Der russische Präsident Putin besucht Wien und gibt dem ORF ein langes Interview

Der russische Präsident Wladimir Putin gab vor seinem offiziellen Österreich-Besuch dem ORF ein beinahe einstündiges Exklusiv-Interview. Das Transkript ist hier nachzulesen. Am besten, Sie ignorieren die Fragen des Journalisten und konzentrieren sich auf die Antworten von Präsident Putin. Auf diese Weise bekommen Sie ein ausgewogeneres Bild. Apropos. Das Foto zum Artikel wurde übrigens vom Kremlin zur Verfügung gestellt.

Die Anti-Putin-Russland-Propaganda gehört seit vielen Jahren auch beim ORF (und all den anderen westlichen privaten und öffentlich-rechtlichen Medienkonzernen) zum Tagesgeschäft. Gesunder Menschenverstand, Ausgewogenheit und respektvoller Umgang mit einem vom Volk gewählten Staatsoberhaupt ist im gegenwärtigen geopolitischen Klima scheinbar nicht möglich. Washington und die Dollar-Druckerpresse geben den Ton vor und die anderen nicken beifällig und halten die Hand auf. Daran hat sich eigentlich seit 1945 nichts geändert – mit der Ausnahme, dass der gewöhnliche Bürger nun die Möglichkeit hat, über den Tellerrand zu schielen und Informationen von der einen wie von der anderen Seite einzuholen.

Liest man sich die Fragen des ORF Interviews durch, erfährt man recht wenig Neues über die Standpunkte Putins – wer seine Politik verfolgt, kennt sie durch und durch – aber dafür erhält man einen guten Einblick in die Gedankenwelt eines Journalismus, der vorgibt, ausgewogen und fair zu berichten.

Hier die Punkte, die immer wieder ins Rennen geführt werden, um Russland in die Ecke zu stellen und Putin zu diskreditieren:

Sanktionen der EU/USA gegen Russland – es gilt zu beachten, dass Sanktionen einseitig ausgesprochen werden und ein politisches Machtinstrument darstellen; Sanktionen sind aber niemals Beweis für oder gegen eine aufgestellte Behauptung. Erinnern wir uns beispielsweise an die „Sanktionen“ der EU XIV, die seinerzeit die österreichische Schüssel-Haider-Regierung „bestrafen“ wollte, obwohl die Wahl demokratisch durchgeführt wurde und die Regierungsbildung verfassungsrechtlich in Ordnung gewesen war.

Skripal-Affäre – noch bevor das Verbrechen in Großbritannien kriminalistisch untersucht werden konnte, bezichtigte bereits die britische Regierung Moskau dieser Tat. Noch jetzt gibt es so viele ungeklärte Fragen, dass es für neutrale Beobachter grob fahrlässig wäre, mit dem Finger auf Moskau und Putin zu zeigen. Alleine der gesunde Menschenverstand müsste ausreichen, um festzustellen, dass die von den britischen Behörden vorgetragenen Behauptungen absurd sind. Britische Universitätsprofessoren haben sich zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen und zeigen all die Widersprüche und Ungereimtheiten dieser Affäre auf. Kurz und gut, bis dato hat die britische Regierung keinerlei Beweise vorgelegt, die Moskau mit diesem „Verbrechen“ in Verbindung bringen und gleichzeitig wurde verhindert, dass Russland Zugang zu den Untersuchungsergebnissen erhält. Man spiele diesen Sachverhalt einfach mal mit umgekehrten Vorzeichen durch (britischer Ex-Spion in Moskau vergiftet), dann würde man die einseitige Berichterstattung der westlichen Medien gleich viel besser erkennen können.

Wahlmanipulation in den USA – Ist das wirklich vorstellbar? Dass Moskau technisch, organisatorisch und finanziell in der Lage sein soll, den Wahlausgang des größten Imperiums, das die Welt jemals gesehen hat, massiv zu beeinflussen? Nebenbei bemerkt ist die USA längst keine Demokratie mehr, sondern vielmehr eine Oligarchie! Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität von Princeton – und jeder, der mit offenen Augen durch die politische Welt spaziert, wird es bestätigen können. Während beispielsweise das Team um Barack Obama für den Wahlkampf 2008 etwa 745 Millionen Dollar aufstellen konnte, brachte es die Kandidatin der Grünen Cynthia McKinney (oh, eine afroamerikanische Frau mit einem Doktortitel!) auf gerade einmal 200.000 Dollar. Wer ins Oval Office einzieht ist eine Sache, wer die Politik vorgibt, eine ganz andere.

Abschuss der MH17 über der Ostukraine – Die Aufarbeitung dieses Ereignisses gestaltete sich von Anfang an als äußerst schwierig. Weil alle Verdächtigen sofort mit dem Finger auf die anderen zeigten. So steht Aussage gegen Aussage. Sie können glauben, wem Sie wollen und was Sie wollen, aber am Ende stellt sich die Frage: „Und wie geht’s jetzt weiter?“ Als im Jahr 1988 ein Kriegsschiff der USA ein iranisches Passagierflugzeug abschoss und dabei 290 Menschen tötete, bedauerte die Regierung in Washington diesen Vorfall, entschuldigte sich aber formell nicht dafür. Sanktionen gab es damals gegen die USA jedenfalls keine.

