Das böse Erwachen der gütigen Gemeinschaft: Minneapolis, Stuttgart und Dijon, 2020

Jedes Pendel muss unweigerlich zu einem Punkt kommen, wo es nicht mehr vor, sondern zurück geht. Das Jahr 2020 dürfte solch ein Endpunkt sein. Der mediale Eiertanz, der seit vielen Jahren und Jahrzehnten die gewöhnlichen Bürger desinformiert, sie nach Strich und Faden manipuliert, aus der Befürchtung heraus, die Mehrheit würde einen „starken Führer“ herbeiwünschen, ist an einem logischen Ende angelangt. Die Journalisten und Medienleute können die plötzlich auftretenden Ereignisse nicht mehr kontrollieren, die Informationshoheit entgleitet ihnen Stück für Stück.

Deshalb müssen sie nun Rückzugsgefechte liefern und retten, was noch zu retten ist – also Augen zu und durch. Bestes Beispiel dafür ist orf.online – der öffentlich-rechtliche TV-Sender mit seinem viel gelesenem Online-Portal verschiebt den Artikel über die Berichterstattung von den Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt – im Gegensatz zu den „friedlichen“ Protesten in Minneapolis – einfach nach „hinten“. Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.

Die Presseaussendung der Stuttgarter Polizei liest sich jedenfalls so:

Nach den Ausschreitungen in der Nacht zum Sonntag gibt die Polizei weitere Einzelheiten bekannt. Nach ersten Erkenntnissen war ein Einsatz wegen eines Rauschgiftdeliktes offenbar der Auslöser für die dann folgenden Ausschreitungen. Während der vorläufigen Festnahme eines Tatverdächtigen gegen 23.30 Uhr im Bereich des Oberen Schlossgartens solidarisierte sich eine Vielzahl der umstehenden Personen, griffen die eingesetzten Polizeibeamten an und bewarfen sie mit Steinen und Flaschen. Nachgeforderten Einsatzkräften gelang es zunächst, auch unter Einsatz von unmittelbarem Zwang und Pfefferspray, die randalierende Menge von den einschreitenden Beamten in Richtung Schlossplatz wegzudrängen. In der Folge solidarisierten sich weitere anwesende Personen auf dem Schlossplatz, sodass sich nun mehrere Hundert Personen gegen die Polizeibeamten stellten und weiter mit Steinen und Flaschen nach ihnen warfen. Auch eingesetzte Rettungskräfte wurden teilweise attackiert. Daraufhin wurden weitere Polizeikräfte aus umliegenden Polizeipräsidien sowie der Bundespolizei zur Unterstützung alarmiert, auch ein Polizeihubschrauber kreiste zeitweise über der Innenstadt. Die Randalierer zogen in einer Vielzahl von Kleingruppen unterschiedlicher Größe durch die Innenstadt. Erst gegen 04.30 Uhr war die Situation beruhigt. Vorläufige Bilanz Stand 17.00 Uhr Einsatzkräfte nahmen 24 mutmaßliche Randalierer fest. 19 Polizeibeamte wurden verletzt, ein Beamter konnte aufgrund einer Verletzung an der Hand seinen Dienst nicht fortsetzen. Im Bereich der Innenstadt, vor allem der Königstraße und der Marienstraße, wurden bislang 30 Geschäfte und Einrichtungen festgestellt, die von den Randalierern durch Einschlagen von Türen und Fensterscheiben teilweise erheblich beschädigt worden sind, darunter Mobilfunkläden, Bekleidungsgeschäfte und Juweliere. Darüber hinaus beschädigten die Täter auch Werbetafeln und brachten Graffitis an. Bislang wurden acht Geschäfte festgestellt, in die die Randalierer eindrangen und Waren plünderten. Bei dem Einsatz wurden, nach derzeitigem Stand, zwölf Streifenwagen teilweise erheblich beschädigt. Auf diversen Videosequenzen, die in den sozialen Netzwerken kursieren, ist zu sehen, wie Randalierer mit Stühlen und anderen Gegenständen auf die Streifenwagen einschlugen und die Scheiben zerstörten.

