Mythen der Ernährung (8): ein persönliches Resümee

Was bisher geschah // Ich komme gerade von Wiens traditionsreichstem Markt, dem Naschmarkt. Jeden Samstag schlagen dort Bauern ihre „Zelte“ respektive Verkaufsstände auf und bieten Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Brot, Rohmilch, Käse, Eier und dergleichen an. Während mich früher Märkte völlig überfordert haben, ist es jetzt freilich anders. Weil ich weiß, was ich will, weil ich weiß, was ich nicht will.

Meine Ernährung, die ich vor genau 60 Tagen umgestellt habe, ist eine von mir locker gefasste Low Carb High Fat Ernährung. Mit Teststreifen messe ich am Morgen meine Ketone im Urin. Das ist zwar nicht sonderlich genau, reicht aber für Anhaltspunkte. Falls Sie mich jetzt fragen, was ich denn da so zu mir nehmen, nun, das Foto des heutigen Einkaufs sollte die Antwort geben. Aber wichtiger, viel wichtiger, ist nicht, was man zu sich nimmt, sondern was man nicht zu sich nimmt!

Vor meiner Umstellung war ich ein Weißmehl-Junkie. Kein Tag, an dem ich nicht eine der unzähligen Filialbäckereien aufgesucht habe, an dem ich nicht ein Semmerl oder Weckerl oder Toastbrot gegessen habe. Immer mit Butter. Oftmals mit Marmelade oder Honig. Eine süße Jause war ein beständiger Punkt in meinem Tagesablauf. Am Vormittag. Am Nachmittag. Immer zum schwarzen Kaffee. Wenigstens, sagte ich mir, konnte ich auf (Tafel)Zucker verzichten und achtete auch penibel darauf, Lebensmittel zu kaufen, denen kein Zucker zugesetzt war. Softdrinks mied ich. Fruchtsäfte nur hin und wieder. Mineralwasser mit Kohlensäure – damals wie heute – trinke ich phasenweise und dann reichlich. Alkoholische Getränke so gut wie nie. Kartoffelchips waren meine Leidenschaft und ich gönnte sie mir zumeist dann, um kalte Tage zu wärmen oder mich zu belohnen. Ich aß wenig (mageres) Fleisch, dafür mehr von den üblichen Beilagen, wie Reis, Nudeln, Knödeln, Gemüse. Auf Milch – pasteurisiert und homogenisiert – verzichtete ich gänzlich, da ich sie nicht gut vertrug. Käse (pasteurisierte Kuhmilch, aber auch Schaf- und Ziegenmilch) hin und wieder. Fisch gab es beim Japaner (Bento). Sardinen kamen öfters auf den Tisch, (geräucherter) Lachs seltener. Magerer Schinken dann und wann. Eier immer wieder mal.

Was hat sich nun verändert?

In den letzten 60 Tagen konnte ich auf Weißmehlprodukte gänzlich verzichten. Wenn ich jetzt bei einer der Filialbäckereien vorbeischlendere, muss ich zufrieden lächeln, weil ich keinerlei Verlangen mehr habe, eine dieser mit Heißluft aufgeblasenen Fertigteigwaren zu konsumieren. Die süße Jause ist passé – ohne dass ich mich zum Verzicht zwingen hätte müssen. Ich trinke Kaffee nun mit Obers oder Schlagobers, wenn vorhanden, oder einem Stück Butter bzw. einem Schuss Rohmilch. Ich esse generell, wann ich will und was ich will – so lange sich die Kohlehydrate in Grenzen halten. Auf Vollkornbrot will ich derweil freilich nicht verzichten. Tierisches Fett – Speck, Schmalz, Butter, usw. – ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Mahlzeit und führt dazu, dass ich für viele Stunden satt bin. Oftmals reicht das Sättigungsgefühl so lange an, dass ich nach dem Mittagessen erst wieder am nächsten Tag eine Mahlzeit zu mir nehmen will. Freilich, eine warme Rohmilch mit einem Stück (Rohmilch)butter und ein bisschen eingestreutem Kakao am Nachmittag oder am Abend mit – ich gesteh’s – einem Teelöffel Honig ist ein himmlisches Getränk – und kann auch ein Abendessen ersetzen. Wichtig bei alledem ist der Umstand, dass ich auf meinen Körper höre. Bin ich hungrig, esse ich – und zwar so lange, so lange bis mein Körper Stopp sagt. Bin ich satt bzw. verspüre ich keinen Hunger, esse ich nichts. Es ist jetzt 12 Uhr und ich habe zum Frühstück nur Kaffee mit Schlagobers zu mir genommen, dann die Naschmarkttour gemacht und mit dem vollen Rucksack durch die Gassen und den Augarten zu mir nach Hause marschiert, wo ich diesen Blogbeitrag in Angriff nahm. Noch verspüre ich keinen Hunger, obwohl alles für die nächste leckere Mahlzeit bereit liegt.

Vor meiner Umstellung musste ich immer wieder etwas zu mir nehmen, da mich mehrmals am Tag das Hungergefühl heimsuchte. Ein Frühstück auszulassen war mir unmöglich, da ich sonst energielos in den Tag gegangen wäre. Die Frage nach der nächsten Mahlzeit spukte immer wieder im Kopf herum. Dadurch, dass ich orientierungslos herumirrte, im Dschungel der Ernährungssachlage, war ich oftmals überfordert und demotiviert. „Na gut, schmeckt mir zwar nicht, aber es soll gesund sein“, hörte ich mich dann und wann seufzen. Heute ist es – gottlob – anders. Ich weiß, was mein Körper will, ich gebe es ihm und er ist happy. Simple as that.

Wenn ich eines bedaure, dann ist es, dass mir erst mit 50 Jahren das Licht aufgegangen ist. Aber besser spät als nie, nicht wahr? Desweiteren ärgere ich mich darüber, dass ich anfänglich in meiner Euphorie (längst verklungen) wie ein Wanderprediger die „schwarzen Schafe“ auf den richtigen Weg führen wollte. Das ist einerseits verlorene Liebesmüh, andererseits braucht es keine Worte, wenn die Taten für sich sprechen. In Gesprächen und Diskussionen werden zumeist nur die Fronten erhärtet. Der eine meint dies, der andere meint das. Studien und Untersuchungen werden oftmals aus den Ärmeln geschüttelt – je nach dem, welche Ernährungsumstellung bestätigt oder verworfen werden soll. Am Ende raucht allen Beteiligten der Schädel und nichts ist gewonnen. Deshalb werde ich nicht mehr predigen, welche Ernährung der Menschheit geholfen hat, sich von Anbeginn der Zeit zu entwickeln, sondern einfach nur einwerfen, was ich esse, was mir gut tut, auf was ich verzichte und warum ich darauf verzichte. Ich habe in relativ kurzer Zeit ein paar Kilos abgenommen und (endlich) das mich so störende kleine Bäuchlein samt den Fettpölsterchen rund um die Hüften verloren. Ohne, dass ich Verzicht geübt hätte oder hungrig zu Bett gegangen wäre. Im Gegenteil. Und meine Verdauung läuft wie geschmiert.

Hach, es ist wahrlich herrlich, dieses Gefühl, zu wissen, dass der Kühlschrank gefüllt ist, mit den nahrhaftesten Lebensmitteln und ich aus dem Vollen schöpfen kann. Ja, das Paradies ist tatsächlich dort, wo Honig und (Roh)Milch fließen und einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen.

Amen.

 

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