Die Lüge des Krieges und der Zerfall der alten Weltordnung #Ukraine #USA #China #Russland

Wer gegenwärtig eine Zeitung aufschlägt, erfährt nichts über den wahren Zustand dieser Welt. Die Medienmacher tun alles, um den Bürger in der Illusion gefangenzuhalten. Wenige, die in der Lage sind, diesem propagandistischen Trommelfeuer zu entgehen. Einzig die Absenz hilft, um Kopf und Kragen und damit das kritische Denkvermögen zu retten. Wer sich ungeschützt dieser brachialen Realitätsverzerrung aussetzt, dabei in die Abgründe niedrigster Instinkte hinabsteigt und vermeint, durch eine hochtrabende kollektive Gefühlsduselei wieder emporsteigen zu können, ist längst verloren.

Stefan Zweig, zu Beginn des Großen Krieges, der später der 1. Weltkrieg genannt werden sollte, bemerkte diese willentliche, von oben verordnete Verfälschung von Realität und Wahrheit, die wir seit den 1920er Jahren nicht als Lüge, sondern als Propaganda bezeichnen:

„Aber da brachte unglücklicherweise der gefällige Kellner mir eine Wiener Zeitung. Ich versuchte sie zu lesen; nun erst überfiel mich der Ekel in der Form eines richtigen Zorns. Da standen alle die Phrasen von dem unbeugsamen Siegeswillen, von den geringen Verlusten unserer eigenen Truppen und den riesigen der Gegner, da sprang sie mich an, nackt, riesenhaft und schamlos, die Lüge des Krieges!“

Die Welt von Gestern

Niemand weiß, was auf der Bühne des Krieges gespielt wird. Informationen und Erklärungen von der einen wie von der anderen Seite sind gefiltert und geschönt. Was nicht ins Bild passt, wird entweder ignoriert oder zurechtgebogen. Das ist nicht neu und gilt für alle Konflikte, alte wie zukünftige.

Versuchen wir uns ein Bild der gegenwärtigen Lage im Ukraine-Konflikt zu machen.

Die Regierung in Kiew hat den Krieg in den ersten Tagen verloren und versucht nun alles, um wenigstens die Propagandaschlacht zu gewinnen. False Flag Operationen – mit westlicher Hilfe – werden in Szene gesetzt, nicht unähnlich jenen in Syrien, um dadurch ausländische geheimdienstlich-militärische Unternehmungen zu ermöglichen (waren Mitglieder des fanzösischen Geheimdiensts in Mariupol?), schwerwiegende Wirtschaftssanktionen durchzuführen und im Eskalationsfall einen Weltkrieg akzeptabel zu machen.

Man behalte immer im Hinterkopf, dass eine westlich orientierte Ukraine in einem NATO-Bündnis eine existenzielle Bedrohung für Moskau darstellt. Dies bedeutet wiederum, dass der Kreml alles unternehmen wird, um diesen Konflikt siegreich zu beenden. Sei es am Schlachtfeld, sei es am Verhandlungstisch.

Die Frage ist demnach, wie viele Opfer und wie viel Zerstörung wollen die Westmächte in der Ukraine noch in Kauf nehmen?

Geht es nach den kriegsbegeisterten Neocons im Weißen Haus, dann muss der Konflikt so lange andauern, bis die Russische Föderation im Inneren so geschwächt ist, dass es zu bürgerkriegsähnlichen Verwerfungen kommt – analog Syrien oder dem failed state Libyen. Dadurch, so die Experten, würden Chinas imperiale Ambitionen maßgeblich gestutzt, da Peking die militärische Rückendeckung in Zentralasien verliert sowie Rohstoffengpässe zu erwarten hätte.

Die bisherige US-Strategie für sogenannte Stellvertreterkriege (proxy wars) ist immer die gleiche gewesen: Söldner werden angeworben, ausgebildet, indoktriniert und mit Waffen versorgt ins Kriegsgebiet geschleust. Im Zusammenspiel mit geheimdienstlichen Militär-Operationen genauso wie offiziell verlautbarter Luftschläge (no-fly zone) wird die Zivilbevölkerung niemals geschont, um den Gegner militärisch und moralisch zu schwächen. Im Gegenteil. Dadurch sind die USA und ihre Verbündeten taktisch immer im Vorteil und dem Gegner, der seine eigene Bevölkerung genauso wie wichtige Infrastruktureinrichtungen beschützen möchte, einen Schritt voraus.

Präsident Putin hat von Anfang an klargemacht, worum es ihm bei dieser Operation geht:

  • Ent-Nazifizierung (erznationalistische Fanatiker aus Militär, Bürokratie und Politik entfernen)
  • Ent-NATOisierung (Neutralitätsabkommen, vermutlich mit Entwaffnung, analog Österreich nach 1955)
  • Anerkennung der Eigenständigkeit ukrainischer Ostgebiete (auch Krim), die mehrheitlich eine russische Bevölkerung stellen

Dieser Konflikt hätte somit am ersten Tag politisch am Verhandlungstisch beendet werden können. Aber Washington wollte eine unblutige Lösung nicht zulassen (aus erwähnten geopolitischen und propagandistischen Gründen) und hat damit das Leid nicht nur in der Ukraine, sondern auf der ganzen Welt zu verantworten.

