Epilog einer Reise #Leben #Liebe #Literatur

Immer gibt es ein „zu guter Letzt“. Im Leben wie in der Literatur. Deshalb habe ich nun der Geschichte zwischen E., der eigentlich R. ist und A., die eigentlich P. ist, einen Epilog angefügt, der kurz gehalten die mögliche Zukunft vorwegnimmt.

Während sich also vor meinem Fenster die Blätter der Bäume gegen den Wind stemmen, bahnt sich die Melancholie ihren Weg in Herz und Hirn. Es gibt nichts mehr hinzuzufügen. Nun, das stimmt natürlich nicht. Das Schicksal, genauso wie die musische Inspiration, stellt Weichen und gibt neue Wege vor, die man so nicht vor Augen hatte. Freilich, es gilt, sich darauf einzulassen. Wenige tun es. Die Mehrzahl befürchtet, der neue Weg könnte in eine Sackgasse oder gar Irrgarten führen.

Der Epilog bot noch einmal die Chance, eine Vision für beide Protagonisten zu skizzieren, die sie glücklich und zufrieden gemacht hätte. Aber meine Muse hatte andere Vorstellungen und ließ R. im strömenden Regen, bei Blitz und Donner, in der bald mitternächtlichen Dunkelheit, den ihm aufgezwungenen Heimweg antreten. Es war eine der seltsamsten Kehrtwendungen in Leben und Literatur von R., der niemals daran dachte, verbrannte Erden zu hinterlassen, vielmehr suchte er nach Auswegen, glaubt er doch an das Gute im Menschen und in P.

Aus dem Liebesroman wird ein Lebensroman. Vielleicht erzählte die Geschichte von Anfang an etwas über das Leben, und weniger über die entdeckte Liebe.

An diesem 1. August 2021 blättert der Schriftsteller mit zittriger Hand die letzte Seite um, beschreibt ein letztes, allerletztes Mal die noch blanke Seite mit blauer Königstinte und setzt den Schlusspunkt im Epilog.

Seine Muse, die ihn 13 Wochen lang täglich mit Worten und Sätzen besuchte, ihm hie und da ein helles Lachen schenkte, hat sich auf den Weg gemacht. Sie wird nun andere Schreiberlinge aufsuchen, diese mit Musenküssen becircen und betören.

Was mag wohl aus ihr werden, denkt er sich, der Schriftsteller, der nun seufzend in die Realität hinabsteigen muss. Unwohl ist ihm dabei. Aber er hat keine Wahl und tut, wie ihm geheißen.

Morgen, so viel ist ihm klar, wird wieder die Sonne aufgehen und ein weiterer Tag anbrechen. Er wird sich nachdenklich über die Stirn fahren, wenn er aus dem Bett steigt. Die musische Reise ist zu Ende. Er wird es nicht wahrhaben wollen. Jede Faser seines Herzens sträubt sich dagegen. Aber die Zeit vertreibt alle Nachdenklichkeit, nur die Erinnerung bleibt ihm, für eine Weile wenigstens, treu ergeben.

Wie sagte einmal P. folgerichtig:

Alles andere bleibt eine Erinnerung.

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