Über Weltbilder, kognitive Dissonanz und wie wir unsere Meinung bilden #Google #Medien #Zukunft

Ich führte die letzten Tage ein Gespräch mit M. über die US-Wahl und welche Konsequenzen diese für die zukünftige Welt haben wird. Sie erwähnte nebenbei, dass sich ihre beiden Kinder viele Gedanken über Trump machten. Ich bat sie, dass mir die beiden ihre größten Probleme mit Trump zukommen lassen, um herauszufinden, welche Argumente hier ins Feld geführt werden. Doch bevor wir uns damit im Detail beschäftigen, gilt es herauszufinden, wie junge und alte Menschen zu einer Meinung kommen.

»Als Bürger muss ich fragen: Was ist wahr? Was ist unwahr?« – Nobelpreisrede von Harold Pinter, 2005

Bitte beachten Sie, dass es mir hier vor allem darum geht, ein Muster zu erkennen, wie Weltbilder in Menschen entstehen und gebildet werden können. Ich habe nicht die Absicht, auf persönlicher Ebene in die Gedankengänge der beiden jungen Menschen einzudringen. Jedem steht es frei eine Meinung zu haben, diese zu artikulieren und in der Öffentlichkeit zur Diskussion zu stellen. Jedem muss gestattet sein, seine Meinung zu ändern, sie zu überdenken oder zu festigen. Jeder, der schon länger auf dieser Erde wandelt, wird wissen, dass nichts in Stein gemeißelt ist und deshalb alles, aber auch alles, hinterfragt werden darf. Vorausgesetzt, man hat den Mut dazu.

»Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.« – Immanuel Kant, Was ist Aufklärung 1784

Bevor wir in medias res gehen, muss vorweg geklärt werden, wie ein Weltbild im Kopf entsteht. Primär brauchen wir Daten, das heißt Informationen, die wir erfassen und verarbeiten können. Wie wir diese Daten arrangieren, sortieren, gewichten und in Zusammenhang bringen, ist an dieser Stelle nicht von Bedeutung, vielmehr muss uns interessieren, woher wir diese Daten beziehen:

  • Persönlich (Erfahrung)
  • Näheres Umfeld (Familie)
  • Äußeres Umfeld (Schule, Freunde, Arbeitskollegen, usw.)
  • Medienkanäle (akzeptiert/fragwürdig: Mainstream Medien – Zeitungen, TV, Radio, Verlage, Universitäten, Behörden)
  • Medienkanäle (fragwürdig/akzeptiert: Alternative Medien – Internet-News, Blogs, Foren, Podcasts, Videocasts, Social Media Gruppen, Universitäten)

»Facts do not cease to exist because they are ignored« – Aldous Huxley

Wir alle versuchen aus dieser Informationsflut, die tagtäglich auf uns niedergeht, eine kohärente Geschichte zu formen, die auf unser zugrundeliegendes Weltbild aufbaut. Deshalb sträuben wir uns, eine „Wahrheit“ zu akzeptieren, die unser Weltbild erschüttern würde. Mit einmal würde alles, was bisher auf diesem Fundament errichtet worden ist, infrage gestellt werden. Niemand will das. Deshalb hat unser Denksystem eine Firewall implementiert, die wir kognitive Dissonanz nennen wollen. Diese Firewall verhindert, dass uns Weltbild erschütternde Informationen als echt, als wahr, als richtig erscheinen, weshalb wir sie ignorieren können.

Nicht unähnlich verhält es sich in der Phase des Verliebtseins. Man blendet aus. Man ignoriert. Man verschließt sich. Dadurch ist es nicht möglich, eine Beziehung, die in Schieflage geraten ist, zu erkennen. Zwar versuchen Freunde oder Freundinnen einen darüber „aufzuklären“, dass man vom Partner, der Partnerin doch nur benutzt werden würde, aber durch den Überfluss an „Glückshormonen“ (Schmetterlinge im Bauch, rosarote Brille auf der Nase) verschließt man sich dieser Realität. Ausreden werden gefunden, Fakten unter den Teppich gekehrt, Missverständnisse akzeptiert. Doch wenn die Phase des Verliebtseins langsam verweht und sich die Blindheit auflöst, sieht man mit einmal klar und deutlich die Schieflage. Wie oft hört man sich dann leise fragen: „Warum habe ich das nicht früher gesehen?“

»Ich weiß, dass ich nicht weiß.« Platon (zugeschrieben)

Kurz, es ist es recht aussichtslos, jemanden, der von seiner Sache „felsenfest“ überzeugt ist, mit nüchternen Daten und Weltbild erschütternden Fakten daran zu erinnern, dass es auch noch eine andere Seite der Medaille geben kann. Dabei ist immer im Hinterkopf zu behalten, dass es keine absolute Wahrheit geben kann. Wir wissen, was wir im Laufe der Zeit an Informationen aufgenommen haben, aber das heißt nicht, dass wir alle Puzzleteile zur Verfügung haben. Der Mensch hat keinerlei Möglichkeit, das gesamte Bild zu sehen, das ist nur Gott oder dem göttlichen Prinzip (Logos) vorbehalten. Das heißt aber nicht, dass wir aufhören sollen, nach der Wahrheit zu streben.

»Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann ist es das Recht, Menschen zu sagen, was sie nicht hören wollen.“ – George Orwell, Im Vorwort zu Animal Farm, 1946

Durch die Firewall, durch diese kognitive Dissonanz, suchen wir vor allem und oftmals ausschließlich Mitstreiter, die unsere Meinung billigen und gutheißen. In dieser sogenannten Informations- oder Filterblase, werden nur jene Daten und Informationen als relevant eingestuft, die der Sache dienlich sind, die anderen als „fake“ oder „falsch“ aussortiert. Da man sich in „guter Gesellschaft“ wähnt, man sich gegenseitig von der Richtigkeit der Sache überzeugt, festigt sich die Meinung. „Alle die ich kenne, sind der gleichen Meinung!“, ist praktisch Carte Blanche um konträren Argumente gar nicht erst näher zu betrachten. Wozu auch? Wenn „alle“ meiner Meinung sind, können die anderen, wenigen, nur falsch liegen.

Google ist eine ernsthafte Gefahr

Dr. Robert Epstein, ein linksliberaler (!) Harvard Professor der Psychologie, getraut sich seit Jahren gegen ein Monstrum namens Google anzukämpfen. Lesen Sie seine eidesstattliche Erklärung, die er im Juni 2019 vor dem US-Senat abgegeben hatte und in dem es u.a. heißt:

„Google stellt eine ernsthafte Gefahr für Demokratie und menschliche Autonomie dar“.

Professor Epstein zeigt auf, welch massiven und gravierenden Einfluss Google und Big Tech auf unsere tägliche Informationsgewinnung haben und auf diese Weise unbemerkt unser Weltbild mitbestimmen. Mit anderen Worten, viele Menschen hassen Trump deshalb, weil sie niemals echte Gegenargumente zu Gesicht bekommen haben und so in ihrer Meinung bestärkt worden sind, dass bis auf ein paar wenige „rechte Idioten“ ALLE so denken „wie ich“. Epstein merkt an, dass die behördlich eingebrachten Anklagen gegen Google unter einer Präsidentschaft Biden zurückgezogen werden würden. So versteht man auch, warum Google die Wahl für Biden zu beeinflussen versuchte. So war die „Go Vote“-Anzeige auf der Google-Seite nur für liberale US-Internetuser sichtbar. Potenzielle konservative Wähler sahen die „neutrale“ Aufforderung, wählen zu gehen, nicht. Go figure.

Noch hat jeder, der vorgab, das Paradies auf Erden zu errichten, die Hölle geschaffen.

Novalis

Seit Anbeginn der Zeit haben Kräfte im Hintergrund, die Macht und Reichtum bewahren wollten, junge Menschen dazu gebracht, sich gegen ihr Fleisch und Blut zu wenden. Das kommt daher, dass junge Menschen anfällig für das Gute, das Schöne und somit das „Richtige“ sind. Die Erfahrung lehrt uns, dass es immer zwei Seiten einer Medaille gibt: Fakten können gebogen und verzerrt werden, einflussreiche und vertrauenswürdige Personen können ein doppeltes Spiel spielen und oftmals tendiert „gut gewollt“ in ein „Zuviel des Guten“. Der junge Mensch hat die bunte Vorstellung einer fairen, gerechten und schönen Welt, die genauso Utopie bleibt wie das ewige Leben. Damit will ich seine Vorstellung nicht schlecht reden oder lächerlich machen – wir alle haben uns verirrt, wir alle haben geirrt, wir alle haben Jahr um Jahr dazugelernt. Manche mehr, manche weniger. Das ist der Lauf des Lebens.

Was weiß der gewöhnliche Bürger, sei er jung, sei er alt, von der Historie, auf die man sich geeinigt hat? Was weiß er von einer Vergangenheit, die weder wahr noch falsch, sondern einfach nur gewesen ist?

