Ein Meister der gedichteten und gedachten Illusion fällt in die Grube und auf den Kopf

Als Meister der gedichteten und gedachten Illusion kann ich viele Geschichten erzählen. Wahr sind sie alle. Erfunden die wenigsten. Sie sind hingeworfen, um den Leser, der Leserin ein Bild im Kopf zu schenken. Nicht lange ist es her, da fiel der Meister in die Illusions-Grube, die er selbst gegraben hat. Diese Grube war eigentlich nur dem Aushub zu verdanken, dessen Erde ein Luftschloss erbauen hätte sollen. Das Luftschloss konnte nicht fertiggestellt werden, vielleicht waren die Baupläne zu phantastisch oder die Dimensionen ins Übernatürliche gesteigert, jedenfalls blieb eine Baustelle und eine Grube. In die der Schreiber dieser Zeilen kopfüber fiel. Eigentlich sollte man ja meinen, solch luftige Gruben federn jeden Fall. Aber der Aufprall war dann doch erstaunlich und erstaunlich hart. Ich könnte auch schreiben, ich fiel auf den Hosenboden, besser, auf den Boden der Tatsache, die in der Illusion niemals Fundament sein darf.

Nun, diese Episode sei nur am Rande erwähnt und soll dem geneigten Leser, der geneigten Leserin nur zeigen, dass die Illusion wie eine Droge wirkt, von der es kein loskommen gibt und einen in die eigene Grube fallen lässt. Nur die Realität ist es, die am Ende das Illusionsgebäude zum Einsturz bringen wird. Keine schönen Aussichten, also versucht der Drogensüchtige alles, wirklich alles, um diese reale Zerstörungswut zu verhindern. Es wird ausgeblendet und eingeblendet, relativiert und abstrahiert. Man spricht von realen Entzugs-Möglichkeiten, die niemals umgesetzt werden wollen. Der dem Illusions-Rausch Verfallene weiß alle Tricks und Kniffe der Autosuggestion einzusetzen, um Einwände unter den Teppich und Vorwände auf den Küchentisch zu stellen. Für den Außenstehenden, der nichts von der Illusion des anderen weiß, für ihn sieht es nach einer seltsam geistigen Blindheit aus, in der unser llusions-Süchtige gefangen ist. Aber wehe, der Außenstehende würde den Süchtigen zur Vernunft bringen oder zu einer Einsicht bekehren wollen. Die Abwehrmechanismen der Illusions-Struktur sind legendär und unzählig. Schließlich ist der Süchtige im Rausch glücklich, überglücklich und wähnt sich im siebenten Himmel. Warum soll er diese Berauschung, die ihm alles Glück und Zufriedenheit gibt, infrage stellen? Ja, warum?

Darauf gibt es nur eine nüchterne Antwort. Jeder weiß sie. Jeder kennt sie. Es sind die Väter in jeder Generation, die die Antwort an ihre Kinder weitergeben. Aber die Kinder verstehen anfänglich nicht. Warum zuerst die Arbeit und dann das Spiel? Warum nicht immer Spiel? Warum nicht immer Spaß? Wäre dann das Leben nicht schöner und befriedigender? So denken Kinder. So denken Künstler. Bis die einen erwachsen sind und die anderen im Suff untergehen.

Wenn Sie sich nun fragen, warum sich in alten Tagen die Poeten und Dichter und Maler und Komponisten mit Rauschmittel bis zur Besinnungslosigkeit in Traumwelten begeben haben, dann ist es, weil sie die Realität nicht ertragen konnten. All die sensiblen Seelen, die von musischen Einfällen überströmten und sich in einem Musen-Hain auf dem Olymp wähnten, konnten nichts mit einem fälligen Pachtzins oder einer schnöden Kreditabwicklung oder einer fatalen Ehescheidung anfangen. Es war ihnen zu viel Realität. Kinder verstecken sich unter der Decke, wenn sie im dunklen Zimmer ein Monster erahnen. Sehen sie das Monster nicht, so geht ihre kindliche Logik, kann sie auch das Monster nicht sehen. Ursache Wirkung.

Deshalb muss der Künstler früher oder später sein Illusionsgebäude von außen besehen, es vielleicht für eine Weile wegpacken und darangehen, sich an die Realität zu gewöhnen. Ein schwieriges Unterfangen. Für manche gar unmöglich. Der Rausch zwingt zur Entscheidungslosigkeit. Bis die Realität die Entscheidung trifft.

Ich bin also Meister der gedichteten und gedachten Illusionen. Ohne dass ich es will, ohne dass ich es wollte, reich(t)e ich dem Süchtigen ein besonderes Ergänzungsmittel, das in der Lage ist, kleinere Hundebisse und größere Schlaglöcher in der Illusions-Blase zu flicken. Ei, wer hätte gedacht, dass ich schließlich und endlich als Flickmeister der Illusionen ins Boot geholt werde. Ja, dem Schicksal kann man wohl nicht entgehen. Es sei denn, man fordert es heraus. Aber wer will solch eine Schlacht führen, auf einem Schlachtfeld, das keinen Boden hat und keinen Himmel kennt?

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