Mythen der Ernährung (7): Die erkrankte Gesellschaft

Was bisher geschah // Ich saß in einer Bäckerei, irgendwo im Süden Niederösterreichs, und wartete auf M. Während ich in mein Tagebuch schrieb und immer wieder einen Schluck vom Kaffee nahm, kam ein Gedanke zum anderen und ohne dass ich danach gesucht hätte, fielen die Puzzlestücke wie von selbst richtig und setzten sich, wenn man so will, wie von Geisterhand zusammen. Ja, diese Gedankenwelt ist oftmals nicht zu begreifen, aber was tut’s zur Sache. Es ist wie es ist und das ist gut so.

Die längste Zeit verstrickte ich mich in politisch-gesellschaftliche Überlegungen. Gegenüber einer längst vergangenen Zeit – noch gar nicht so lange her – schien es, als gäbe es heutzutage Sand im gesellschaftlichen Getriebe. Wir, die zivilisiertesten aller zivilisierten Menschen, Männer wie Frauen, fühlen dieses Stottern, dieses unrunde Laufen eines sonst gut geölten Motors. Es ist, wie gesagt, nur ein vages Gefühl, welches aber von den eigenen Beobachtungen immer wieder bestätigt wird. Etwas läuft falsch, gewiss, aber wo ist der Ansatzpunkt, wo können wir den Hebel ansetzen, um das Boot, das aus dem Ruder gelaufen ist, wieder auf Kurs zu bringen?

Meine Ernährungsumstellung, die ich vor Wochen begonnen hatte, ließ mich in die Welt der natürlichen sowie der industriell hergestellten Nahrungs- und Lebensmittel eintauchen. An diesem angenehmen Herbstvormittag, in dieser Bäckerei, fiel nun der sogenannte Groschen und ich glaubte (und glaube noch immer) zu wissen, woran unsere Gesellschaft krankt.

Der springende Punkt dabei ist, dass die Basis, das Fundament unseres Daseins die Ernährung ist. Ohne Muttermilch gäbe es für das Neugeborene keine Möglichkeit zu leben. Mit der ersten Nahrung nehmen wir Menschen nicht nur reichlich Nährstoffe auf, sondern auch die Essenz des Lebens. Gewiss, das klingt in unseren längst abgestumpften Ohren maßlos übertrieben – und doch ist diese Essenz von besonderer Bedeutung.

Die für uns lebensnotwendige Nahrung, die wir als gesund bezeichnen, ist demzufolge positiv, bejahend und von langfristiger Dauer.

Ungesund muss demnach sein, was negativ, verneinend und von kurzfristiger Dauer ist.

Hier nun die Gegenüberstellung zwischen der bejahenden und der verneinenden Ernährung – und wie wir sehen können, folgt das Gute bzw. das Schlechte wie von selbst:

 

Lebensenergie <> Brennwert
Qualität/Leben (Qi)  <>  Quantität/Vegetieren (Kalorie)

Bescheidenheit <> Begierde
Fasten/Reinigung  <>  Völlerei/Verschmutzung

Spiritualität <> Individualität
Liebe/Wir/Geben  <>  Egoismus/Ich/Nehmen

Glück/Serotonin <> Lust/Dopamin
Zufriedenheit/Gestaltung  <>  Lustbefriedigung/Abhängigkeit

Fülle <> Mangel
kraftvoll/wehrhaft/lebendig <>  schwächlich/wehrlos/krank

 

Man braucht nicht lange, um zu erkennen, dass unsere Gesellschaft in der rechten Spalte zu finden ist, während die linke jene Punkte anspricht, die viele gerne erreichen würden wollen – dabei aber außer Acht lassen, dass die Erreichbarkeit in erster Linie von einer lebensbejahenden Ernährung abhängig ist. Egal wie Sie die obigen Punkte auch herumwerfen und neu ordnen möchten – am Ende werden Sie immer zum Ausgangspunkt zurückkehren, nämlich zur Ernährung.

Ist in der Nahrung Lebensenergie, fühlt man sich am Leben und kann aktiv die eigene Welt gestalten und formen. Man steht sozusagen mit beiden Beinen am Boden und ist gleichzeitig auch Teil dieses Bodens.

Ist Nahrung hingegen nur Brennwert, funktioniert zwar der Organismus, aber das Leben wird – beinahe wie ein Zuschauer – nur passiv wahrgenommen. Die Folgen sind Überforderung und Lustlosigkeit sowie chronische Krankheiten, die Körper und Geist befallen.

Was sind nun bejahende Nahrungsmittel?

Ich fürchte, die Antwort wird manch einem nicht gefallen, aber die Menschheitsgeschichte – im Gegensatz zur orwellschen Politpropaganda – hat uns noch selten angelogen. Ansonsten würde ich diese Zeilen nicht denken, nicht schreiben – und Sie würden diese Zeilen nicht lesen, weil es uns Menschen schon längst nicht mehr gäbe.

Dr. Weston A. Price schreibt am Ende seines Buches Nutrition and Physical Degeneration (1939):

»Während ich mich unter den Männern und Frauen der primitiven Völker in vielen Teilen der Erde aufhielt, war ich tief beeindruckt von deren feinen Persönlichkeiten und starken Charakteren. War ich unter ihnen hatte ich niemals auch nur die leiseste Angst; immer war das in ihnen gesetzte Vertrauen gerechtfertigt. So bald sie erkannten, dass ich sie in ihrem eigenen Interesse aufsuchte, legten sie eine bemerkenswerte Freundlichkeit und Hingabe an den Tag. Im Grunde sind sie spirituell und haben eine tiefgläubige Ehrfurcht vor einer wirkmächtigen und alles durchdringenden Macht, die sie nicht nur beschützt und für sie sorgt, sondern die sie als Teil eines größeren Ganzen akzeptiert, so lange sie die Gesetze der Natur befolgen. Ernest Thompson Seton erklärte auf eine wunderschöne Weise den Geist der (amerikanischen) Indianer im ersten Absatz seines kleinen BuchesThe Gospel of the Red Man‘:

›Die Kultur des weißen Mannes ist im Wesentlichen materiell; sein Maß für Erfolg ist: ‚Wie viel Ackerland habe ich heute für mich erworben?‘ – Die Kultur des roten Mannes ist im Wesentlichen spirituell; sein Maß für Erfolg ist: ‚Wie viele Dienste habe ich heute meinem Stamm/Volk erwiesen?‘ Die Gesellschaft des weißen Mannes ist zum Scheitern verurteilt; wir sehen, wie [die Gesellschaft] um uns zerfällt. Sie ist an jeder entscheidenden Bewährungsprobe gescheitert. Keiner, der die Dinge an den Ergebnissen misst, kann diese fundamentale Aussage in Frage stellen.‹«

 

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