WM 2018: Rückblick auf das Viertelfinale – Es wird ernst!

Frankreich und England hatten es gegen ihre Gegner – Uruguay und Schweden – ziemlich leicht. Im Schongang, wenn man so will, setzten sich beide mit 2:0 durch. Kein Vergleich zu den anderen beiden Viertelfinalpartien, die intensiver und – im Falle von Kroatien und Russland – an die körperliche Substanz gingen.

Belgien machte gegen Favorit Brasilien eine gute Figur, und doch muss man die Südamerikaner ohrfeigen, weil sie wieder einmal die Sache zu lässig angingen. Es fehlte der nötige Nachdruck, dieser unbändige Wille, ein verlorenes Spiel doch noch drehen zu wollen. Gegen Costa Rica liefen sie mit der Brechstange gegen das Tor und wurden belohnt. Diesmal zögerten und zauderten sie – ängstlich bemüht, dem belgischen Offensivtrio (Lukaku, De Bruyne und Hazard) keine Gelegenheit zum Konterspiel zu geben. Brasilien hat sich, wenn man so will, selbst geschlagen. Da passt es natürlich wie die Faust aufs Auge, dass der Führungstreffer ein unglückliches Eigentor war und zuvor der Ball an die belgische Stange klatschte. Von da an verlegten sich die Belgier nur noch auf abwarten und Tee trinken. Als sie das 2:0 durch einen mustergültig vorgetragenen Konter erzielten, war die Sache gelaufen.

FIFA-Zusammenfassung der Spiele auf youtube

Uruguay : Frankreich 0:2
Brasilien : Belgien 1:2
Schweden : England 0:2
Russland : Kroatien 2:2  3:4 i.E.

Kroatien wäre beinahe ein zweites Mal am falschen Fuß erwischt worden. Im Achtelfinalspiel waren es spielstarke Dänen, diesmal nervenstarke Russen. Der russische Führungstreffer – wieder einmal ein Cheryshev-Weitschuss der Marke „unfassbar“ – kam praktisch aus dem Nichts. Der Ausgleich erfolgte prompt und nach kroatischem Wunsch. Die Russen, noch vor dem Turnier belächelt, kämpften aufopferungsvoll und liefen und liefen und liefen. In der Verlängerung ging es Schlag auf Schlag. Der Führungstreffer der Kroaten hätte die Entscheidung sein können, aber Fernandes köpft Minuten vor dem Ende den überraschenden Ausgleich. Die beiden Mannschaften erinnerten an Boxer, die sich kaum noch auf den Beinen halten können und in den Seilen hängen. Man spürte als Zuschauer förmlich diese unglaubliche Intensität. Der Elfmeterkrimi rüttelte ordentlich am Nervenkostüm. Die Kroaten hatten schließlich das glücklichere Ende für sich – der Elfmeter von Modric prallte von der Stange ins Tor. Alles in allem war es ein Viertelfinalspiel nach meinem Geschmack. Kein Vergleich zu Frankreich oder England, deren Spiele einen Gähnen ließ. Ob wir solch ein intensives Spiel ein weiteres Mal bei dieser WM sehen werden dürfen, ist zu bezweifeln. Schade, nicht?

Das erste Halbfinalspiel am Dienstag zwischen Frankreich und Belgien zeigt uns zwei Teams, die ein ähnliches Spielkonzept verfolgen und durchaus als ebenbürtig anzusehen sind. Jene Mannschaft, die den Führungstreffer erzielt, kann sich schon auf das Finale freuen. Gibt man den Franzosen, gibt man den Belgiern Raum zum Konterspiel, brennt es im gegnerischen Strafraum lichterloh. Somit werden wir wohl lange Zeit zwei Teams gegenüberstehen haben, die kontrolliert ihre Angriffe vortragen und sich alle Mühe geben, sich in der Defensive ja nicht zu entblößen. Elfmetergeschenk? Standardsituation? Auf dem Papier klingt das Spiel nach Schlagabtausch zweier Favoriten auf den Weltmeistertitel. Auf dem Rasen könnte es lange Zeit einen schnarchnasigen Taktik-Kick geben. Gott bewahre uns davor!

Das zweite Halbfinalspiel am Mittwoch zwischen Kroatien und England wird wohl ein Geduldsspiel werden. Die Engländer wissen, dass die Kroaten bereits zwei Verlängerungen in den Beinen haben und müssen nur geduldig auf ihre Chance respektive Standardsituation warten. Gelingt den Engländern der Führungstreffer, werden sie den Ball und die Kroaten laufen lassen. Beinahe empfinde ich Mitleid für Modric & Co sollte es zu solch einem Spielverlauf kommen. Die Engländer haben mich freilich bis dato nicht überzeugt – aber sie haben ihre Tore gemacht, wenn es nötig war und konnten sich auf eine gut organisierte Defensive samt überragendem Torhüter verlassen. Ich sehe es bereits vor mir, wie beide Teams behutsam zu Werke gehen, das heißt abtasten, abwarten, abtasten, abwarten. Für beide Mannschaften ist der Einzug ins Finale der größte Traum. Wer möchte ihn schon frühzeitig platzen lassen?

 

 

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