Die verlorene Geschichte

Zu solch später Stunde schreibt er für gewöhnlich nicht, der gute Dichter. Aber die Wirklichkeit lässt ihm keine andere Wahl. Wiewohl, jeder hat eine Wahl. Würde man denken. Da sind wir schon bei der Crux. Das Seufzen ist überlaut zu vernehmen. So viel Hoffnung und Zuversicht hatte er, am Sonntag, als die Muse sich angetragen hatte. Aber nur wenige Tage später, da hat ihn die Wirklichkeit verschlungen und wieder ausgespuckt. Ja, der Meister der poetischen Worte sehnt sich nach Harmonie und Gelassenheit. Möchte man meinen. Aber jede Geschichte braucht ein Auf und ein Ab. Er weiß es. Mit banaler Harmonie und bescheidener Gelassenheit lässt sich gut leben, aber ein Meisterwerk wird daraus niemals entstehen. Deshalb lässt er geschehen. Die Schläge, oftmals tief und fest, hie und da, selten gewiss, zärtlich und sanft, haben Wirkung, zeigen Wirkung. So verliert der Dichter die Balance und fällt. Wenn er Glück hat, nur zu Boden. Wenn er Pech hat, aus allen Wolken. Der Aufprall, nun, hat mit Fallhöhe und Bodenbeschaffenheit zu tun. Schmerzhaft. Immer. So muss es sein. Ursache und Wirkung. Im nicht-physikalischen Bereich seines musischen Universums genauso wie in seiner gedanklichen Wirklichkeit. Er wird sich aufrappeln. Das ist der Gang der Dinge. Er wird sich Staub und Asche aus Körper und Geist schütteln. Und erneut zur Feder greifen. Das ist der Lauf der Dinge. Der Dichter hat sich offenbart, vor langer Zeit, hat sich nicht für das Leben, sondern für die Poesie entschieden. Er wollte es so. Er hat es so bekommen. Mitleid muss niemand für ihn haben. Am Ende, davon ist er überzeugt, wird er die verlorene Geschichte finden.