Der Beginn der Märchenstunde in den USA 2020 oder Malcolm X hat uns etwas zu sagen

Sollten wir später einmal auf den Frühling des Jahres 2020 zurückblicken und über die Ereignisse offen und ehrlich befinden dürfen (bei der derzeitigen Zensur-Wut zweifelhaft), sollten wir immer im Hinterkopf behalten, dass jedes Märchen – genauso wie jede überlieferte Historie – einen wahren Kern hat. Die Frage ist nur, ob man sich getraut, zu diesem Kern vorzudringen.

Sehen Sie, eigentlich hätte ich ja gerne den Titel dieses Blogbeitrags brisanter formuliert, aber dann beschlich mich das Gefühl, dass ich mit der Bezugnahme auf ein vergangenes Ereignis die Sittenwächter auf den Plan rufen würde.

Die Geschichte beginnt damit, dass ein friedlicher Demonstrant in New York live im TV interviewt wurde und er folgendes zu sagen hatte – und falls Sie jetzt keine Zeit haben, den englischen Text zu übersetzen, hier die Zusammenfassung: „Entweder wir bekommen, was wir fordern – oder wir brennen das Diamanten-Viertel nieder.“ [Stellt sich später heraus, dass es sich bei dem Demonstrant um Israel B. handelt, ein „Künstler“, der sich nur „künsterlische Freiheiten“ herausgenommen hatte um auf Missstände hinzuweisen. Sagt sein Anwalt.]

You know I’m a leader of this ‘FTP’ movement. It means a lot of things. It can mean free the people, it can mean for the people, it can also mean fire to property. You know that’s very possible. We hope (Mayor) De Blasio and (Gouvernor) Cuomo come out and talk to us and give the youth some direction. But if they don’t the next stop is the Diamond District. And gasoline, thanks to Trump, is awfully cheap. So we’re giving them a chance right now to do the right thing.

Jetzt muss man wissen, dass das Diamanten-Viertel (Diamond District) ein jüdisches Wohn- und Geschäftsviertel in New York ist. Können Sie sich vorstellen, wie es für Außenstehende aussähe, würden die sogenannten friedlichen Demonstranten schwarzer Hautfarbe mit Unterstützung junger und engagierter white liberals jüdische Geschäfte plündern und jüdische Wohnhäuser anzünden?

Die Fotos und Videoclips, die diese Zerstörungswut schonungslos aufzeigen, würden um die Welt und nach Israel gehen (wo US Polizisten vom israelischen Militär trainiert werden) und hätten geopolitische Auswirkungen. Bedenken Sie, dass proisraelische Lobby-Gruppen (u.a. AIPAC) mit finanziellen Zuwendungen an US-Parteien und deren Spitzenkandidaten sehr freizügig sind. Freilich, wer zahlt, möchte auch (in gewisser Weise) politischen Einfluss ausüben. In den Worten von Donald Trump, der vor seiner Wahl eine Rede vor der Republican Jewish Coalition hielt, hört sich das so an:

„Stupidly, you want to give money. …You’re not going to support me because I don’t want your money.“

Würde es also zu Ausschreitungen im Diamanten-Viertel kommen, müssten Politiker sowie Aktivisten und politische NGOs – beispielsweise Antifa oder ADL – Stellung gegenüber Black Lives Matter beziehen – und dann hätten wir die faszinierende Konstellation, dass sich white liberals in die Haare geraten.