Wie kann ein liberal denkender und fühlender Journalist diesen „Ausschreitungen“ einen positiv-freundlichen Spin geben? In dem man den gewalttätigen internationalen Mob zu „Randalierern aus der Partyszene“ umformt. Wer hatte nicht schon in jungen Jahren in betrunkenem Zustand ein wenig „randaliert“ und sich ungebührlich benommen? Die Schreiberlinge in den Redaktionsstuben sind freilich weit weg von der Realität. Sie wissen nichts von den Alltagssorgen und -ängsten der gewöhnlichen Bürger, die sich in ihren Städten zunehmend unsicherer und fremder fühlen. Gewiss, es ist nur ein Gefühl – aber im Gegensatz zur Corona-Covid-19-Panik, die eine mediale war, beruht dieses Gefühl auf Erlebtem und mit eigenen Augen Gesehenem oder von guten Freunden Gehörtem.

Die Medienleute genauso wie die Politiker haben seit Jahren versucht, ihre „Kinder“ vor der schlimmen Realität zu schützen. Während die „rechte“ Szene thematisch zu Tode geritten wurde, das Schreckgespenst einer populistischen Erhebung an die Wand und auf die Titelseiten gekleistert wurde (und wird), hatte man für die „linke“ Szene nur wohlwollende Gesten übrig. Weil, sind die links der Mitte stehenden Politiker und Wähler nicht die wahren Menschenfreunde, die sich ein Paradies für alle wünschen? Die klugen Leute, oben wie unten, hüben wie drüben, stellen sich dumm und tun so, als hätte es George Orwell nie gegeben. Jener Orwell, der im Spanischen Bürgerkrieg am eigenen Leibe erfahren musste, dass es den Linken nicht um die Befreiung des Proletariats ging, sondern einfach nur um Machtergreifung und Machtausweitung. Wo immer diese „Menschenfreunde“ an die Macht kamen, wurden die politischen Gegner exekutiert oder nach Sibirien verfrachtet. Sie kannten kein Pardon, weil ihre „linke Revolution“ jedes Menschenopfer heiligte. Aber wer die wahre Historie nicht kennt, glaubt sich in einem Märchen, wo ein gewisser Lenin die Arbeiter Russlands befreite und das Arbeiterparadies einläutete – all das bitteschön mit wohlwollender Unterstützung der Wall Street. Da mag es auch nicht weiter verwundern, wenn man liest, dass in Gelsenkirchen vor der Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) eine Statue für Lenin enthüllt worden ist. Die Wochenzeitung Die Zeit entblödete sich nicht, festzustellen, dass bei den Demonstranten, die sich gegen die Aufstellung aussprachen, auch „Angehörige der rechten Gruppierung“ anzutreffen waren. Wie sich solch eine exotische Partei in Deutschland finanzieren kann, ist und bleibt für Journalisten scheinbar ein unergründliches Rätsel. Genauso die westlichen Hilfsleistungen an eine UdSSR, die längst bankrott gegangen war und nur noch am Papier existierte. Kalter Krieg? Guter Witz. Gelacht hat freilich nur das Establishment, das Stellvertreterkriege geführt und unglaubliche Steuergelder an Rüstungskonzernen und Geheimdienstkonten überwiesen hatte. Ja, und die Medienleute konnten jeden Tag die kommende atomare Apokalypse herbeischreiben.

Ich frage mich, wie lange Politiker und Medienleute noch so tun, als hinge der deutsche Himmel voller Geigen. Sie spielen auf Zeit, so viel ist klar, aber worauf wird hier gewartet? Möchte man Weimarer Zustände herbeiführen – um bei einer entsprechenden „Law&Order“-Gegenbewegung die NATO anzurufen und auf diese Weise mit Deutschlands Widerspenstigkeit endgültig Schluss zu machen? Zur Not helfen sicherlich ein paar Flächenbombardierungen, um die guten alten Zustände wieder herzustellen und das Geschrei bezüglich eines Friedensvertrages für einen souveränen Staat abzuwürgen.