Annexion der Krim – Noch immer wird in der Presse von der „völkerrechtswridigen Annexion“ der Krim gesprochen, ohne dafür entscheidende Argumente vorlegen zu können. Wenn sich die Bevölkerung der Krim für einen „Anschluss“ an Russland mittels Volksentscheid aussprach und diesen innerhalb des Völkerrechts umsetzte, dann ist dem eben so. Tatsachen verschwinden nicht, nur weil man sie ignoriert, sagte ja schon Huxley. Ansonsten müsste man vielleicht noch mal einen Blick auf die Staatsgründungen von Israel und dem Kosovo werfen. Wollen wir das?

Die neue Regierung der Ukraine ist legitim – Wann werden die Medien endlich schreiben, dass die legitime und vom Volk gewählte Regierung der Ukraine mittels eines Staatsstreiches abgesetzt wurde? Übrigens mitfinanziert und gebilligt von Washington (Victoria Nulands „Fuck the EU!“ sollte man sich diesbezüglich in Erinnerung rufen!).

Einsatz von Giftgas durch die syrische Armee – Wieder nur Behauptungen und Schuldzuweisungen von der einen wie von der anderen Seite. Aber spielt man diese medial ausgeschlachteten Szenarien durch, fragt man sich, wer von einem Giftgaseinsatz am meisten profitieren würde, dann erhält man eine klare Antwort: Es sind die ausländischen Söldner (Ziel: Sturz einer legitimen Regierung), die davon am meisten profitieren würden. Ohne Hilfe westlicher Einsatzkräfte und deren Geheimdienste (White Helmets!), hätten die Söldner nicht jahrelang aushalten können. Durch Schuldzuweisungen, bsp. „Assads Truppen setzen Giftgas gegen Kinder ein“, konnte Washington, London und Paris darangehen, den Söldnern die nötigen Mittel bereitzustellen und die erforderliche militärische Unterstützung zu gewähren. Wer wissen möchte, was sich tatsächlich in Syrien geopolitisch abspielt, der lese meine Artikel dazu, beispielsweise diesen: Afghanistan 1980 vs. Syrien 2015 oder diesen: Syrien und die Normalität völkerrechtswidriger Lynchjustiz.

Im Großen und Ganzen gilt es sich eines immer und immer wieder vorzusagen: Alle Politiker einflussreicher Staaten sind Wölfe in Schafpelzen. Es ist einer langjährigen Medienkampagne zu danken, dass der gewöhnliche Bürger noch immer meint, die USA oder Großbritannien seien „demokratisch“ und „frei“ und die USA kein „Imperium“. Die Einflussnahme Washingtons gegenüber souveränen Staaten – teils mit Dollarscheinen, teils mit Bombenabwürfen, teils mit Propaganda, teils mit Staatsstreichen – ist eine Tatsache, die man sogar in Wikipedia nicht wegschreiben kann. Die freundlichen Journalisten und Redakteure im In- wie im Ausland leiden vermutlich an Demenz – ansonsten ist es nicht zu erklären, warum sie diese Tatsache gemeinhin totschweigen oder mit lapidaren Erklärungen zur Seite schieben.

Ja, niemand beißt die Hand die einen füttert. Aber ich sagte es schon, nicht?

 

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2 Kommentare zu „Der russische Präsident Putin besucht Wien und gibt dem ORF ein langes Interview“

  1. Glaube kaum, dass die USA Wolf oder auch nur den ORF bezahlen. Das ist alles freiwillige Mitgliedschaft in der stärksten Bande am Schulhof, weil es einfacher ist, mitzuheulen als dagegen.

    1. Natürlich funktioniert die „Bezahlung“ auf vielen Ebenen, sei es über besondere Einladungen, exklusive Mitteilungen, elitäre Netzwerke (da gab’s mal in Deutschland ne Diskussion bezüglich Medienleuten, die dem Transatlantischen Thinktanks angehörten) Kontakte nach „oben“, usw. – Diese Woche ist ja wieder Bilderbergisches Treffen angesagt – da war auch mal der Oscar Bronner dabei. Ich schätze, es gab gute Gründe, damals, ihn einzuladen. Diesmal ist übrigens Gerhard Zeiler Gast in Turin. Ex-ORF-Intendant. Ja, so laufen die Verbindungen am „Schulhof“.

      Natürlich darf man nicht vergessen, dass Wolf nur ein „Untergebener“ ist und die Voragaben „von oben“ zu erfüllen hat.

      Ja, „mitlaufen“ und „mitheulen“ ist für die Karriere sicherlich besser als mit dem Kopf durch bzw. in die Wand.

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