Für die gegenwärtige Protestbewegung rund um BLM wäre es jedenfalls ein PR-Disaster. Es gäbe großen Erklärungsbedarf. Zum einen, warum diese Demonstranten und Aktivisten keine Ahnung von Geschichte haben und zum anderen, ob es sich hierbei nicht sogar um einen latenten Antisemitismus bei schwarzen US-Bürgern handelt. Sollten Sie sich für dieses vielschichtige Thema interessieren, empfehle ich den gut gemachten Dokumentarfilm Defamation. Der isrealische Filmemacher Yoav Shamir geht in dieser Doku der Frage nach, was es mit den vielen Anti-Semitismus-Vorwürfen in den USA auf sich hat. An einer Stelle interviewt er in New York ein Gruppe junger Schwarzafrikaner, die sich konspirativ-kritische Gedanken über die Welt machen und dabei aus einem über 100 Jahre alten Pamphlet zitieren, das hierzulande am Index steht. Ich frage mich, wie diese Jungs an diesen Texte gekommen sind – und vor allem, warum sie sich ausgerechnet mit diesem Thema auseinandergesetzt hatten. Vielleicht hat es mit Malcolm X (1925-1965) zu tun, dem (Wiki:) Menschenrechtsaktivist, der in den frühen 1960er Jahren für die Gleichberechtigung seiner Brüder in den USA eintrat. Dass er später einem Attentat zum Opfer fiel, das – genauso wie all die anderen politischen Morde in jener Epoche – mehr Fragen als Antworten aufwirft, macht die ganze Sache noch brisanter.

Wer sich mit dem Phänomen Malcolm X näher beschäftigt, stößt im Internetarchiv auf Reden und Vorträge, die heutzutage, in Zeiten der political correctness, in den üblichen Social Media Kanälen mit Sicherheit gelöscht werden würden. Wikipedia und der Mainstream tun freilich so, als hätte es diese – im heutigen PC-Sinne – Hassreden (hate speech) niemals gegeben. Aber Fakten verschwinden nicht, nur weil man sie ignoriert, meinte ja schon der gute Huxley.

In einem Interview mit der Universität von Berkley (heutzutage würde eine Universität solch eine kontroversielle Person nicht mehr zu Wort kommen lassen; die Meinungsfreiheit ist durch safe spaces de facto ersetzt und damit abgeschafft worden) erklärt Malcolm X im Jahre 1963 die Gründe, warum die schwarzafrikanische Gemeinschaft in den USA einfach nicht von der Stelle kommt und zu gewalttätigen Mitteln greifen muss, um politische Änderungen herbeiführen zu können. Ist es nicht seltsam, dass sich in den vergangenen 57 Jahren nichts Wesentliches an den Forderungen und Zuständen geändert hat?

Auf den springenden Punkt gebracht, ist es nicht der sogenannte systemische Rassismus auf der Straße, der die Probleme macht (auch wenn es die Medien so darstellen wollen). Vielmehr sind es white liberals, die sich als Mitstreiter und Freunde der Schwarzen ausgeben und diese für ihre Zwecke als politisches Instrument missbrauchen. Gegenwärtig können wir das nur zu gut beobachten. Gucken Sie einmal, wer aller die Bewegung Black Lives Matter finanziell unterstützt: White liberals in Wirtschaft und Politik.

Siehe hierzu den Vortrag von Prof. Jerry KrothBlaxploitation, racial stereotypes, and their lasting impact on the American psyche, sowie den Vortrag Propaganda and Manipulation: How mass media engineers and distorts our perception. Darin zeigt Prof Kroth, wie Hollywood-Filme, Songs und TV-Serien – allesamt von white liberals produziert – das Stereotyp des (für den Weißen) gefährlichen Schwarzen nährt(e). Während also beispielsweise Vom Winde verweht aus dem Streaming-Dienst von Warner Bros. HBO Max-Programm genommen wurde, weil Buch und Film die Zeit der Sklaverei zu „rosig“ zeichnen und es deshalb kontexterklärende Moderation braucht, zeigt die History Channel Dokumentation Grant in nachgestellten Szenen des Sezessionskrieges, wie schwarze Unions-Soldaten weiße Soldaten der Konföderation in Zeitlupe abschlachten oder ertränken – obwohl der Abwehrkampf, wie wir später aus dem Off hören, mit hohen Verlusten auf Seiten der Union bezahlt worden ist, sah man ein höchst einseitig verzerrtes Bild der Schlacht. Wie mag diese Einseitigkeit auf unbedarfte junge Zuseher – weiß wie schwarz – wirken?

