Der Tanz der sieben Wonnen! #Leben #Liebe #Literatur

Am Sonntag war es, als der Dichter den Zug besteigen durfte, den er schon längst als abgefahren betrachtet hatte. Aber das Schicksal und seine Muse meinten es gut mit ihm, hatten ein Einsehen und ließen ihn die Reise machen, von der er sich so viel erhoffte.

In dieser Welt gibt es nur zwei Tragödien im Leben: Die eine ist, nicht zu bekommen, was man möchte, und die andere ist, es zu bekommen.

Oscar Wilde

Aber diese Hoffnung tanzte auf dünnem Eis. Er spielt die Szenarien des Kommenden durch, er interpretiert die Zeichen an der Wand und seufzt enttäuscht in sich hinein. Der Dichter lässt alle Hoffnungen fahren. Er glaubt nicht mehr daran, dass es zu guter Letzt eine überraschende Wendung geben würde können. Immerhin, zuckt er wehmütig mit der Schulter, würde nun endgültig ein Punkt gesetzt werden. Die Geschichte, die ihn bald 11 Wochen in eine Hochschaubahn der Gefühle geworfen hatte, muss nun zwingend und zwangsläufig zu einem Ende gelangen. Eine Fortsetzung scheint für ihn damit unwahrscheinlich, gar unmöglich. Aber für die Götter des Olymp gibt es das Wort „unmöglich“ nicht. Für diese ist alles möglich, nichts unmöglich.

Lange muss der Dichter warten, an diesem Sonntag. Auf seine Muse, die ihn höflich abweisend auf die lange Kaffeehausbank schiebt. Doch am Nachmittag, wie spät mag es gewesen sein? – klingelt es an der Tür und in des Dichters Ohr. Begrüßung. Oh, ist der Dichter verblüfft, über die Maßen verblüfft. Hatte er sich die musische Begrüßung nicht gänzlich anders vorgestellt? Abweisender. Kühler. Distanzierter. Doch davon kann keine Rede sein. Man könnte meinen, seine Muse hätte ihm einen Schmatzer links auf die Wange, rechts auf die Wange gegeben. Da ist der Dichter angenehm beruhigt. Sein aufgewühltes Inneres schöpft wieder Mut. Ein wenig. Ein bisschen. Er wirft einen Blick in das poetische Schlafgemach. Ist da seine Bettseite nicht hübsch drapiert? Will ihn seine Muse doch noch zu sich laden? Der Dichter wäscht seine Hände in Unschuld und füllt seinen hungrigen Magen, stößt mit dichterischer Ungeduld mit dem in Worten geschliffenen Weinglas an, das gefüllt ist mit rotem Wein, gekeltert von niemand anderen als Dionysos selbst. Er hatte sicherlich seinen Spaß, wusste er doch, was dieses Göttergetränk mit Dichter und Muse anstellen würde.

Die Muse kommt dem Dichter zärtlich entgegen. Ist es eine besondere Hingabe, die er da in ihren wie gemalten Augen zu bemerken glaubt? Aber der Schreibfluss in Herz und Hirn will sich nicht einstellen. Beinahe sieht es bereits so aus, als gäbe es keinen Musenkuss, als müsse der Dichter unverrichteter Dinge abreisen – mit einem Ende, aber keiner Geschichte.

Doch gerade im verzweifeltsten Moment zeigt der Wein des Dionysos die ersehnte Wirkung. Die Muse nimmt den seufzend-traurigen Dichter an der Hand und führt ihn ins Schlafgemach, wo er endlich, endlich, beseelt und beglückt den musischen Worten lauschen darf. Unglaublich, murmelt er unentwegt in seinen stachligen Bart. Ist es wahr?, kneift er sich immer wieder in die Wange. Seine in Leidenschaft vergehende Muse sprudelt, der Dichter tut, wie es ihm die Natur vorgibt. Er agiert. Er reagiert. Ein stetiges Anspannen, ein stetiges Entspannen seiner in königsblauer Tinte getauchten Schreibfeder. Es wogt in des Dichters Brust. Seine berauschte Muse schenkt ihm ein zufriedenes Lachen und den heilsamen Saft der Lebensfreude.

Wie oft der Dichter beseelt wird, an diesem Sonntag, der in einen Montag übergeht? Noch am Morgen, mit schwerem Kopf, darf er seine Muse ein letztes, nein, ein vorletztes Mal besuchen. Siebenmal wird er die Wonne der Inspiration, die sich wie kleine Tode anfühlen, spüren. Dann ist der Punkt gesetzt, der Bogen gespannt, sein sehnlichster Wunsch erfüllt.

Wie es mit Dichter und Muse weitergeht?
Viel wird darüber noch zu schreiben sein.

Aber nicht jetzt.
Nicht jetzt.

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