Gedanken: 1.Spieltag der Gruppe G und der Gruppe H #WM2022

24.11.2022 Gruppe G
Schweiz : Kamerun 1:0
Hätten wir also das erste Freundschaftsspiel dieser WM gehabt. Man hatte in den 90 Minuten nie das Gefühl, dass es Kamerun ernst meinte – obwohl sie ein Tor aufholen hätten müssen. Die Schweizer spielten ihr stocksteifes Spiel ab, waren ballsicher und wussten sich auf ihren Torhüter Sommer zu verlassen. Ein Schuss aufs Tor reichte ihnen für den Sieg. Die Afrikaner behäbig und müde, da war kein Feuer, keine Leidenschaft zu bemerken. War es einer großen Nervosität geschuldet? Oder waren sie vom Schweizer Selbstbewusstsein eingeschüchtert. Ausgerechnet Embolo, ein geborener Kameruner im Schweizer Dress, schoss die Afrikaner aus der Weltmeisterschaft. Für die einen ist das die Ironie der Globalisierung, für die anderen einfach nur eine große Tragödie.

24.11.2022 Gruppe G
Brasilien : Serbien 2:0
FIFA Youtube Zusammenschnitt
Die erste Überraschung lieferten die Serben ab. Sie zeigten sich von Anpfiff weg unbeeindruckt und agierten frech und forsch. Freilich, das Defensivkonzept hielten sie brav ein, ließen somit kaum Chancen für die Brasilianer zu, die ein wenig ratlos wirkten. Viel Ballbesitz, viel Herumgeschiebe, aber ein Durchkommen gab es nicht. Der Salzburg Innenverteidiger Pavlovic, ein Jungspund, lieferte ein herzhaftes Spiel. Kudos. In der zweiten Hälfte, nun, da bemerkte man bereits serbische Verschleißerscheinungen, die das Pressing nicht mehr aufrechterhalten konnten. Die Folge waren Torchancen und schließlich das 1:0. Gegen ein spielstarkes Team zurückzuliegen und sich offensiver aufzustellen, somit Räume freigeben, in die schnelle gegnerische Stürmer sprinten können, ist ein fußballerisches Harakiri. Die Folge war eine sehenswerte Flugeinlage von Richarlison und das 2:0. Damit wurde die Angelegenheit für beendet erklärt. Tapfer aufbäumende Serben mussten am Ende froh sein, nicht in eine veritable Schlappe geschlittert zu sein – der Torpfosten rettete das eine oder andere Mal, genauso wie ihr Torhüter in höchster Not. Die Gegnerschaft kann es schon mit der Angst zu tun bekommen, so man sich von der Qualität Brasiliens einschüchtern lässt. Aber Japan genauso wie Saudi-Arabien haben gezeigt, dass man mit unbändigem Kampfeswillen jeden Favoriten schlagen kann, so dieser nicht in der Lage ist, dagegenzuhalten. Brasilien gilt nach diesem Spiel sicherlich als Favorit für die WM, hatten sie von allen Favoriten-Teams das schwerste Los. Mit der Leistung der Serben ist freilich nicht zu spaßen. Die Schweiz wird im letzten Gruppenspiel auf Serbien treffen. Das hatten wir schon einmal. Hui. Die Messer werden bereits jetzt gewetzt.

