EM 2021: Achtelfinalespiele

Hier die gesammelten Spielberichte der Achtelfinalspiele, soweit ich sie gesehen habe.

Wales : Dänemark 0:4
Danish Dynamite im Vorwärtsgang

Die Dänen überraschten mit einem ordentlichen Vorwärtsdrang. Ihr Gegner war freilich ein schwacher. Wales konnte nicht überzeugen. Superstar Bale zeigte wenig, während die dänische Mannschaft auf ganzer Linie überzeugen konnte. Vor allem im mentalen Bereich spielten sie ihre Stärke aus. Im Viertelfinale gegen überraschend aufgestiegene Tschechen geht es für sie sogar um den Einzug ins Halbfinale. Von da ist es nicht weit ins Finale. Und wenn wir eines wissen, dann ist es das, dass man die Dänen niemals abschreiben soll.

Italien : Österreich 2:1 n.V.
Forzza l’Austria

Meine Güte, das war ein packendes Spiel. Die Österreicher waren gut eingestellt und top motiviert. Die Italiener wiederum waren anfänglich zu selbstsicher, beinahe überheblich gegen den Underdog. Die österreichischen Mannen ließen sich jedenfalls nicht beeindrucken und spielten munter und frech drauf los. In der ersten Halbzeit gab es wenig Chancen für die Italiener (abgesehen von einem Tausendguldenschuss, der an die Latte ging). In der zweiten Halbzeit kamen wir immer besser in die Partie. Die Ausbeute wäre der Führungstreffer gewesen, der leider wegen Abseits (Hauchdünn!) aberkannt wurde. Aber welch Ruck da durch die Mannschaft ging. Die Italiener wankten. Man möchte fast sagen, sie retteten sich in die Verlängerung. Schlussendlich erzielten die beiden eingewechselten italienischen Joker die beiden Tore. Trotzdem gaben die Österreicher nicht auf. Erzielten den Anschlusstreffer. Zu später. Wobei, hatte Sabitzer nicht noch eine gute Chance zum Ausgleich? Das wäre ja dann die Krönung eines tollen Spiels gewesen. Ja, diesmal hat wirklich nicht viel gefehlt, und die Italiener wären vom hohen Ross gestoßen worden. Österreichs Nationalteam hat mal wieder gezeigt, wie es gehen kann. Weiter so.

Die Italiener mussten sich die Blöße geben, die Entscheidung gegen einen krassen Außenseiter erst in der Verlängerung herbeigeführt zu haben. Gegen Belgien wird es wohl einer Steigerung bedürfen. Wiewohl die Belgier auch schon bessere Tage erlebt haben. Ich gehe von einem Match auf Augenhöhe aus – und hoffe auf einen schnellen Treffer. Ansonsten wird es ein „Defensivfeuerwerk“.

Niederlande : Tschechien 0:2
Ein Favorit strauchelt, ein Trainer der geht

Nanu? Was die österreichische Mannschaft nicht zuwege gebracht hat, die Tschechen zeigten den Niederländern ihre Grenzen auf. Man möchte meinen, dass der Außenseiter nur gemauert hätte – tatsächlich spielte er mit Fortdauer der Begegnung munter nach vorn. Das hat mir imponiert, das hat mir gefallen. Obwohl die Tschechischen Spieler nur Mittelmaß sind, hat sich das Kollektiv um zwei Level gesteigert. So gehört sich das. Die Niederländer wirkten müde, nicht sonderlich spritzig und hatten keine Idee gegen gut organisierte und immer konzentrierte Tschechen. Im Viertelfinale gegen Dänemark ist ein Schlagabtausch zu erwarten. Für beide Underdogs winkt der Einzug ins Halbfinale. Die Niederländer, die sich verabschieden, haben wieder einmal gezeigt, dass qualitativ hochwertige Einzelspieler noch keine gute Mannschaft machen. Im Besonderen, wenn Schlüsselspieler einen schlechten Tag erwischen.

