EM 2021: Spieltag #1 und #2

Das waren sie also, die ersten beiden Spieltage der Fußball-Europameisterschaft 2021. Allerhand, was da so abging und nicht abging.

Türkei : Italien 0:3
römisches Bettgeflüster

Betrachtet man die erste Halbzeit mit nüchternen Augen, dann steht zu befürchten, dass wir hier die Blaupause für kommende Auseinandersetzungen gesehen haben. Der Favorit macht das Spiel, während sich der Underdog mit 9 Mann hinter dem Ball postiert und vorausschauend die Verteidigungsketten verschiebt. Das ist freilich kein Fußballspiel, wo es darum geht Tore zu schießen, sondern vielmehr eines, wo es der einen Mannschaft darum geht, kein Tor zu bekommen. Das mag eine gewisse Spannung haben, wie lange es dauert, bis es doch noch klingelt bzw. ob es überhaupt klingelt und wenn, dann auf welcher Seite, so die schwächere Mannschaft in der Lage ist, ein Konterspiel effizient aufzuziehen. Da mangelte es freilich bei den Türken, die nur eines im Kopf und in den Beinen hatten: nur ja kein Tor kassieren. Das Beste, was sie herausholen wollten, war ein 0:0. Bravo. Warum wollen diese Mannschaften überhaupt zur EM, wenn sie nicht Fußballspielen wollen?

Die erste Halbzeit also ein fades Abwehrgeschiebe auf der einen, ein ideenloses Herumgeschiebe mit dem Ball auf der anderen Seite. Das war die perfekte Anti-Werbung für Fußball. In der zweiten Halbzeit fällt dann doch ein Tor. Ein Eigentor. Ein Türke fälscht die scharfe Hereingabe unhaltbar ins Tor ab. Na gut, dachte ich mir, jetzt müssen die Türken Gas geben. Ein paar Minuten flammte in der Tat deren Courage auf. Aber die Italiener wissen zu verteidigen, natürlich wissen sie das. Die beiden altbewährten Innenverteidiger haben sicherlich schon alles in ihrem langen Fußballerleben gesehen, denen kann man so schnell nichts vormachen. Freilich, schnell sind sie nicht mehr, aber bei kopflosen Offensivspielern ist das auch gar nicht nötig.

So kommt, wie es immer kommt. Die Italiener machen den viel zitierten Sack zu und schießen das 2:0 – perfekt abgestaubt. Das war’s dann für die Türken und für mich. Ich ließ das Eröffnungsspiel Eröffnungsspiel sein und ging zu Bett. Heute habe ich erfahren, dass es am Ende 3:0 ausging, das Spiel, das ich mir schenken hätte können. Auf der anderen Seite sagte ich mir, es kann nur noch besser werden.

Wales : Schweiz 1:1
Die Technik macht’s möglich

Die Walisischen Fans dürfen zufrieden sein. Ihre Mannschaft hat den Eidgenossen ein Unentschieden abgerungen, förmlich entrissen. Wenigstens sorgte der Führungstreffer der Schweizer zu Beginn der 2. Halbzeit für den nötigen walisischen Antrieb, das gegnerische Tor zu suchen. Gefunden haben sie es schließlich. Ein schöner langer Kopfball, beinahe vom Elfmeterpunkt in die Torecke. Damit hatten die sonst so ballsicheren Schweizer in ihrer Überheblichkeit nicht gerechnet. Es entwickeltet sich ein offeneres Spiel, mit Chance auf beiden Seiten. Die Schweizer, auf dem Papier die bessere Mannschaft, übernahmen alsbald das Kommando, die Waliser schienen mit dem Punkt zufrieden. Schließlich fiel der Führungstreffer für die Eidgenossen. So sah es mal aus. Jubelnde Schweizer feierten den sicher scheinenden Sieg, Trübsal blasende Waliser betrauerten den in greifbare Nähe gerückten Punktegewinn. Doch im Jubel meldete sich der Videoschiedsrichter zu Wort und entschied auf Abseits. Jubelnde Waliser feierten das aberkannte Tor wie einen Siegestreffer, Trübsal blasende Eidgenossen betrauerten den in greifbare Nähe gerückten Sieg. So ist das. Dabei war die Abseitsposition eine Zentimeter-Entscheidung. Vor Jahren hätten somit die einen gewonnen, die anderen verloren. Vollkommen regulär. Kein menschliches Auge hätte jemals diese Abseitsposition erkennen können. Ein Hoch auf die Technik. Oder auch nicht. Je nachdem.

Wenigstens zeigte das Match mehr Fußball als das Eröffnungsspiel. So eine Steigerung sieht man sonst nur bei den (aus den Allerwertesten gezogenen) Neuinfektionen. So kann es weitergehen. Mit Fußball. Nicht mit einer inszenierten Pan-Demie (sic!).

Dänemark : Finnland abgebrochen/fortgesetzt/Endstand 0:1
Das Schicksal setzt den Hobel an …

Was sagt man dazu? Ich hab die Dänische Mannschaft bei der WM 2018 in Russland live spielen gesehen, gegen die Schweiz. Es war eines der besten Spiele der EM. Im Zug nach Moskau bin ich mit zwei Dänen ins Gespräch gekommen. Sie haben erzählt, wie die wenigen dänischen Fans noch mit der Mannschaft nach dem Spiel zusammengesessen sind. Auch Superstar Christian Eriksen plauderte mit den Fans und war völlig bodenständig. Ja, und heute, beim Spiel gegen Finnland, bricht eben dieser Eriksen zusammen. Aufregung bei Spielern und Funktionären. Was ist geschehen? Der dänische Ausnahmespieler ist bewusstlos. Er muss am Rasen reanimiert werden. Rettungskräfte bringen einen Defibrillator. Viele Minuten vergehen. Die Kamera fängt hie und da einen regungslosen Eriksen ein. Schließlich transportiert man ihn ab. Niemand weiß, wie es ihm geht, oder ob er überhaupt noch am Leben ist. Gänsehaut der negativen Art als Eriksens Frau von zwei dänischen Mitspielern am Spielrand getröstet wird. Das Schicksal setzt den Hobel an …

Von offizieller Seite heißt es rund eine Stunde später, dass Eriksen ins Spital eingeliefert worden sei. Sein Zustand sei stabil. Gottlob.

Das Spiel wurde später fortgesetzt und Finnland erzielte überraschend den Siegestreffer. Ja, Wunder geschehen im Kleinen wie im Großen.

Ich hörte, dass Eriksen ge-impft sei. Muss das freilich nachprüfen. Gar nicht einfach. Hm?! Die spanische, italienische, portugiesische und belgische Nationalmannschaft sind mal kurz vor der EM durchgeimpft worden. So viel mal dazu. Später sicherlich dann mehr.

Belgien : Russland 3:0
Trainingsspiel à la Belgique

In der 60. Minute stieg ich in das Spielgeschehen ein. Da stand es bereits 2:0 für den haushohen Favoriten Belgien, die in ihrer Abgebrühtheit die Russen ins Leere laufen ließen. Nach zehn Minuten zog ich den Stecker. Ein belgisches Trainingsspiel muss ich mir nicht bis zum Schluss geben.

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