24.11.2022 Gruppe H
Uruguay : Südkorea 0:0
Vergleicht man das erste Spiel des Tages (Schweiz : Kamerun) mit diesem, dann könnte man zur Meinung gelangen, es handelte sich um zwei gänzlich unterschiedliche Sportarten. Die Intensität, die Uruguay und Südkorea in den ersten Minuten auf den Platz brachten, war schon aller Ehren wert. Man spürte, dass beide Mannschaften alles daransetzten, um als Gewinner vom Platz zu gehen. Für Tore hat es freilich nicht gereicht. Das lag einerseits an der Stange – Godin köpfte an den Innenpfosten und Valverdes Schuss klatschte an die Außenstange – andererseits an der Abschlussschwäche des koreanischen Mittelstürmers, der unbedrängt einen zugespielten Querpass aus 7 Metern weit über die Latte haute. Das Unentschieden ist somit gerecht und man würde sich mehr Mannschaften wünschen, die mit solch einer Intensität zu Werke gehen, sozusagen den Ernst der Lage bereits bei Anpfiff erkennen. Was wurde da nicht um jeden Ball gekämpft und gerungen. Trotzdem blieb das Spiel fair. Hässliche Fouls gab es praktisch nicht. Wenn schon ein torloses Remis, dann so eines.

24.11.2022 Gruppe H
Portugal : Ghana 3:2
FIFA Youtube Zusammenschnitt
Was für eine Dramatik. Was für ein Match. Wieder einmal ist es Ghana, das nach einem herzhaften Spiel am Ende nicht belohnt wird und leer ausgeht. Die Portugiesen, da gibt es nichts zu rütteln, haben die besseren Einzelspieler, die den Unterschied ausmachen können. Joao Felix, das portugiesische Supertalent, enttäuschte lange Zeit, war kaum zu sehen, dann macht er sein Tor. Oder Superstar Rafael Leao, der in Italien Tore am Fließband schießt, wird eingewechselt und macht mit seinem ersten Ballkontakt das entscheidende Tor. Gäb’s da noch einen Cristiano Ronaldo, der einen Elfmeter herausholt und diesen eiskalt verwandelt. Damit ist er der einzige Spieler in der Geschichte des Fußballs, der bei 5 Weltmeisterschaften ein Tor erzielen konnte. Kudos. Die erste Halbzeit verlief wie man es erwarten konnte: die Portugiesen kontrollieren die Partie mit viel Ballbesitz, die Ghanaer halten mit diszipliniertem Stellungsspiel dagegen und lauern mit ihren schnellen Offensivspielern auf ein Konterspiel. Somit gab es in der ersten Hälfte nur wenige Torchancen, trotzdem war es ein munteres Spiel. Dann schießt in der 65. Minute Ronaldo den Elfmeter und damit den Führungstreffer. Jubelstimmung. Die Portugiesen sind überzeugt, dass die 3 Punkte im Sack sind. Doch die Afrikaner reagieren, werden offensiver, aggressiver. Kapitän Ronaldo wird ausgewechselt und muss den Ausgleich durch Kapitän Ayew von der Seitenlinie enttäuscht und verärgert mitansehen. Minuten später wird Ayew ausgewechselt und muss von der Seitenlinie enttäuscht und verärgert den Führungstreffer der Portugiesen hinnehmen. Der Schock ist noch nicht verdaut, da klingelt es erneut. 3:1 in der 80. Minute. Damit ist die Sache gegessen. Sollte man meinen. Die Afrikaner geben nicht auf. Werfen sich hinein und nach vor. In der 89. Minute der Anschlusstreffer. Hola. Es geht rund. Rudelbildungen. Es regnet Gelbe Karten. Dem umsichtigen Schiedsrichter aus den USA ist es sicherlich zu verdanken, dass das Spiel nicht aus dem Ruder lief, kochten die Emotionen auf beiden Seiten hoch. Die Nachspielzeit von über 10 Minuten ist dramatisch. Zu guter Letzt hätte der portugiesische Torhüter beinahe einem Afrikaner den Ball vor die Füße gerollt und ihm eine billige Einschusschance geschenkt. Doch der Ghanaer rutscht weg und verstolpert damit diese Ausgleichsmöglichkeit. Hätte dieses Torhüter-Blackout tatsächlich zum Ausgleich geführt, die Welt wäre Kopf gestanden und in Ghana hätte der Ausnahmezustand ausgerufen werden müssen. Aber so blieb es beim Favoritensieg.

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