Übrigens, falls Sie sich fragen, was es mit der Forderung von BLM und einigen demokratischen Politikern auf sich hat, die Budgets von städtischen Polizeidienststellen zu kürzen (defund the police) bzw. die Polizei sogar überhaupt „abzuschaffen“, dann könnte eine mögliche Erklärung sein, dass die Demokraten versuchen, vor der Präsidentschaftswahl im November die von Republikanern dominierte Polizei durch „ihre Leute“ zu ersetzen. FOX-News Talkshow-Moderator Tucker Carlson erklärt in seiner gewohnt spitzzüngigen Art, was es mit dieser Theorie auf sich hat.

Falls Ihnen all das viel zu (spiel)theoretisch ist, gucken Sie sich einfach mal den „Weihnachts“-Film It’s a wonderful life an. Ich habe vor bald vier Jahren über den Inhalt lang und breit reflektiert, einen Blog verfasst, und dabei festgestellt, dass es zwei gesellschaftliche Wege zu geben scheint – beide werden im Film dargestellt. Der eine Weg, den wir seit der Etablierung der modernen Finanzsysteme um 1900 beschreiten, ist der neoliberale Kapitalismus des Kaufmanns, der weder Herz noch Gnade kennt, die Schwächen und Sehnsüchte der Menschen für Profit auszunutzen versteht, der das Wohl des Einzelnen über die Gemeinschaft stellt und der auf den Zinseszins setzt, der mathematisch bedingt in die Schuldknechtschaft führen muss. Der andere Weg ist der christlich-humane Kapitalismus des Handwerkers, der Gerechtigkeit und Fairness betont, der das Wohl der Gemeinschaft über die Gier des Einzelnen stellt und Lug und Betrug als Geschäftsmodell ablehnt.

Wer weiß, vielleicht ist es gerade jener Menschenschlag, der sich dieser gnadenlosen neoliberalen Ausbeutung in der Post-Moderne mit Gewalt widersetzt, der noch die Sklaverei seiner Vorfahren im Blut spürt. Weil, mag es überhaupt einen Unterschied zwischen Schuldknechtschaft und Sklaverei geben?

Malcolm X
Interview 1963
meine Übersetzung

Die breite Masse der Schwarzen haben alle Zuversicht in die falschen Versprechungen der heuchlerischen weißen Politiker verloren. Die breite Masse der Schwarzen hat endgültig genug von den Betrügereien der sogenannten white liberals, oder der white sogenannten liberals. White liberals, die sich als unsere Freunde ausgegeben haben, white liberals, die fleißig bemüht waren, darauf hinzuweisen, was der Weiße im Süden (der USA) mit unseren Leuten macht, während sie selbst das gleiche mit uns hier im Norden machen. Sie haben ein großes Getöse über den Süden gemacht, nur um uns davon abzulenken, was hier im Norden geschieht.

Wir können ohne Probleme erkennen, dass der weiße Fuchs hier im Norden grausamer und bösartiger ist als der weiße Wolf im Süden. Die Wölfe des Südens lassen dich immer wissen, wo du zu stehen hast. Aber diese Füchse des Nordens geben sich als white liberals aus. Sie geben sich als dein Freund aus, als dein Wohltäter, als dein Arbeitgeber, als dein Vermieter, als dein Laden um die Ecke, als dein Anwalt. Sie benützen Integration zur Infiltrierung. Sie infiltrieren alle deine Organisationen, und auf diese Weise, in dem sie beitreten, ersticken sie deine kämpferische Anstrengung für wahre Freiheit.

Unsere Leute in der schwarzen Gemeinde sind gefangen in einem bösartigen Kreislauf aus Unwissenheit, Armut, Krankheit, Schwäche und Tod. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Keine Fluchtmöglichkeit. Die reiche, gebildete schwarze Bourgeoisie, diese hochnäsigen Schwarzen, die dem entfliehen, reichen niemals eine Hand und ziehen die anderen heraus. [Anmerkung: eine Ausnahme mag vielleicht Bill Cosby gewesen sein, der mit seiner positiven TV-Serie Bill Cosby Show (1984-1992) dafür sorgte, dass immer mehr junge Schwarze Schulen und Universitäten besuchten – siehe Huxtable-Effekt – und der sich 1992 anmaßte, den TV-Sender NBC kaufen zu wollen; fünf Jahre später wurde sein Sohn erschossen und zwanzig Jahre später seine Reputation zerstört; Michael Jackson schlägt in eine ähnliche Kerbe, man höre den Song: They don’t really care about us! an einer Stelle wurde ihm freilich vorgeworfen, antisemitic slurs verwendet zu haben, weshalb der Originaltext geändert werden musste] Die breite Masse der Schwarzen bleibt in den Slums gefangen.