Während man also in Deutschland zwischen Party und Plüsch hin- und herspringt, ging es in Frankreichs Dijon drunter und drüber. Tschetschenische Männer sind sich mit nordafrikanischen Kriminellen (oder umgekehrt – je nach dem) in die Haare gekommen. Mehrere Tage dauerte der „Bandenkrieg“, der offen geführt wurde, bis die Behörden die Ruhe wieder herstellen konnten. Nun versucht man sich an einer Aufarbeitung, aber die Frankfurter Rundschau erklärt ihren Lesern, worin das Problem liegt: die „Einwanderervierteln“ in all den größeren französischen Städten würden von Politikern und Bürgern einfach ignoriert. Kein Wunder also, so geht die gedankliche Schlussfolgerung, wenn die arbeitslosen jungen Männer zur Kriminalität verleitet werden. Aber wenn es zu Protesten und Ausschreitungen kommt, dann nicht, weil Wasserleitungen defekt sind oder Lebensmittellieferungen (bzw. Sozialfürsorge-Gelder) in den Vierteln nicht ankommen, sondern weil man sich von Behörden bzw. Polizeikontrollen schikaniert fühlt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die liberalen Kräfte in Paris die „Polizei auf die Müllhalde“ („Rechte hetzen, Linke machen immer nur Spaß“, podcast) wirft und den Problemvierteln eine eigene Security erlaubt. Ob das die Sicherheit aller Bewohner erhöht oder doch nur den reibungslosen Ablauf krimineller Geschäfte fördert, bleibt dahingestellt.

Jetzt stellen Sie sich einmal vor, diese Einwanderervierteln wären Tourismus-Hotspots – analog China-Town in San Francisco oder Little Italy in New York City. Stellen Sie sich vor, es gäbe hübsch gepflegte Straßen und Gässchen, Mondscheinspaziergänge und Cafés, die eine Mischung aus Orient und Okzident darstellen. Kulturell unterschiedliche Menschen würden sich in einer angenehmen Stimmung die Köpfe heiß reden, aber am Ende sich mit Handschlag verabschieden. Leben und leben lassen. Respekt auf allen Seiten. Das wäre eine Vorstellung, die scheinbar nicht im Sinne der „Chefs“ in den Einwanderervierteln ist. Darin liegt die Problematik. Kriminalität zahlt sich aus. Nicht für die Mehrheit, freilich. So lange es eine organisierte Kriminalität in den Vierteln gibt (das gilt auch beispielsweise für die schwarzen Vierteln in den amerikanischen Großstädten), gibt es keine Entwicklung, keine Hoffnung. Aber diesen Punkt anzusprechen getrauen sich nur die wenigsten Medienvertreter, während Politiker – mit Ausnahme von US-Präsident Donald Trump – längst das „rechtskonservative“ Handtuch geworfen haben. Wer gegenwärtig für Gesetz und Ordnung einsteht, macht sich verdächtig und manche Traumtänzer glauben ernsthaft, würde man die Polizei „abschaffen“, gäbe es keine Kriminalität mehr. Besser wäre wohl, man würde gleich alle Gesetze „abschaffen“, dann gäbe es keine juristische Verfolgung mehr und damit bräuchte es keine Polizei und die Gefängnisse könnten zu Luxushotels umfunktioniert werden.

Jede Gemeinschaft, in der Kriminalität und Unordnung überhandnimmt, hört auf, eine Gemeinschaft „für alle“ zu sein. Bürgerwehren würden sich bilden – gleich zu gleich gesellt sich gern. Für die Medien wären das dann freilich „rechtsradikale Gruppierungen“, die sich bewaffnen und eine Gefahr für den Staat selbst darstellen. Dabei würde diese Miliz ja vorrangig den Staat, das heißt die Gemeinschaft, schützen wollen. Irgendwie dünkt einem, diese linksliberalen Medienleute sehen es ganz gerne, wenn einem Spießbürger die Furcht vor dem Fremden mit Gewalt ausgetrieben wird. Doch sollte man nicht vergessen, dass diese Bürger einst den Spieß trugen, um sich gegen Angriffe von außerhalb der Stadtmauer zur Wehr zu setzen. Ja, der Spieß ist längst im Museum und die Stadtmauern abgetragen, doch wehe der gutmütige Bürger, der von Politikern und Medienleuten längst zum Untertan erklärt wurde, wacht eines Tages auf und sieht seine Welt in Trümmer. Dann hätte er wohl nichts mehr zu verlieren.

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