // „It is difficult to get a man to understand something, when his salary depends upon his not understanding it“ p. 109

***

 

*) US-Studie: „Wir müssen häusliche Gewalt, die von Frauen ausgeht, akzeptieren, diese verstehen und endlich begreifen, dass sie ein ernstes gesellschaftliches Problem darstellt. […] Die feministische Theorie besagt, dass häusliche Gewalt ein von Männern toleriertes Abbild von „Macht und Kontrolle“ in einer patriarchalischen Gesellschaft ist. Aber laut Straus (2011) sind die vorherrschenden Motive für diese Gewalt Frustration und Verärgerung für einen aus der Rolle gefallenen Partner. Diese Motive gelten sowohl für Frauen als auch für Männer gleichermaßen.“ // „We need to recognize intimate partner violence by women, understand it, and recognize it as a serious social problem. […] Feminist theory states that intimate partner violence is an accepted form of “power and control” by men in a patriarchal society. But according to Straus (2011) the predominant immediate motives for violence, by women as well men, are frustration and anger at some misbehavior by the partner.“

The Independent: „Männer brauchen unbedingt einen sicheren Rückzugsort und Unterstüzung, weil es auf der Hand liegt, dass es eine immer größer werdende Epidemie häuslicher Gewalt gegen Männer gibt.“ // „But men do need space and resources, because it is clear there is a growing epidemic of domestic violence against men.“

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