WM 2018: Tag #8 – Don’t cry for me, Argentina

Dänemark : Australien 1:1
Frankreich : Peru 1:0
Argentinien : Kroatien 0:3

Gedanken zu den Spielen.

Dänemark : Australien 1:1

Nach 7 Minuten eine herrlich herausgespielte Kombination der Dänen im Strafraum der Australier – es erinnerte an gute alte Zeiten -, die zum Führungstreffer führt. Superstar Eriksen knallt den Ball nach schöner Vorlage unhaltbar unter die Latte. Sehenswert. Aber das war’s dann auch mit dem Dänischen Dynamit. Die Socceroos versuchten danach mit kontrollierten Vorstößen zum Erfolg zu kommen, entblößten in über 90 Minuten aber nie ihre Abwehr. Der Ausgleich fiel – wie kann es anders sein – durch einen Elfmeter – verspätet gepfiffen, dank des Videoschiedsrichters, dem ein Handspiel von Poulsen im Strafraum nicht entging. Aus dem erwarteten Schlagabtausch wurde nichts. Beide Mannschaften wollten nicht verlieren und vermieden es, leider, Risiko zu nehmen. Am Ende war es eine durchschnittliche Partie von durchschnittlichen Spielern in zwei durchschnittlichen Mannschaften. Am ehesten würde man den Dänen eine Steigerung zutrauen. Aber vielleicht sind deren gute alte Zeiten endgültig vorbei. Was bleibt, sind wehmütige Erinnerungen und die kleine Hoffnung, dass Eriksen und seine Kollegen vielleicht doch noch explodieren.

Frankreich : Peru 1:0

Enttäuschend. Die Peruaner konnten die Franzosen einfach nicht unter Druck setzen, kamen kaum gefährlich in den Strafraum und wenn, dann verzettelten sie sich. Im Gegensatz zum Dänemarkspiel waren sie offensiv ziemlich abgemeldet. Les Bleus wissen, wie man defensiv absichert und das Spiel des Gegners mit Pressing stört – freilich nur dann, wenn die gut bezahlten Herrschaften in Stimmung dazu sind. Hin und wieder trabten sie recht lustlos am Rasen dem Ball hinterher oder verschlampten eine gute Umschaltmöglichkeit. Nur zu Beginn hatte man vielleicht noch den Eindruck, die Franzosen wollten alles klar machen. Aber nach dem Führungstreffer verfielen sie wieder in diese so unverständliche Nachlässigkeit. Beinahe hätten sie dafür die Rechnung präsentiert bekommen: In der zweiten Hälfte klatschte ein peruanischer Weitschuss ans französische Lattenkreuz. Mon dieu, der Ausgleich wär ein Schock für die französischen Traumtänzer gewesen. Aber es sollte halt nicht sein. Die Peruaner waren  ein weiteres Mal vom Pech verfolgt, die Franzosen wiederum hatten ein weiteres Mal das glücklichere Ende für sich. Gewiss, die Qualität der französischen Spieler ist schon enorm und kann den Unterschied machen – aber als Team funktionieren sie nur ansatzweise. Vielleicht wird es mit Fortdauer des Turniers besser. Es ist ihnen und uns zu wünschen – eine tief stehende französische Mannschaft, die nur den Ball wegdrischt und einen Vorsprung verwaltet, die will keiner sehen. Giroud glaubte, 15 Minuten vor Schluss, den Ball bei der gegnerischen Cornerfahne abdecken und klar ersichtlich auf Zeit spielen zu müssen. Das war peinlich, für die Grande Nation des Fußballs. Die Peruaner, die mir im ersten Spiel gegen Dänemark sehr gut gefallen haben, konnten heute spielerisch nicht zulegen und verabschieden sich von dieser WM wohl zurecht. So ist das eben. Einer hat immer das Bummerl.

Argentinien : Kroatien 0:3

Hallelulja. Das war ja eine beeindruckende Vorstellung der Kroaten. Ihr Pressing, ihr defensives Stellungsspiel und das Umschalten in die Offensive bei Ballgewinn war überragend. Aber der argentinische Untergang begann mit einem Geschenk von Tormann Caballero in der 53. Minute. Lässig wollte er den Ball über Rebic und zu einem argentinischen Spieler schupfen. Aber diese Chip-Ball misslingt und wird zu einer Vorlage für den Kroaten, der den Ball volley ins Tor knallt. Respekt. Während Rebic gefeiert wurde, wurde Caballero zum Buhmann der argentinischen Fans. Schon zuvor sind mir seine riskanten Abschläge aufgefallen. Ja, so schnell kann es nach unten gehen. Der Rückstand ließ die Argentinier noch wütender in die Zweikämpfe gehen. Die Kroaten waren freilich auch kein Kind von Traurigkeit und es knisterte ordentlich im Gebälk. Der Schiedsrichter teilte gelbe Karten wie Geschenkgutscheine aus. Half alles nichts, die Partie wurde immer hitziger. Als neutraler Zuschauer natürlich ein Festschmaus. Die weiteren Gegentore – ein Weitschuss von Modric, ein klassischer Konter – stürzte Argentinien und ihren Superstar Messi, der wenig zeigen konnte, in eine kollektive Depression. Jetzt kann nur noch ein Wunder helfen. Aber Argentinien ist einfach keine Mannschaft, kein Team. Sie haben zwar hochklassige Einzelspieler auf den Offensivpostitionen, aber wenn es ums Verteidigen geht, wenn es darum geht, die Ordnung zu halten, dann ist die Fahnenstange ziemlich schnell erreicht. Kroatien hat auf der anderen Seite gezeigt, wie man als Mannschaft auftritt, wie man gegen den Ball arbeitet, wie man Chancen herausspielt, wie man gefährliche Vorstöße zu Ende spielt. In solch einer Form – Modric & Co pressten sogar noch in der 94. Minute, beim Stand von 3:0, gegen den argentinischen Ballführer – ist alles möglich. Die Taktikvorgaben dürften sie bereits so sehr verinnerlicht haben, dass sie gar nicht anders können als laufen und kämpfen und laufen und kämpfen – bis zum Schlusspfiff. Mit Kroatien ist zu rechnen, die sind im Turnier mit heute angekommen. Schade für Lionel Messi. Aber bei dieser WM stand er von Beginn an im Schatten vom großen Ronaldo, der zeigte, was einen Superstar zum Superstar macht.

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