Viele von uns wenden sich der Kriminalität zu, dem Diebstahl, dem Glücksspiel, der Prostitution. Und manche von uns werden von den weißen Oberherrn im Zentrum der Stadt dazu benutzt, Rauschgift unter unser Volk zu bringen. Arbeitslosigkeit [Wirtschaftskrise dank überzogener Covid-19-Maßnahmen] und Armut haben viele unserer Leute in die Kriminalität gezwungen. Aber der wahre Verbrecher sitzt im städtischen Rathaus, im Parlamentsgebäude, im Weißen Haus. Der wahre Verbrecher ist der white liberal, der politische Heuchler. Und es sind diese dem Gesetz folgenden Gauner, die sich als unsere Freunde ausgeben, die uns in ein kriminelles Dasein zwingen und uns dann dazu bringen, das bösartige Laster des weißen Mannes in unserer Gemeinschaft unter unseren Leuten zu verteilen.

Anmerkung: Wer glaubt, es sei übertrieben, würde man behaupten, die weißen Oberherren würden Rauschgift (in den schwarzen Vierteln) verteilen, der sollte sich mit den Arbeiten von Journalist Gerry Webb auseinandersetzen, der herausfand, dass die CIA Drogen in die USA/Los Angeles schmuggelte; natürlich waren es vom CIA angeleitete Mainstream-Medien, die die Story und den Autor lächerlich machten; in Zusammenhang muss man dabei die Iran/Contra-Affaire erwähnen, die bis in die höchsten politischen Ämter reichte und aufzeigte, dass die US-Behörden mit („ihren“) Terroristen in Nicaragua Drogengeschäfte und Waffendeals machten. Hätten wir ernsthaften Journalismus gehabt – damals wie heute -, hätte man diesen Skandal bis ins kleinste Detail aufrollen und die politisch-behördlichen Konsequenzen ziehen müssen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

Originaltext:

We see masses of Black people who have lost all confidence in the false promises of the hypocritical white politicians. We see masses of Black people who are thoroughly fed up with the deceit of the so-called white liberals, or the white so-called liberals. White liberals who have posed as our friends, white liberals who have been eager to point out what the white man in the South is doing to our people there, while they themselves are doing the same thing to us here in the North. They have been making a great fuss over the South only to blind us to what is happening here in the North.

we can easily see that this white fox here in the North is even more cruel and more vicious than the white wolf in the South. The southern wolves always let you know where you stand. But these northern foxes pose as white liberals. They pose as your friend, as your benefactor, as your employer, as your landlord, as your neighborhood merchant, as your lawyer. They use integration for infiltration. They infiltrate all your organizations, and in this manner, by joining you, they strangle your militant efforts toward true freedom.

Our people in the Negro community are trapped in a vicious cycle of ignorance, poverty, disease, sickness, and death. There seems to be no way out. No way of escape. The wealthy, educated Black bourgeoisie, those uppity Negroes who do escape, never reach back and pull the rest of our people out with them. The Black masses remain trapped in the slums.

And because there seems to be no hope or no other escape, we turn to wine, we turn to whiskey, and we turn to reefers, marijuana, and even to the dreadful needle—heroin, morphine, cocaine, opium—seeking an escape.

Many of us turn to crime, stealing, gambling, prostitution. And some of us are used by the white overlords downtown to push dope in the Negro community among our own people. Unemployment and poverty have forced many of our people into a life of crime. But the real criminal is in the City Hall downtown, in the State House, and in the White House in Washington, D.C. The real criminal is the white liberal, the political hypocrite. And it is these legal crooks who pose as our friends, force us into a life of crime, and then use us to spread the white man’s evil vices in our community among our own people.

2 Kommentare zu „Der Beginn der Märchenstunde in den USA 2020 oder Malcolm X hat uns etwas zu sagen“

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