Gedanken zur ZDF TV-Serie „Bad Banks“

Die letzten Tage die sechsteilige TV-Serie Bad Banks gesehen. Diese deutsch-luxemburgische Produktion kann handwerklich und schauspielerisch überzeugen, aber  das zugrundeliegende Thema − das Finanzsystem im Zeitalter großer Bankenpleiten − wirkt recht abstrakt und unverständlich. Die Filmemacher haben gar nicht erst die Absicht erkennen lassen, Licht ins Mammon-Dünkel zu bringen. Vermutlich, weil sie selbst nicht wissen, was da in den geheiligten Hallen des Geld- und Kapitalmarktes so vor sich geht und wie politisch-gesellschaftlich einflussreich die Bankenclique längst geworden ist. Der damalige Präsident der Deutschen Bundesbank Hans Tietmeyer getraute sich bereits im Jahr 1996 festzustellen:

»Die meisten Politiker sind sich immer noch nicht darüber im Klaren, wie sehr sie bereits heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden.« [FAZ]

too big to fail-Panikmache

Schade eigentlich, dass die Filmemacher hier leichtfertig eine große Chance vertan haben, dem gewöhnlichen Bürger zu zeigen, dass er nach Strich und Faden von den Geldmachern verschaukelt wird. Geradezu ärgerlich ist aber der Umstand, dass der Film in die politische Kerbe des too big to fail-Panik-Konzepts schlägt. So verkommt das Ganze zu einem marktschreierischen Propagandafilm des von Nobelpreisträger Prof. Stiglitz geprägten Begriffs Ersatzkapitalismus, wo Verluste verstaatlicht und Profite privatisiert werden. Der Film zeigt gleich zu Beginn, was Sache ist: Straßenkämpfe, Chaos und ein Geldautomat, der kein Geld mehr ausspuckt, kurz: so würde der Bankrott des größten Finanzhauses in Deutschland aussehen. Ist es das Ende der Zivilisation? Mitnichten. Der Film ahmt die Realität nach. Die Politiker einigen sich mit den Geldleuten auf einen Deal und – schwuppdiwupp – ist die Finanzwelt und damit die Menschheit gerettet. Freilich mit Steuergelder, die Sie und Ihre Kinder und deren Kinder in der nahen und fernen Zukunft erwirtschaften müssen. Davon erzählt der Film freilich nichts.

Doch woher kommt eigentlich das ganze Geld? Ironischerweise fragen sich das auch zwei Protagonisten. Der eine ein erfolgreicher und erfahrener Investmentmanager und die andere, eine talentierte 25-jährige Investmentbankerin, die mit Klugheit überreich ausgestattet ist und trotzdem  verstehen beide nicht die Bohne, woher das viele Geld eigentlich kommt, das sie da machen bzw. gemacht haben. Seltsam, nicht?

Der ganze Geld- und Kapitalmarkt ist eigentlich nichts anderes als ein gesetzlich und gesellschaftlich anerkanntes Casino, wo jeder jeden über den Tisch zu ziehen versucht und am Ende bezahlt der gewöhnliche Bürger die Zeche. So würde ich das mal auf den springenden Punkt bringen.

Wer es genauer wissen möchte, im Speziellen, wie Geld aus dem Nichts entsteht, der möge bei meinem Denkverbot #1 nachschlagen.

Gott Mammon auf der Insel!

Zuguterletzt behalten Sie im Hinterkopf, dass Geld per se kein Wert innewohnt. Es ist nur wertloses Papier, billiges Metall. Wenn Sie wirklich Gott Mammon nachspüren wollen, dann stellen Sie sich vor, Sie würden nach einem Schiffsunglück mit 1000 Passagieren auf einer einsame Insel stranden. Rettung ist für viele Jahre nicht in Sicht. Was meinen Sie, was Sie mit all ihren Geldscheinen, all ihrem Gold, all ihren Diamanten auf der Insel kaufen können? Nada. Sie können nur auf andere einwirken, dass diese für Sie arbeiten. Wie machen Sie das? In dem Sie ihnen Reichtümer versprechen und wertloses Zeugs geben.  Aber Sie können dieses Insel-Beispiel noch gerne weiter durchdenken. Wie würden sich die Gestrandeten organisieren? Wie würde Arbeit, wie würden Ressourcen verteilt werden? Wer würde führen? Wer würde entscheiden? Würde man Geld einführen? Wer würde es „drucken“? Wer würde es auf welche Weise unters Volk bringen?

Das Geld- und Finanzsystem ist in erster Linie dazu gemacht, Herrschaft auszuüben. Es zwingt Könige genauso in die Knie wie Bettler. Es ist die mächtigste Massenvernichtungswaffe, die die Welt jemals gesehen hat. Der Witz ist, dass es keiner bemerkt. Sie dürfen jetzt gerne lachen.

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