Gedanken: 1.Spieltag der Gruppe C und der Gruppe D #WM2022

C: Argentinien – Saudi-Arabien 1:2 / Mexiko – Polen 0:0
D: Frankreich – Australien 4:1 / Dänemark – Tunesien 0:0

22.11.2022 Gruppe C
Argentinien : Saudi-Arabien 1:2
Am Papier hätte es die einseitigste Partie werden müssen. Aber die Wahrheit liegt nun mal am Platz. Anfänglich verlief alles nach argentinischem Plan. Messi verwandelt einen Elfmeter und mit der Führung im Rücken spielt es sich leicht. Zu leicht. Dreimal geht der Ball ins arabische Tor. Dreimal wegen Abseits aberkannt. Man konnte also davon ausgehen, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis die Argentinier den Sack zumachen würden. In der zweiten Halbzeit wandelte sich das Blatt. Wie es dazu kommen konnte, dass die Saudis innerhalb weniger Minuten mit sehenswerten Toren das Spiel drehten, ist ein großes Rätsel. Sicherlich ist die Mannschaft der Saudis perfekt eingestellt gewesen, die Spieler allesamt technisch beschlagen und laufstark, aber vor allem diszipliniert. Beeindruckend, wie sie gegen eine argentinische Elf ihr Defensivsystem immer beibehielten und auch in der größten Druckphase niemals die Nerven verloren. Bezeichnend, wenn Altspieler Di Maria am rechten Flügel die einzigen, freilich wenigen Akzente setzen konnte. Von einer Flügelzange war man weit entfernt. Überhaupt schien alles nur auf die Mitte, auf Messi und Lautaro Martinez fokussiert gewesen zu sein. Hier sieht man wieder, dass auch großartige Einzelspieler in einem System eingebunden werden müssen, ansonsten wird der Rest der Mannschaft nur noch zu Wasserträgern, die keine eigenständigen Ideen haben dürfen. Schlussendlich mangelte es den Argentiniern an Willenskraft. Die Saudis zeigten eindrücklich, wie es gehen kann. Die Iraner hätten es gegen England gerne ebenso machen wollen, scheiterten aber kläglich – müssen wir nun England über Argentinien stellen? Quo vadis Argentinien? Kann die Mannschaft ihren Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen? Das nächste Spiel, ausgerechnet gegen Mexiko, wird es zeigen.


22.11.2022 Gruppe D
Dänemark : Tunesien 0:0
Wenige Minuten nach Spielbeginn will sich der dänische Ausnahmespieler Eriksen den Ball gemütlich annehmen, da grätscht ihm von der Seite ein Tunesier mit überhöhter Geschwindigkeit an. Eriksen sieht verdutzt dem Ball nach, während der Tunesier diesen gewonnenen Zweikampf mit einem Schrei zelebriert. Das hatten sich die Dänen wohl anders vorgestellt. Diese Mannschaft, dieses europäische Dynamit, die man als die Inkarnation des fußballerischen Selbstbewusstseins verstehen kann, haben in Tunesien ihren Meister gefunden. Dieses Spiel. In der ersten Halbzeit zeigen die Nordafrikaner keine Gnade, haben die besseren Torchancen und spielen wie entfesselt. Die Dänen wiederum halten dagegen, wollen ihr abgeklärtes Spiel aufziehen – aber oftmals reißt der Faden, besser: wird der Faden von sich entgegenwerfenden Tunesiern gerissen. Dieses Match ist das genaue Gegenteil vom WM-Eröffnungsspiel, das emotional dahinplätscherte und mehr einem Freundschaftsspiel glich. In diesem Match fehlt nicht viel, und die Messer werden gezückt. Schlussendlich blieb alles ruhig – vor allem auch deshalb, weil der Schiedsrichter in der Nachspielzeit keinen Elfmeter für die Dänen pfiff. In der zweiten Halbzeit mussten die Tunesier einen Gang zurückschalten, trotzdem blieben sie im Zweikampf konsequent und versuchten sich im Konterspiel – nur das defensive Stellungsspiel leidete ein wenig. Die Dänen werden sich nun fragen, was sie falsch gemacht haben oder besser machen hätten können. Das Dynamit haben sie noch nicht gezündet. Es wird doch kein Blindgänger sein?


22.11.2022 Gruppe C
Mexiko : Polen 0:0
Wenn ein Unterschiedsspieler einer Mannschaft keinen Unterschied macht, gibt es auch keinen Blumentopf zu gewinnen. So vergab ausgerechnet Barcelona Ausnahmestürmer Lewandowski einen Elfmeter. Die mexikanischen Fans waren derart aus dem Häuschen, dass ihr Superstar-Torhüter Ochoa den schwach geschossenen Elfer hielt, dass man meinen könnte, sie hätten die Weltmeisterschaft gewonnen. Deshalb lieben wir jede Weltmeisterschaft, der südländischen Fans wegen, die wissen, wie man feiert. Das Stadion war ein mexikanischer Hexenkessel. Gottlob blieb es bei diesem Unentschieden. Somit besteht für die herzhaft aufspielenden Mannschaft aus Mexiko weiterhin die Chance auf den Aufstieg. Die Polen wiederum hatten mit einer durchschnittlichen Elf nur durchschnittlich am Rasen agiert – Feuer und Leidenschaft überließ man den Mexikanern.


22.11.2022 Gruppe D
Frankreich : Australien 4:1
Beinahe befürchtete man ein Stolpern des amtierenden Weltmeisters über anfänglich bissig auftretende Australier. Nach dem überraschenden Führungstreffer verhinderte nur die Stange das 0:2. Mon Dieu! Aber dann nahmen Les Bleus rund um Superstar Mbappe das Heft in die Hand und ließen die Australier wie eine Wirtshaustruppe alt aussehen. Man konnte sehen, dass die französischen Offensivkräfte allesamt Spaß am Rasen hatten. Ein sicheres Zeichen, dass der Haussegen in der Équipe Tricolore nicht schief hängt und die Stimmung in Ordnung sein muss. Das Team freute sich für Giroud, der mit seinem Tor einen französischen Rekord brechen konnte – mehr Tore als er hat keiner im Team geschossen. Respekt. Der Ausfall wichtiger Stammspieler – da vor allem Benzema und Kanté genauso wie Supertalent Nkunku – hat vielleicht den nötigen Biss und Giroud in die Aufstellung gebracht. Solange die französische Elf guter Laune und Mbappe gesund ist, mögen sie jeden Gegner schlagen. Aber die Anfangsviertelstunde hat gezeigt, dass Frankreich in der Defensive auf unsicheren Füßen steht, obwohl sie mit einer eingespielten Abwehrreihe nach Katar gekommen sind. Seltsam. Sagen wir, das Nervenkostüm hielt anfänglich dem Druck nicht stand. Die Australier selbst, nun ja, versuchten sich gegen den französischen Esprit zu stemmen – aber mit jeder verstrichenen Minute offenbarte sich der Klassenunterschied.

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