BBC TV-Serie ‚Bodyguard‘ – gut gemachter Nonsens

Die 6-teilige TV-Serie Bodyguard der BBC zeigt wieder einmal, wie der gewöhnliche Bürger an der Nase geführt und für Dumm verkauft wird. Spannende Unterhaltung auf der einen Seite, Mainstream-Propaganda – mit political correctness gemixt – auf der anderen. Die sattsam bekannte War-on-Terror-Panikmache dient(e) als Grundelement der fiktiven Filmrealität. Die wesentlichen Fragen – wohl viel zu heiß für ein staatliches Medienkonglomerat – werden nur kurz und beiläufig angeschnitten und gleich wieder vergessen.

So hören wir in der TV-Serie, dass Politiker keine Skrupel haben, Kriege anzuzetteln und gewöhnliche Bürger am Schlachtfeld zu opfern bzw. sie traumatischen Erlebnissen auszuliefern. Schlag nach bei Tony Blair. Die fiktive Innenministerin stimmte im Parlament folgerichtig für militärische Interventionen in Afghanistan und Irak, sehr zum Missfallen ihres neuen Bodyguards, der bei einem Militäreinsatz in Afghanistan verwundet wurde und seit diesen Tagen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer zerrütteten Familiensituation leben muss.

Des Weiteren tritt die fiktive Innenministerin für eine Verschärfung der Überwachung ein – im Kampf gegen den allgegenwärtigen Terrorismus. „Wer nichts zu verbergen hat, muss auch nichts befürchten“, gibt sie großspurig von sich. Ach ja. Diese Phrase kennen wir längst aus den Mündern echter Politiker, die von Orwells literarischer Warnung keine Ahnung haben oder diese schlichtweg ignorieren.

Am Ende der Miniserie werden die „Fäden“ zusammengeführt – auf eine Weise, die darauf hindeutet, dass die Autoren von der BBC angehalten wurden, ja nicht die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Und so werden Terroranschläge in westlichen Ländern weiterhin von muslimischen Dschihadisten durchgeführt – ohne jeglicher Unterstützung westlicher Geheimdienste -, während unliebsame Politiker vom organisierten Verbrechen, das wiederum den einen oder anderen hochrangigen Polizeibeamten in der Tasche hat, ausgeknipst. Der Geheimdienst ist bei alledem nur unbeteiligter Zuschauer. Zwar sammelt er Schmutzwäsche gegenüber regierenden Politikern, aber sonst ist er brav und tut alles, um die „nationale Sicherheit“ zu gewährleisten. Ende gut alles gut, nicht?

Hätten wir es mit einer ernstzunehmenden TV-Serie zu tun, würden wir folgendes sehen:

Die Innenministerin, die gegen Kriegseinsätze und einer Verschärfung der Überwachung ist, findet heraus, dass hochrangige Mitglieder des Establishments alle Hebel in Bewegung setzen, um militärische Interventionen im Ausland notwendig erscheinen zu lassen. Dabei kommt den Medien – allen voran die BBC – eine bedeutende Rolle zu, um die Bevölkerung auf Kurs zu bringen. Der Geheimdienst zieht bei alledem die Fäden: Er inszeniert Terroranschläge, schreibt Pressemeldungen, kontrolliert das organisierte Verbrechen, erpresst Politiker und schaltet jene aus, die sich nicht umstimmen lassen – entweder mit einem Skandal oder mit einem Unfall. Happy End gibt es dabei freilich keines. Die Innenministerin wird in einen hässlichen Skandal verwickelt und kurze Zeit später ermordet. Als „Täter“ wird ihr loyaler und viele Fragen stellende Bodyguard ausgemacht, der sich daraufhin das Leben nimmt – nicht freiwillig, versteht sich. Und so bleibt alles wie gehabt: der neue Innenminister ist ein Hardliner, der für Kriegseinsätze und strengere Überwachung stimmt und sich für eine Kommission stark macht, die den Tod der Ministerin „untersuchen“ soll; die Presse beklatscht die politische Wende für militärische Interventionen und mehr nationale Sicherheit, weshalb der größte Teil der Bevölkerung ihre Zustimmung für weitere persönliche Einschränkungen gibt sowie bereit ist, Polizei und Geheimdienst weitreichendere Befugnisse zu gewähren. Kritik gegenüber dieser politisch-medialen Vorgehensweise wird nun zu einem Verbrechen erklärt, Protest als Gefährdung der nationalen Sicherheit verboten.

Bevor Sie sich also dem Nonsens von Bodyguard aussetzen, empfehle ich Ihnen, George Orwells 1984 (erneut) zu lesen. Nicht umsonst hat Orwell seine beruflichen Erfahrungen, die er während des Krieges in der BBC gemacht hat, in seinem bemerkenswerten Roman einfließen lassen.

»Und wenn alle anderen die Lüge, die die Partei verbreitete, akzeptierten – wenn alle Aufzeichnungen das Gleiche erzählten – dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.«

 

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