Das Credo der Französischen Revolution von 1789: „All Lives Matter“

Heute, vor 231 Jahren, wurde vom Pariser Volk bekanntlich die Bastille gestürmt. Wobei, zu Erstürmen war da eigentlich nichts, die dicken Mauern, von einem tiefen Graben geschützt, hätten von den wenigen im Inneren stationierten Invaliden und Schweizern gut verteidigt werden können, so man es denn vor gehabt hätte. Aber der alte Gouverneur, ängstlich bemüht kein Blutbad anzurichten, versuchte, mit den Angreifern zu verhandeln. Doch diese wollten von einer Kapitulation, das heißt, freies Geleit der Besatzung, nichts wissen. Der Mob hatte Blut geleckt und wollte Blut sehen. So kam es, dass der alte Gouverneur die Zugbrücke herunterließ und auf Gnade hoffte, die ihm freilich nicht gewährt wurde. Die wütende Menge schnitt ihm auf den Stufen zum Rathaus die Kehle durch und pflanzte seinen Kopf auf eine Pike.

Die „Erstürmung“ der königlichen Trutzburg im Herzen von Paris – sie hatte längst keinen militärischen Wert mehr und beherbergte nur noch eine Hand voll Gefangene – markierte den Beginn einer Rebellion, die sich zu einer Revolution entwickeln sollte. Keiner der damals Beteiligten, so viel ist sicher, dachte an jenem Julitag daran, König Ludwig XVI. einen Kopf kürzer zu machen und die Monarchie auf die Müllhalde der Geschichte zu werfen. Daran können wir sehen, dass die gewöhnlichen Bürger nicht die kleinste Idee hatten, wohin die rebellische Reise schlussendlich gehen würde – das gilt nicht nur für vergangene Ereignisse, sondern noch mehr für gegenwärtige.

Als wenig später die Französische Republik ausgerufen wurde, gab es an der politischen Spitze keine Verantwortlichen mehr, sondern nur noch ausführende Handlanger, die zum Wohle des Volkes und der Nation mehr Macht in Händen hielten als alle Fürsten und Könige vor ihnen. Die Geschichte der Französischen Revolution von 1789 die für den Slogan von „Einheit, Unteilbarkeit, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder Tod“ weltbekannt ist, bereicherte unseren Wortschatz mit dem neuen Begriff „terreur„. In den Köpfen der klugen Revolutionäre wurde brutale Gewalt als notwendiges Mittel erachtet, um die Ziele der Revolution zu erreichen bzw. um die Gegenrevolution bereits im Ansatz zu verhindern. Weil, wer ein Omlett machen möchte, muss wohl oder übel Eier zerschlagen oder einen Landstrich im Norden Frankreichs mit Stumpf und Stiel ausrotten, weil sich Widerstand einstellte und „die Sache“ in Gefahr geriet. Man möchte nicht glauben, wie kreativ die Revolutionäre wurden, wenn sie sich vieler Gefangener entledigen mussten.

„Wohltätigkeit, Gerechtigkeit und Humanität sind das Gebot der Stunde.“

Inschrift während der Schreckensherrschaft

Als ich vor rund 13 Jahren in die Geschichte der Französische Revolution eintauchte und begann, Hintergründiges und Vordergründiges zu einer literarischen Melange zu vermengen, lernte ich aus alten Briefen, unter anderem von einem gewissen Graf Mirabeau, eine Menge über die Gedankenwelt der damaligen unzufriedenen und erfolglosen Geister. Die Revolution, wie es später Stefan Zweig formulierte, machte diesen Erfolglosen und Unzufriedenen ein Versprechen, gab ihnen Hoffnung auf eine Zukunft, die Großes mit ihnen vor hatte. Tatsächlich, wir wissen es, frisst jede Revolution ihre Kinder und egal, wie sehr sich der eine, die andere verdient gemacht hatte, am Ende geraten sie alle unter die Räder einer Maschinerie, die keiner der Beteiligten jemals wird verstehen können.

Eines ist freilich unumstößlich, nämlich die Tatsache, dass all die Revolutionen der letzten 250 Jahre von langer Hand geplant und mit langem Atem in Gang gesetzt wurden. Die Idee, dass das Volk, der Pöbel, die Schafe in der Lage wären, eine alte Ordnung aufzubrechen, diese völlig zu zertrümmern und an ihrer Stelle eine neue Ordnung aus den gedanklichen Boden zu stampfen, ist völlig absurd. Gegenwärtig ist es eine verbildete junge Intelligenzia, die einem rosaroten Traum nachjagt, dabei Slogans gedankenlos nachäfft und sich in der Position der absoluten Wahrheit und Rechtschaffenheit wähnt, die sich revolutionär gebärdet. Kritiker möchte sie mundtot machen, Fakten, die nicht in ihr Weltbild passen, als Hasskommentare abtun. Da die jungen Menschen die wahre Historie nicht kennen, sondern immer nur ausgewählte und verzerrte Ausschnitte präsentiert bekommen haben, verstehen sie bei Orwell nur Bauernhof und bemerken deshalb gar nicht, dass sie von den Schweinen benutzt und manipuliert werden.

„Das Volk muß sich selbst Gerechtigkeit verschaffen. Bevor wir an die Grenze eilen, wollen wir die schlechten Bürger richten!“

Plakatierter Aufruf Anfang September 1792, der zu einem mehrtägigen Massaker an Inhaftierten führte

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