»Und wenn alle anderen die Lüge, die die Partei verbreitete, akzeptierten – wenn alle Aufzeichnungen das Gleiche erzählten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit«, George Orwell, 1984

Spätere Generationen können zurückblicken, die vielen Puzzleteile sammeln, zusammensetzen und über das Bild, das sie sehen eine verständliche „Geschichte“ schreiben. Diese Geschichte, wie jede fiktionale Erzählung, ist nicht wahr, sie ist nicht falsch, sie ist einfach nur eine Interpretation des Bildes, das die Puzzleteile (scheinbar) ergeben haben. Wurden alle Puzzleteile verwendet? Wurden welche unter den Teppich gekehrt? Wurde das eine mehr, das andere stärker gewichtet? Deshalb kommt es mit den Jahren zu einem Geschichts-Revisionismus, der die althergebrachte Interpretation infrage stellt. Die Kräfte im Hintergrund mögen das freilich nicht. Je nach Thema und Epoche wird mehr oder weniger Einfluss auf die neue Interpretation genommen. Im schlimmsten Fall werden Ereignisse einfach im Nachhinein zurechtgebogen, in dem unpassende Informationen gelöscht („memory hole„) und passende Informationen erfunden werden.

Kommen wir zurück zum Ausgangspunkt. Die beiden jungen Menschen, von ihrem Weltbild überzeugt, würden meine Erklärungsversuche rund um Donald Trumps „Aussagen“ bzw. „menschliche Seite“ schlichtweg ignorieren und mich der Verfälschung der klar ersichtlichen Sachlage bezichtigen. Mit anderen Worten, die jungen Menschen schlagen ein neues Kapitel auf, nämlich das der „Gesinnungshaftung„. Wer für Donald Trump Partei ergreift, so geht die Überlegung, muss demnach seine „Menschen verachtenden“ Anschauungen gutheißen, weshalb die Erklärung ignoriert und der „Verteidiger Trumps“ zum Schweigen gebracht werden darf.

Deshalb können junge Menschen in ihrer „Verliebtheitsphase“ nicht mit nüchternen Daten und Informationen aufgeklärt werden. Es führt zu nichts, ja, es würde nur noch mehr Feuer ins Öl gießen. Die aufgewühlten Emotionen machen jeden Versuch, sachlich zu diskutieren, zunichte. Es erinnert an ein hitziges Streitgespräch, wenn die eine zum anderen sagt: „Du regst dich zu sehr auf!“ und der andere entgegnet, brüllend und tobend: „Ich reg mich hier nicht auf! Du regst dich die ganze Zeit auf!“

 

 

Am Ende des Tages fallen wir auf unser simples Bauchgefühl zurück. Wir sehen jemanden als „Idiot“, „Trumpster“, „Linken“ und drehen und wenden die Informationen so lange bis sie unser Bauchgefühl bestätigen. Wir argumentieren nicht mit tatsächlichen Fakten, sondern wir biegen uns die Daten zurecht. Die andere Seite macht es zumeist nicht anders, weshalb „Weltbild erschütternde“ Gespräche zu banalen Schlammschlachten führen, die keinerlei persönliche Position infrage stellen oder „gehirngewaschene“ Anschauungen entlarven.

Die Vergangenheit zeigt, dass Medienleute, Politiker und Experten einer „Weltbild erschütternden“ Diskussion aus dem Weg gehen, diese meiden wie der Teufel das Weihwasser. Warum ist das so? Unser (korrumpiertes) System basiert auf so viel Lug und Betrug, dass das bestehende Weltbild um jeden Preis aufrechterhalten werden muss.

Das Establishment fürchtet nichts mehr als unabhängige Menschen, die den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Donald Trump hat mit seiner Präsidentschaft erste Risse in dieses korrumpierte Weltbild gebracht. Er ist demzufolge mehr Symbol als Politiker – was seinen Erfolg, der sich durch alle Schichten, Klassen, Hautfarben und Nationalitäten zieht, erklärt.

Natürlich schmerzt es, aus der Phase des Verliebtseins gerissen zu werden. Natürlich tut es weh, mitzuerleben, wie die eigene Weltanschauung Stück für Stück zerbröckelt oder innerhalb eines Augenaufschlags einfach niedergerissen wird. Aber wollen wir unsere Zukunft gestalten, müssen wir auf ein gesundes und wahres Fundament aufbauen. Was wir gegenwärtig erleben, ist nicht ein politischer Kampf zwischen Trump vs. Biden oder Republikaner vs. Demokraten.

Was wir gegenwärtig erleben ist die Erschütterung eines korrumpierten Weltbildes. Sich nicht an diesen geistig-spirituellen Kampf zu beteiligen, ist schlichtweg Fahnenflucht und das Strecken der Waffen. Freilich, es gibt nicht wenige, da draußen, die fürstlich dafür bezahlt werden, die weiße Fahne zu schwenken.

Denken Sie immer daran: Die Geschichte und das Weltbild werden vom Gewinner geschrieben.

 

 

P.S: Und falls Sie jetzt der Meinung sind, dieser schreckliche Artikel gehört einfach ignoriert und der Autor sollte sich schämen, Partei für Trump zu ergreifen und solch Unsinn zu schreiben, dann sage ich dazu nur: Q.E.D.

8 Kommentare zu „Über Weltbilder, kognitive Dissonanz und wie wir unsere Meinung bilden #Google #Medien #Zukunft“

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