WM 2018: Tag #5 – Der Kane war ihr Schicksal

Schweden : Südkorea 1:0
Belgien : Panama 3:0
Tunesien : England 1:2 [FIFA-TV]

Gedanken zu den Spielen.

Schweden : Südkorea 1:0

Meine Güte, das war ein Hundskick. Die Südkoreaner dürften während der WM-Vorbereitung das Fußballspielen verlernt haben, anders ist diese „Leistung“, die sie auf dem Platz abriefen, nicht zu verstehen. Sie haben sich jedenfalls das Prädikat Schießbudenfigur redlich verdient. Die Schweden fanden zwar gute Chancen vor, konnte sie aber nicht nutzen. Ach, wo ist nur der gute Ibra, wenn man ihn braucht? Gottlob hatte Odin ein Einsehen und gewährte ihnen einen Strafstoß. Der Pfiff in der 65. Minute erfolgte übrigens auch dieses Mal verspätet – da sich der Videoschiedsrichter erst „zu Wort melden“ musste. Dass die Schweden in der Nachspielzeit beinahe noch den Ausgleich kassiert hätten, zeigt, dass es mit ihnen spielerisch auch nicht gerade weit her ist. Im nächsten Spiel geht es gegen eine deutsche Mannschaft, die sich neu erfinden und ein Gelübde ablegen wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie Schweden da Land sehen möchte. Und die Mexikaner müssten die hölzernen Schweden schwindlig spielen. Auf der anderen Seite, wer hätte jemals gedacht, dass die Nordmänner die Italiener in der WM-Relegation rauskicken würden können? Im Fußball ist wirklich alles möglich – aber man verschone uns in Zukunft mit solch lauwarmen müden Partien. Das ist Anti-Werbung für eine Fußballweltmeisterschaft. Flasche leer.

Belgien : Panama 3:0

Eine Halbzeit lang konnte Panama das Spiel offen halten und Belgiens Offensivtalente zur Verzweiflung bringen. Wir kennen das Bild einer Begegnung zwischen David und Goliath längst: auch beim Außenseiter aus Zentralamerika gab es zwei Defensivreihen, die den Raum für die sonst so spielstarken und antrittsschnellen Belgier auf ein Minimum einschränkten. Das Resultat war eine gewisse Ideenlosigkeit auf Seiten Belgiens. Auch das kennen wir schon. Die Favoriten mühen sich redlich gegen Defensivblöcke eine Lücke zu finden. Ein taktisches Rezept gegen diese eng stehenden Defensivreihen gibt es noch keines – jedenfalls wäre mir noch keines aufgefallen. Einzig eine Standardsituation (siehe Frankreich) oder ein Tausendguldenschuss (siehe Brasilien) können das Blatt wenden. So auch bei den Belgiern. Mertens nimmt Minuten nach Wiederbeginn den Ball mit Vollspann volley aus der Luft. Ergebnis: Der Ball macht einen hohen Bogen und senkt sich über den Tormann ins Tor. Sehenswert. Damit war der Bann gebrochen und weil die Panama-Spieler nun offensiver wurden – was ihnen sehr zu danken ist – ergaben sich logischerweise freie Räume, in die die Belgier nach Herzenslust hineinsprinten konnten. Ich würde sagen, die belgische Mannschaft zählt zur stärksten Kontermannschaft im Turnier. Aber wehe, sie liegen zurück, müssen das Spiel machen und gleichzeitig hinten absichern – damit haben nicht nur Deutschland und Brasilien so ihre Probleme. Gegen ein recht spielschwaches Panama, ohne Offensivkünstler, taten sich trotzdem eklatante Fehler in der belgischen Hintermannschaft auf. Es gab sogar eine dicke Ausgleichschance, die Panama sträflich vergeigte. Belgien – im Gegensatz zu einigen anderen der Favoriten – hat jedenfalls ihr Plansoll erreicht und kann das Spiel mal abhaken. Gegen Stahlbeton anrührende Tunesier – der nächste Gegner – sollte es ein Stück schwieriger werden. Aber wenn sich die goldene Generation Belgiens jetzt nicht noch mehr anstrengt und steigert, wann dann? Panama darf man gratulieren. Sie haben beherzt dagegen gehalten, haben sich niemals aufgegeben und sogar noch in den letzten Spielminuten den Weg nach vorne gesucht. Applaus!

Tunesien : England 0:1

Im Stadion an der Wolga gab es nicht nur eine Mücken-, sondern auch eine Binsenweisheitsplage. Zum einen, die Tore, die man nicht schießt, bekommt man. Nach einer Hand voll hochkarätiger englischer Torchancen – allesamt verstolpert oder kläglich vergeben – bekommen die beherzt auftretenden Tunesier einen Elfmeter zugesprochen. Weil Walker nicht weiß, wohin mit seinen Armen und einen Nordafrikaner im Strafraum ins Gesicht schlägt. Völlig gegen den Spielverlauf – nach dem der große Harry Kane die Engländer fulminant in der 11. Spielminute in Führung brachte und man schon von einem Schützenfest ausgehen konnte. Aber ersten kommt es anders und zweitens und überhaupt. Ja, auch ne Binsenweisheit. Die dritte und letzte der Binsenweisheiten lautet, dass ein Fußballspiel bei dieser WM offiziell 90 Minuten dauert und es noch eine Nachspielzeit gibt, in der auch Tore fallen können – im speziellen gegen nordafrikanische Teams (siehe Ägypten & Marokko). Ein tunesischer Abwehrspieler – übermütig – will den Ball in der 90. Minute bei der Cornerfahne behaupten, stellt sich aber gegen seinen englischen Gegenspieler recht ungeschickt an und verursacht statt eines (ungefährlicheren) Einwurs einen unötigen (gefährlicheren) Eckball. Am Ende dieses Eckballs steht – wieder einmal – der große Harry Kane goldrichtig und köpft ohne Probleme ins Tor. Dumm gelaufen, für die mutigen und gefällig agierenden körperlich sehr robusten Nordafrikaner – die technisch versiert den Ball im Kurzpassspiel nach vorne befördern wollten. Aber in der Offensive waren sie dann plan- und harmlos. Das englische Team und die Fans von der Insel können erleichtert ausatmen. Beinahe fühlte man sich an die alten, so schrecklichen Zeiten erinnert, wo einfach nichts klappen wollte und die Öffentlichkeit recht säuerlich auf Spieler und Trainer reagierte. Diesmal ging es gut für die Southgate-Truppe aus und einem Achtelfinaleinzug – im nächsten Spiel gegen ungefährliche Mittelamerikaner aus Panama – steht nichts mehr im Wege. Aber wenn die Engländer für eines bekannt sind, dann ist es, gegen Zwerge zu straucheln. Let’s wait and see.

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