Belgien : Portugal 1:0
Diese belgischen Minimalkünstler ärgern Portugal und mich

Der kleine Bruder von Eden Hazard nahm sich ein Herz und knallte den Ball mit unglaublichem Drall ins Tor. Der portugiesische Torhüter sah da freilich nicht gut aus. Ansonsten zeigte Belgien herzlich wenig. Die Portugiesen bemüht, aber unglücklich. Ein Stangenschuss rettete den belgischen Minimalisten den Sieg. Ob dieser Fußballminimalismus gegen die Italiener reicht?

Kroatien : Spanien 3:5 n. V.
Torflut und ein kurzer kroatischer Frühling

Ja, die Spanier führten bereits 3:1, als noch einmal der kroatische Funke ein Feuer entfachte, das für zwei Tore sorgte. In der Verlängerung zeigte sich, dass es sich nur um ein Strohfeuer gehandelt hat. Müde und abgekämpft mussten sie noch zwei spanische Gegentreffer hinnehmen. Damit ist die goldene Ära der Kroaten endgültig vorbei. Es wird wohl viel Zeit brauchen, bis sie wieder in ein WM-Finale zu sehen sein werden. Und die Spanier? Naja. Haben mich noch immer nicht begeistert.

Frankreich : Schweiz 3:3 4:5 n. E.
Torflut und ein langer schweizer Frühling

Das spannendste Spiel dieser EM und mich erwischte ein Migräneanfall. Die Fußballgötter hatten sicherlich ihren Spaß mit mir. Sogar die kurze Zusammenfassung des Spiels stellt mir die Nackenhaare auf. Hätte ich es livehaftig gesehen, ich hätte mich zwicken müssen. Solche Spiele, die das Ranglistengefüge auf den Kopf stellt, sind eine rare Kostbarkeit. Weltmeister Frankreich ist in meinen Augen überbewertet. Die Franzosen stellen für mich keine Mannschaft dar, sondern setzen sich aus einem Haufen superber Einzelspieler zusammen, die mal besser, mal schlechter harmonieren. So waren es oftmals Einzelleistungen, die den Sieg brachten. Doch diesmal war die Equipe wohl zu nachlässig und gedanklich schon im Viertelfinale, als Minuten vor dem Schlusspfiff die Schweiz von 3:1 auf 3:3 stellte. Das war schon unglaublich – weil solch eine Aufholjagd bereits im ersten Spiel an diesem Tag ebenfalls zu sehen war. Schlussendlich behielten die Schweizer beim Elfmeterschießen die Nerven. Ausgerechnet Superstar Mbappé patzte beim letzten Elfmeter. Ja, das ist tragisch. Das ist Fußball.

England : Deutschland 2:0
Ende der Löw-Ära. Gottseidank.

Ein recht lasches Gekicke. Die Deutschen sicherlich bemüht, aber irgendwie auch ängstlich gebremst – wohl wissend um die Offensivqualität der Engländer. Die freilich ein gewisser Kane, weltbester Stürmer für viele, kläglich vermissen ließ, in der letzten Minute der ersten Halbzeit. Das Zuspiel im Strafraum so schlecht angenommen, dass ihm der Ball ca. 2 km weit vom Fuß gesprungen ist und aus der wohl 100%igen Torchance wurde nur ein peinliches Seufzen. Apropos. Der alte Müller, in seinen besten Tagen ein Garant für Tore, ließ ebenfalls eine 100%ige Chance aus. Alleine auf den Torwart zugelaufen, den Ball neben das Tor gesetzt. Ganz Deutschland versank vor Enttäuschung im britischen Boden. Damit war das deutsche Pulver verschossen. Löw nimmt seinen Hut. Gut ist’s.

Schweden : Ukraine 1:2 n. V.
Überraschungspaket

Wahrlich, eine Überraschung. Nicht so sehr das grottig-defensive Ballgeschiebe, sondern der Aufstieg der Ukraine, die am Ende die Betonmauer der Schweden niederreißen konnte. Wenn ich daran denke, dass wir gegen die italienische Mafia-Elf antreten mussten und die geschlagenen Ukrainer gegen maue Schwedenbomben, dann haben die Leutchen aus dem Osten alles richtig gemacht und dürfen sich zu Recht freuen, im Viertelfinale auf England zu treffen.

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