Was wir jetzt im Westen erleben, ist nichts anderes als scheinheilige Lippenbekenntnisse. Das Militär soll jetzt europaweit aufgerüstet werden. Gerade jetzt, in einer wirtschaftlich angespannten Lage, möchte man die Verteidigungsbudgets massiv erhöhen. Falls Sie meinen, in den 1930er Jahren hätte die sogenannte Aufrüstung Deutschland vor dem Bankrott bewahrt, so sitzen Sie einem der vielen Märchen auf, die nach 1945 mit Absicht in Umlauf gebracht wurden. Es ist, als würde man behaupten, durch das Ausheben von Schützengräben könne man das Bruttoinlandsprodukt auf magische Weise erhöhen. Rüstung bringt nur dann Geld ein, wenn man Schutzgelderpressung oder Ausbeutung im Ausland betreibt. Ansonsten ist das Militär ein budgetäres Fass ohne Boden.

Durch die vom Westen verhängten Sanktionen, die einen Wirtschaftskrieg darstellen, ist es die westliche Bevölkerung, die unnnötig Mängel erleiden wird. Man versucht nun durch mediale Gefühlsduselei vom volkswirtschaftlichen Schaden abzulenken. Fürstlich bezahlte Medienleute, die finanziell abgesichert sind und im Warmen sitzen, wollen das Sanktionsspiel bis zum wirtschaftlichen Totalausfall eskalieren. Österreich ist zu 80 % von Erdgaslieferungen aus Russland abhängig – trotzdem spielen Politiker und Experten diesen Sachverhalt herunter, geht es doch darum, den „Aggressor“ Putin in die Schranken zu weisen. Es wird laut darüber nachgedacht, russisches Erdgas nicht mehr zu beziehen. Frieren für den Frieden, hört man bereits aus gutmenschlichen Mündern. Die selbstzerstörerische Idiotie ist zum Greifen und die Gehirnwäsche, analog C19, nahezu allgegenwärtig.

Peking bereitet den Weg für die Annexion von Taiwan vor, in dem sie ein Sicherheitsabkommen mit den Salomoneninseln abschloss. Natürlich bleibt dem Pentagon diese Gefahr nicht verborgen. Verhindern kann die USA diese Inbesitznahme nicht. Die Androhung von Sanktionen hat seit dem Ukraine-Konflikt seinen Zauber verloren. Was bleibt, ist für die USA nur noch die letzte Karte zu ziehen: Vergeltungsschläge mit Atom- und Biowaffen. Das klingt apokalyptisch. Ich gehe aber davon aus, dass es weder Atom- noch Biowaffen gibt. Das ist eine lange Geschichte und führt uns tief in den Kaninchenbau hinab. Gibt es aber keine Massenvernichtungswaffen (Chemie ist davon natürlich ausgenommen), gibt es auch keine Abschreckung mehr und es bleibt beim konventionellen Krieg, der freilich nicht humaner als all die letzten geführt werden wird.

Passend dazu verlautbarte Nordkorea, einen Angriff Südkoreas mittels Raketen mit Atomsprengköpfen beantworten zu wollen. Man kann davon ausgehen, dass Peking einen neu aufflammenden Stellvertreterkrieg in Korea erwartet und Pjöngjang anwies, diese Presseaussendung zu machen. Will das Pentagon militärisch im südostasiatischen Raum eingreifen, um Chinas ausgreifende Ambitionen zu blockieren, ist das militärisch aufgerüstete Südkorea, erweitert mit US-Truppen vor Ort, die erste Wahl, eine chinesische Reaktion zu provozieren.

Was wir gegenwärtig erleben, ist der Zerfall der alten Weltordnung, die von Washington und dem Petro-Dollar angeführt wird. Das Militär der Vereinigten Staaten ist eine bestens ausgerüstete Anti-Terror-Spezialeinheit mit einer zerstörerischen Luftwaffe, die als Abschreckung dient und nur dort zum Einsatz kommt, wo Bestechung oder Drohung nicht die gewünschte Wirkung erzielt.

Hat das US-Militär nicht die Lufthoheit in einem Kriegsgebiet, ist sie, wie jede andere moderne Armee, praktisch wertlos. Was bleibt, ist der Rückzug in urbane Zonen mit Zivilisten als Schutzschirm, um der Vernichtung aus der Luft zu entgehen und den Vormarsch der gegnerischen Truppen aufzuhalten. Keine mobile Armee, die am Schlachtfeld alle Trümpfe in der Hand hält, will eine Stadt einnehmen müssen, da es ein langwieriger und blutiger Kampf ist. Während die Medien die „lang andauernden“ Kämpfe in der Stadt Mariupol als Schwäche des russischen Militärs auslegen, vergessen sie die Situation in der irakischen Stadt Falludscha im Jahr 2003/2004, als Rebellen (keine Soldaten im herkömmlichen Sinne) die Oberhand gewannen und sie ‚besetzten‘. Was folgte, waren US-Bombardements ohne Rücksicht auf zivile Verluste und eine langsame Rückeroberung.

Das Pentagon weiß, dass ein Übersee-Krieg mit einer Großmacht, die ein funktionierendes Luftabwehr- sowie Artillerieleitsystem ins Feld führen kann, mit konventionellen Mitteln nicht zu gewinnen ist. Was bleibt, ist die althergebrachte und vom imperialen Großbritannien zur Perfektion gebrachte conquer and divide Strategie, in dem man innerhalb des Feindeslandes die Opposition stärkt und die einen gegen die anderen ausspielt, als auch zum Regime-Wechsel aufruft oder in angrenzenden Ländern gesellschaftliches Chaos verursacht. Alles in allem ist der gewöhnliche Bürger das erste und letzte Opfer solch geopolitischer Schach- und Winkelzüge elitärer Aristokraten, die Medienmacher dafür bezahlen, die Masse dumm zu halten.

Bedenken Sie diesen Umstand das nächste Mal, wenn Sie eine Zeitung aufschlagen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.