Mythen der Ernährung (1): Leben um zu essen oder Essen um zu leben

Dieser Beitrag ist kurz gehalten – obwohl es viel, sehr viel zu sagen, zu schreiben gäbe. Aber so ist das, wenn die Dinge im Kopf reifen und im Herzen blühen.

Vor über einer Woche war es, als es Klick machte und wieder einmal ein Puzzleteilchen in ein anderes ging. Ich musste erfahren, dass die sogenannte »Ernährungswissenschaft«, die sich in den letzten 50 Jahre ans Licht der Öffentlichkeit propagandisiert hat, am ehesten einer religiösen Glaubensgemeinschaft ähnelt, die so manche Studien, die die damalige und gegenwärtige Orthodoxie in Frage stellen, als Häresie verdammt und die verantwortlichen Forscher als Ketzer medial und beruflich verbrennt. Man könnte beinahe meinen, wir wären im finsteren Mittelalter gelandet, wo die hohen Herren und Damen in den Universitäten, Forschungsanstalten und Krankenhäusern sich wie Hohepriester gebärden und so tun, als hätte es die Aufklärung nie gegeben. Der österreich-ungarische Kinderarzt Ignaz Semmelweis (1818-1865) kann diesbezüglich ein trauriges Lied darüber singen:

Wäre die Ärzteschaft im Spital damals seinen Hygienevorschriften nachgekommen, hätten sich die Götter in Weiß die Hände gewaschen, bevor sie zur Entbindung eilten oder die geborenen Kinder untersuchten, die Kindersterblichkeit hätte um 80 % gesenkt werden können. Doch seine Berufskollegen hielten nichts von diesen Vorschriften, würde man ihnen damit unterstellen, Schuld am Tod vieler Kinder zu sein. Gegen Semmelweis wurde Front gemacht – er wurde mit den übelsten Vorwürfen und schmählichsten Beschimpfungen aus dem Dienst gemobbt und starb schließlich einsam in einer Wiener Irrenanstalt. Freundlicherweise hat man nun seiner zum 200. Geburtstag im AKH gedacht und ihm eine Büste errichtet. Aber damit hat es sich wieder. Zurück an die Arbeit, es gibt hier nichts zu ändern.

Da ich weiß, was ich weiß, hat heutzutage alles – wieder einmal – mit dem schnöden Mammon und den Machtverhältnissen zu tun. Viele dieser klugen Leute im weißen Kittel wollen hofiert, bewundert und beklatscht werden – sprich: Karriere machen, weshalb sie sich an jene wenden, die dies – dank politischem Einfluss und reichlichem Geldsegen – ermöglichen können: multinationale Konzerne, Stiftungseinrichtungen und staatliche Forschungsprogramme. Wir Bürger sind bei alledem nur Mittel zum Zweck, nicht mehr.

Es sieht danach aus, dass die westliche Ernährung für viele Krankheiten – von Arthritis über Krebs zu Autoimmunkrankheiten bis hin zu Diabetes und Demenz – verantwortlich gemacht werden muss. Im Prinzip wissen wir das, deuten mal da hin, mal dort hin, hören uns die gut gemeinten Ratschläge bezüglich der „richtigen Ernährung“ an, probieren das eine oder andere aus, aber glücklich werden wir mit alledem nicht. Weil es uns so schwer fällt, die Balance zu finden und eine Entscheidung zu treffen. Es gilt beim Einkauf die Faktoren Kosten, Verfügbarkeit, Zubereitung/Zeitaufwand, Verlangen (Gusto), Gesundheit und Umwelt abzuwägen – eine Aufgabe, an der die meisten Menschen in der heutigen Zeit scheitern müssen. Weshalb viele diese Entscheidungsfindung gar nicht erst machen und es der Werbung oder ihrem Bauch überlassen, für sie zu wählen. Aber das heißt freilich noch lange nicht, dass jene Minderheit, die kalkuliert und bewusst wählt, am gesünderen Ast sitzt. Weit gefehlt. Deshalb ist es mir wichtig, über „gesunde“ Ernährung zu sprechen, darüber zu schreiben, weil sie vielleicht – langfristig gesehen – genauso krank macht.

Früher oder später werden wir uns die Frage stellen, ob wir leben, um zu essen oder ob wir essen, um zu leben. Die Antwort darauf fällt uns allen sehr schwer, aber spätestens, wenn Körper und Geist all den Belastungen der Umwelt und den Auszehrungen einer Fehlernährung nicht mehr (er)tragen können und sich eine Krankheit unangenehm in unseren gewohnten Alltag einstellt, müssen wir der Realität ins Auge sehen.

In dieser Serie möchte ich Ihnen alternative Sichtweisen gegenüber der heutigen Ernährungssituation ins Bewusstsein bringen und damit zur Diskussion stellen. Ich werde dabei eine Reihe von Ernährungsmythen auf den Zahn fühlen und nach getaner Arbeit sollten Sie bemerken, dass der Kaiser keine Kleider trägt und vor allem die Industrie für diese Lügengespinste verantwortlich zu machen ist.

Apropos Zahn. Würden Sie es für möglich halten, dass über siebzig- und achtzigjährige alte Menschen noch alle ihre natürlichen Zähne im Mund haben, obwohl die Alten noch nie einen Zahnarzt oder eine Zahnpasta von Weitem sahen? Ein amerikanischer Zahnarzt, der sich auf eine beschwerliche Reise machte, wird uns davon erzählen.

Bitte schnallen Sie sich an, es wird ein turbulenter Gedankenflug.

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2 Kommentare zu „Mythen der Ernährung (1): Leben um zu essen oder Essen um zu leben“

  1. Hi Richard, gratuliere zu Deinen einleitenden Worten, kann ich Dir nur voll zustimmen! Wie Du wahrscheinlich weisst, ernähren sich Marta und ich seit rd. 4 Jahren vegan. Bin schon gespannt, was Du darüber schreiben wirst…😉 Übrigens, ich arbeite mich gerade durch die China Study von T. Colin Campbell. LG, Christian

    1. Nope. Das wusste ich nicht, Christian 🙂

      Beim nächsten Beitrag werde ich freilich einen „Disclaimer“ anbringen, dass ich nämlich nicht die Absicht habe, den Leser zu einer bestimmten Ernährung zu „überreden“. Jeder so, wie er möchte und wie es ihm gut tut. Aber ein paar kritische Gedanken und Hinweise zu der einen oder anderen Diät schaden nicht.

      Gut möglich, dass dir die nachfolgenden Beiträge auf den Magen schlagen, aber wie gesagt, ich stelle meine Nachforschungen zur Diskussion.

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